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Schwerpunkt: Clan-Kriminalität

Geschlossene Gesellschaft: Warum es so schwer ist, im Milieu der Clans zu ermitteln

15. Januar 2020

Ibrahim Miri – der Name ist seit Ende 2019 deutschlandweit bekannt. Er ist eines der führenden Mitglieder des Miri-Clans, eines der größten Familienclans in Deutschland, der auch in Bremen aktiv ist. Miri war nach seiner Abschiebung illegal wieder eingereist und wurde dann erneut in den Libanon abgeschoben. Seitdem diskutiert die Politik intensiv über kriminelle Clanstrukturen. Warum ist es so schwer, gegen Clankriminalität vorzugehen?

Ein Polizeibeamter durchsucht einen Mann bei einer Razzia in einer Shisha-Bar (Archivbild) [Quelle: DPA, Christoph Reichwein]
Schwierige Ermittlungen: Die Polizei steht bei Clan-Kriminalität geschlossenen Strukturen gegenüber. [Quelle: DPA, Christoph Reichwein]

Es geht insgesamt um rund 200.000 Personen, die in ganz Deutschland diversen Clans zugeordnet werden. Die Zahl stammt vom Bundeskriminalamt. In Bremen geht das Landeskriminalamt von rund 3.500 Mitgliedern aus. Natürlich sind nicht alle kriminell, aber ein hoher Prozentsatz ist "polizeilich auffällig", sagt der Bremer LKA-Leiter.

Geschlossene Gesellschaft

Polizei und LKA in Bremen arbeiten zusammen bei der Bekämpfung der Clankriminalität, in Oldenburg gibt es eine Sonderermittlungseinheit. Ziel: Man will die Strukturen aufbrechen, die sich über viele Jahre festgesetzt haben und man will an die Vermögen heran, die die Clans durch kriminelle Geschäfte erbeutet haben. Das Problem: Die Clans sind sehr gut organisiert. Es sind geschlossene Systeme mit einer Paralleljustiz. Das erschwert die Arbeit der Ermittler enorm, trotzdem zeigt die "Null-Toleranz-Politik" Wirkung.

Paralleljustiz, verborgene Strukturen – warum es so schwer ist, gegen Clankriminalität vorzugehen [4:44 Minuten]

Von Jägern und Gejagten

"Der Staat sagt arabischen Clans den Kampf an". Oder: "Zeitenwende im Kampf gegen arabische Clans". Zwei Schlagzeilen aus dem vergangenen Jahr, nach der Abschiebung des Bremer Clanmitglieds Ibrahim Miri. Was sagen Ermittler und Polizisten?

Sebastian Fiedler, Bund deutscher Kriminalbeamter:

Der Rechtsstaat in Deutschland wird nicht akzeptiert, es gibt eigene Regeln, eigene Friedensrichter, man löst Konflikte untereinander.“

Lüder Fasche, Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei in Bremen:

Die Frage stelle ich mal in den Raum – ob der Bürger wirklich das Gefühl hat, die Polizei könnte ihn jetzt dort schützen.

Lüder Fasche von der Gewerkschaft der Polizei kritisiert seit langem, dass sie personell nicht in der Lage ist, angemessen auf die Aktivitäten krimineller Clans zu reagieren. Allein im Land Bremen fehlten dafür mindestens 30 Stellen. Das ist kein Geheimnis – und auch den Clans durchaus bewusst. ARD-Journalisten ist es jüngst gelungen, darüber mit einem Clan-Mitglied zu sprechen. Khaled Miri wird der gleichnamigen libanesischen Familie zugerechnet, die unter anderem auch in Bremen aktiv ist.

Die Menschen haben einen gewissen Respekt vor uns. Die wissen, die können nicht so umgehen, wie sie wollen. Die wissen, wenn die mit uns respektlos umgehen, dann wird das Konsequenzen haben. Ersthafte Konsequenzen. Weißt du, was ich meine?

Khaled Miri

Bremer Polizeibeamte fordern ein Umdenken der Politik, defensives Einschreiten helfe hier nicht mehr. LKA-Chef Daniel Heinke schätzt die Situation weniger dramatisch ein.

Daniel Heinke, LKA Bremen

Wir stellen fest, dass die Entschlossenheit, Recht und Gesetz durchzusetzen, durchaus wahrgenommen wird.

Clan-Kriminalität: Was sagen die Ermittler? [4:10 Minuten]

Gefährliche Ermittlungen

Eine geschlossene Parallelgesellschaft, abgeschottet, gut organisiert und mit einer Paralleljustiz. So agieren die kriminellen Clans in Deutschland. In diesem Milieu zu ermitteln, ist schwierig, Recherchen sind oft gefährlich. Journalisten und Ermittler geben Auskunft.

Länge: 3:15 Minuten
Datum: Mittwoch, 15. Januar 2020
Sendereihe: Online | Radio Bremen

Der Fall Miri

Ibrahim Miri: prominentes Mitglied des Bremer Miri-Clans, mehrfach verurteilt, illegal nach Deutschland eingereist, abgeschoben in den Libanon. Am "Fall Miri" zeigt sich, welche Probleme Clans in Deutschland bereiten.

Länge: 3:59 Minuten
Datum: Mittwoch, 15. Januar 2020
Sendereihe: Online | Radio Bremen

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Geschlossene Gesellschaft: Warum es so schwer ist, im Milieu der Clans zu ermitteln

Ibrahim Miri: prominentes Mitglied des Bremer Miri-Clans, mehrfach verurteilter Clanchef, im Sommer 2019 abgeschoben in den Libanon, drei Monate später illegal nach Deutschland eingereist, wieder abgeschoben in den Libanon. Am "Fall Miri" zeigt sich, welche Probleme Clans in Deutschland bereiten.

Programme für Aussteiger

Ein Zeitungsausschnitt zum Thema kurdisch-libanesische Gangs [Quelle: Radio Bremen]
Viele junge Clanmitglieder sind kriminell. Wer sich aus dem Milieu lösen will, hat es schwer.

Experten sind sich einig: Eigentlich wäre es besser, wenn solche kriminellen Karrieren gar nicht erst entstehen würden, wenn man früher mit jungen Clanmitgliedern in Kontakt kommt, um ihnen Alternativen aufzuzeigen. Eine Möglichkeit: Aussteigerprogramme für Clanmitglieder, die sich aus ihrer kriminellen Familie lösen wollen. Doch explizite Aussteigerprogramme gibt es nicht. In Niedersachsen arbeitet das Landeskriminalamt immerhin an einem Aussteigerprogramm und will sich dabei an den Programmen für die rechtsextreme Szene orientieren. In Bremen gibt es gar keine speziellen Programme für kriminelle Jugendliche, die aus Clanfamilien stammen. Und die Jugendlichen wollen nicht darüber reden. Kein Wunder, denn ihnen drohen Strafen aus der Familie, wenn sie Informationen an andere weitergeben.

Aussteiger-Programme für Clanmitglieder [4:03 Minuten]

Auf den Spuren der Clans in der Türkei

Nicht nur in Bremen kontrollieren die Großfamilien seit Jahren die Straßen, auch in Essen oder Berlin. Ihre Namen sind Miri, Abou-Chaker, Remmo oder Al-Zein. Sie gehören zur arabischsprachigen Volksgruppe der Mhallami. Anders als oft berichtet stammen die Clan-Familien ursprünglich nicht aus dem Libanon, sondern aus der Türkei, aus der Region Mardin im Südosten.

Clan-Familien wie die Miris und Remmos stammen ursprünglich aus der Türkei, aus der Region Mardin im Südosten. Eine Spurensuche.

Länge: 4:19 Minuten
Datum:
Sendereihe: Online | Radio Bremen

Der Ort Mercimekli gilt als Mhallami-Hauptstadt. Bis nach dem Ersten Weltkrieg lebte die Volksgruppe hier, danach wanderten viele in den Libanon aus. Als in den 1980er-Jahren im Libanon der Bürgerkrieg tobte, flüchteten viele Mhallami nach Deutschland – auch die Familien Al-Zein, Remmo und Miri.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 15. Januar 2020, ab 6:35 Uhr.

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