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Digitale Bildung

Wie läuft der digitale Unterricht in Bremen?

Knapp 50 Millionen Euro bekommt Bremen bis 2025 aus dem Digitalpakt, auf den sich Bund und Länder geeinigt haben. Damit will das Land die Schulen mit neuen Rechnern, interaktiven Tafeln und schnellerem Internet ausstatten.

Kinder schauen auf ein Whiteboard [Quelle: Radio Bremen, Claudia Scholz]
Kinder lernen an einem Medienboard das Auge kennen. [Quelle: Radio Bremen, Claudia Scholz]

Reportage: Digitaler Unterricht in zwei Bremer Schulen [3:51 Minuten]

In einigen Bremer Schulen gehört digitaler Unterricht schon zum Alltag, so wie an der Grundschule am Baumschulenweg. Die grüne Tafel mit der staubigen Kreideschicht war gestern. Das Medienboard ist weiß, glänzt und kann so ziemlich alles sein: Schreibtafel, Touchscreen, Fotowand oder Fernseher. In dieser Schulklasse geht es gerade um die Sinne. Auf der interaktiven Tafel sehen die Kinder ein Auge. Und drumherum stehen Begriffe wie "Iris", "Augenlid" oder "Pupille". Abwechselnd kommen die Kinder nach vorne und ziehen mit ihrem Finger digitale Linien zwischen Bild und Worten. Eine echte Bereicherung für den Unterricht, findet Uta Christann, die Konrektorin der Grundschule am Baumschulenweg.

Digitale Medien sollen traditionellen Unterricht ergänzen

In der Neuen Oberschule Gröpelingen gehören digitale Medien seit neun Jahren zum Alltag. Es gibt Laptops, Medienboards und – "It’s Learning": Eine Lernplattform, die alle Lehrer nutzen. Die Daten werden dabei auf einem Server der Bildungsbehörde gespeichert.

Lehrer steht vor einem Whiteboard [Quelle: Radio Bremen, Claudia Scholz]
Lehrer Christian Radke erklärt Mathe an eienr interaktiven Tafel. [Quelle: Radio Bremen, Claudia Scholz]

Digitale Medien seien eine Bereicherung. Sie sollen aber traditionellen Unterricht nicht ersetzen, sondern ergänzen, sagt Co-Rektor Christian Radke:

Ich glaube, sie machen Unterricht auf jeden Fall zeitgemäß, ansprechend und attraktiv. (...) Das Leben der Schüler hat sich verändert, wir leben in einer digitalen Welt.

Christian Radke

Darauf wollen die Lehrer*innen die Jugendlichen vorbereiten:

Hemmung vor digitalen Medien sind gar nicht so der springende Punkt in der weiterführenden Schule, sondern eher der kompetente Umgang damit. (...) Das versuchen wir zu vermitteln, dass das mündige Bürger werden, die sich auch in der digitalen Welt bewegen können.

Christian Radke

Digitalpakt: Knapp 50 Millionen Euro für Bremen

So soll das Startbudget 2019 auf die Schulen verteilt werden:
  • Grundschulen und Förderzentren 5.000 Euro
  • Oberschulen 10.000 Euro
  • Oberschulen mit gymnasialer Oberstufe und Gymnasien 15.000 Euro
  • Berufsschulen 20.000 Euro
Dafür müssen die Schulen unter anderem eine Liste einreichen, für was sie das Geld ausgeben wollen. Bisher haben das laut Bildungsressort aber nur 20 der insgesamt 158 Schulen in der Stadt Bremen gemacht. Bremerhaven entscheidet selbst, was mit den Mitteln aus dem Digitalpakt passiert.

Wie lernen die Lehrer*innen das digitale Unterrichten?

Digitale Bildung im Studium? Die bisherigen Angebote sind dünn gesät und nur auf freiwilliger Basis. Beim Medientag im Landeinstitut für Schule in Bremen-Findorff lernen zukünftige Lehrerinnen und Lehrer verschiedene Möglichkeiten kennen, digitale Medien im Unterricht einzusetzen. Zum Beispiel die Schulplattform "It’s Learning", die derzeit vor allem in Norwegen und Schweden genutzt wird. Mit ihr können Lehrer ihren Unterricht digital vorbereiten und strukturieren, das Material an die Schülerinnen und Schülern verteilen und sich mit dem Kollegium vernetzen.

Reportage: Wie lernen Lehrer*innen digitalen Unterricht? [3:55 Minuten]

Zwei Mädchen schauen auf ein Smartphone und einen Laptop. [Quelle: Radio Bremen, Anna Postels]
Digitaler Unterricht mit Smartphone und Laptop. [Quelle: Radio Bremen, Anna Postels]

Umfassende und fächerübergreifende digitale Bildungskonzepte Konzepte gibt es derzeit noch nicht – sie werden noch entwickelt. Außerdem müssen Lehrpläne überarbeitet werden – jede einzelne Schule muss außerdem ein Medienkonzept schreiben – sonst gibt es kein Geld aus dem Digitalpakt. Der sieht auch vor, dass die Länder ihre Lehrer*innen in Sachen Digitalisierung fortbilden – und das auch selbst bezahlen, sagt Rainer Ballnus vom Amt für Medien am Landesinstitut für Schule. Es gibt in Bremen bereits Lehrer*innen, die in diesem Bereich ausgebildet sind. Aber derzeit reichen die Kapazitäten nicht aus, um tatsächlich alle 6.500 Lehrerinnen und Lehrer in Bremen digital weiterzubilden. Um möglichst viele erreichen zu können, haben Bremen und Niedersachsen eine Kooperation geschlossen.

Sind Computer die besseren Lehrer?

Sind Computer die besseren Lehrer? [5:03 Minuten]

Ist digitales Lernen besser, als traditioneller Unterricht? Nein, sagt der Medienpädagoge Markus Gerstmann. Er vermittelt Schüler*innen und Lehrer*innen in Bremen Medienkompetenz. Die Medien seinen nur didaktische Mittel, die allerdings sinnvoll eingesetzt werden müssten, um einen Lernerfolg zu erzielen. Medien können einen schnelleren Zugang zu Informationen ermöglichen und den Unterricht interessanter machen, so Gerstmann.

Lernen hängt von einer Beziehungsarbeit zwischen den Lehrkräften und den Schülern ab. Das wird sich auch in Zukunft, in einer digitalen Gesellschaft, nicht verändern.

Markus Gerstmanm

Mehr zum Thema:
Digitalpakt - wer profitiert davon? [5:21 Minuten]

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 29. August, 7:36 Uhr

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