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Wem gehören unsere Böden?

Boden ist Kapital: Bauunternehmen wollen bauen, Landwirte darauf Lebensmittel oder Futter für ihre Kühe anbauen und Naturschützer Flächen unter Schutz stellen. Auch wenn Bremen als Stadtstaat nicht viel Fläche hat, ist die steigende Flächenversiegelung auch bei uns ein Thema. Bremen-Zwei-Reporter Nikolas Golsch hat recherchiert und die verschiedenen Facetten umfangreich beleuchtet.

Bremer Galopprennbahn aus der Vogelperspektive [Quelle: Radio Bremen]
Grünfläche oder Wohnraum? Noch ist nicht klar, was mit der Fläche der ehemaligen Galopprennbahn in Bremen geschieht

Bremen als Reagenzglas: Der Kampf um den Boden [5:31 Minuten]

Erst vor wenigen Wochen haben rund 1.500 Menschen für mehr Wohnraum in Bremen demonstriert. Doch um den zu schaffen, braucht es Flächen. Boden, auf dem jetzt unter anderem noch Landwirtschaft betrieben wird, befürchtet Christian Kluge vom Bremer Bauernverband. Der Wunsch nach mehr Gewerbeflächen und mehr Wohnraum ist für ihn vollkommen verständlich und legitim, stehe aber konträr zur landwirtschaftlichen Nutzfläche.

Und wenn Boden einmal versiegelt ist, dann ist er verloren. Der ist dann nicht mehr rückbaubar.

Christian Kluge, Bremer Bauernverband

Ziel: null Hektar Neuversiegelung

Rund 60 Hektar Fläche werden in Bremen nach Angaben des Senats jedes Jahr verbraucht, das entspricht einer Größe von 84 Fußballfeldern und macht 0,14 Prozent der Landesfläche aus. Im bundesweiten Vergleich steht Bremen damit gut da und unterschreitet sogar die Nachhaltigkeits-Ziele der Bundesregierung. Die würden Bremen 90 Hektar pro Jahr erlauben. Joachim Lohse, Senator für Umwelt, Bau, Verkehr und Landwirtschaft, ist stolz: "Das würde ich auch immer als Ziel formulieren, schlechter als dieses Ziel sollten wir nicht sein – perfekt wäre es, wenn wir irgendwann auf null Hektar Neuversiegelung kommen.“

7. November 2019: Helmut-Schmidt-Journalistenpreis

In der Kategorie "Nachwuchs" landeten Nikolas Golsch (Reporter) und Bernd Klose (Redaktion) mit ihrem Themen-Schwerpunkt bei der Verleihung des Helmut-Schmidt-Journalistenpreises auf dem dritten Platz. Herzlichen Glückwunsch.

Helmut-Schmidt-Journalistenpreis 2019

Flächenverbrauch in Bremen sinkt

Tatsächlich sinkt der Flächenverbrauch im Land Bremen, seit das Bauressort 2007 an die Grünen ging. Gleichzeitig wird seit 2012 deutlich mehr gebaut – aber im Gegensatz zu früher vor allem innerhalb der Stadt. Lohse spricht sogar von Flächenreserven: "Wir haben Flächenreserven ermittelt für rund 27.000 Wohneinheiten und da kommen immer noch weitere Flächen dazu, ich gehe davon aus, dass die Flächenreserven für mindestens 10, wenn nicht 15 oder 20 Jahre reichen werden."

Grafik Baufertigstellungen (Wohnbau) und Flächenverbrauch p.a. [Quelle: Statistisches Landesamt, Grafik Radio Bremen]

Galopprennbahn: Grünfläche oder Bebauuung?

Aber auch in der Stadt gibt es Konflikte um den Boden. Bestes Beispiel ist die Galopprennbahn: Sollten sich die Wähler beim anstehenden Bürgerentscheid gegen eine Bebauung aussprechen, dann fehlt wieder Platz für neuen Wohnraum. Dabei sei gerade die Galopprennbahn ein gutes Beispiel dafür, wie Wohnungen auf ökologisch verzichtbaren Flächen innerhalb der Stadt entstehen können – und eben nicht auf wertvollen Naturflächen außerhalb, sagt Lohse.

Ausgleichsflächen sind rar und teuer

Insgesamt geht der Grünen-Senator davon aus, dass der Flächenverbrauch in den kommenden Jahren nicht wieder steigt. Aber trotzdem – für Bauprojekte wie die A281 werden weiter Flächen gebraucht und für andere Projekte wie die Weservertiefung werden Ausgleichsflächen benötigt. Der Druck wirkt sich deswegen besonders auf die Landwirtschaft aus: Wer seinen Betrieb vergrößern oder auf Bio-Landwirtschaft umstellen will, sucht ebenfalls nach Flächen. Das treibt die Preise in die Höhe – und oft ziehen die Bauern den Kürzeren, sagt Christian Kluge. "Wir reden so über Kaufpreise bei Grünland, die für die Landwirte noch sinnvoll sind, um die 10 bis 15.000 Euro den Hektar. Und Kompensationsflächen werden zwischen 30.000 und 40.000 je Hektar rausgekauft. Und dazwischen gibt es eine Diskrepanz, die der Betrieb eben nicht rauswirtschaften kann.“

Kein Platz für ökologische Landwirtschaft?

Jasper Holler [Quelle: Radio Bremen, Nikolas Golsch]
Jasper Holler von der Bioboden-Genossenschaft [Quelle: Radio Bremen, Nikolas Golsch]

Gleichzeitig sollen die Betriebe ökologischer wirtschaften, Tieren Freilauf ermöglichen und auch dafür brauchen sie Flächen – die nicht da sind. Für Jasper Holler von der Bioboden-Genossenschaft, die Öko-Landwirte bei der Suche nach Flächen unterstützt, zeigt das ein grundlegendes Dilemma auf.

Man kann den Boden nutzen, um Mais anzubauen für Biogasanlagen, also Energie anbauen statt Lebensmittel. Und man kann Boden auch hauptsächlich nutzen, um die Gülle aus der Massentierhaltung loszuwerden. Und das sind alles Möglichkeiten die lukrativer sind, als nachhaltige Landwirtschaft zu betreiben. Und das ist ein Problem.

Jasper Holler, BioBoden-Genossenschaft

Ackerland in Bürgerhand

Die Preise für Pachtflächen steigen seit Jahren stark an. Das ist für viele junge Landwirte ein echtes Problem, weil sie nicht mehr an neue Ackerflächen rankommen oder kein Geld haben, um den Hof von den Eltern zu übernehmen. Deswegen gibt es eine Genossenschaft, die ihnen unter die Arme greift: "Ackerland in Bürgerhand" ist deren Motto. Landwirt Sven Gramsch hat die Hilfe der Biobodengenossenschaft in Anspruch genommen:

Die Preise für Pachtflächen steigen seit Jahren stark an. Das ist für viele junge Landwirte ein echtes Problem, weil sie nicht mehr an neue Ackerflächen rankommen oder kein Geld haben, um den Hof von den Eltern zu übernehmen. Deswegen gibt es eine Genossenschaft, die ihnen unter die Arme greift: "Ackerland in Bürgerhand"

Länge: 1:01 Minuten
Datum:
Sendereihe: Online | Radio Bremen

Reportage anhören: Wie sich eine Genossenschaft gegen Bodenspekulation wehrt [4:50 Minuten]

Boden als Spekulationsobjekt

Wer zu den Glücklichen gehört, die Land besitzen, der kann sich freuen: Die Preise dafür steigen gerade rasant. Landwirte allerdings, die Flächen zum Bewirtschaften brauchen, können sich das kaum noch leisten. Große Unternehmen drängen auf den Bodenmarkt und hamstern Flächen, um damit Geld zu machen, auch rund um Bremen.

Vielleicht gehören Sie ja zu dem glücklichen Schlag von Menschen, deren Familie ein Stückchen Land besitzt. Wenn ja, dann können Sie sich freuen: Die Preise dafür steigen gerade rasant und damit kann man satte Profite machen. Wenn Sie allerdings Land brauchen, weil Sie Landwirt sind, dann gucken Sie eher in die Röhre, an Boden zu vernünftigen Preisen zu kommen ist mittlerweile nämlich so gut wie unmöglich. Große Unternehmen drängen auf den Bodenmarkt und hamstern Flächen, um damit Geld zu machen, auch rund um Bremen. Nikolas Golsch hat für Bremen Zwei recherchiert.

Autor/-in: Nikolas Golsch
Länge: 8:07 Minuten
Datum: Mittwoch, 17. April 2019
Sendereihe: Online | Radio Bremen

Was unternimmt die Politik gegen steigende Preise?

Schuld daran, dass sich die Situation zuspitzt und die Pacht- und Kaufpreise für Ackerboden steigen, sind auch veraltete Gesetze und Gesetzeslücken, die die Landesregierung noch nicht geschlossen hat. Wir haben mit Christian Meyer von den Grünen gesprochen. Er war von unter rot-grün zuletzt Landwirtschaftsminister in Niedersachen und damit der Vorgängerin der aktuellen Ministerin Barbara Otte-Kinast von der CDU. Während seiner Amtszeit wollte Meyer eine Pachtpreisbremse einführen. Vorgezogene Neuwahlen verhinderten dies.

Schuld daran, dass sich die Situation zuspitzt und die Pacht- und Kaufpreise für Ackerboden steigen, sind auch veraltete Gesetze und Gesetzeslücken, die die Landesregierung noch nicht geschlossen hat. Wir haben mit Christian Meyer von den Grünen gesprochen. Er war von unter rot-grün zuletzt Landwirtschaftsminister in Niedersachen und damit der Vorgängerin der aktuellen Ministerin Barbara Otte-Kinast von der CDU.

Autor/-in: Stefan Pulß
Länge: 7:36 Minuten
Datum: Mittwoch, 17. April 2019
Sendereihe: Bremen Zwei | Bremen Zwei

Der Ausverkauf des Bodens hat begonnen

Boden ist begehrt – seit einigen Jahren steigen die Preise massiv an, in Niedersachsen haben sie sich in den letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt. Das bringt viele Landwirte in der Region in Existenznot. Bremen Zwei-Reporter Nikolas Golsch führt das zu Frage: Wie gehen wir um mit unserem Boden?

Autor/-in: Nikolas Golsch
Länge: 2:22 Minuten
Datum: Mittwoch, 17. April 2019
Sendereihe: Bremen Zwei | Bremen Zwei

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"Der Ausverkauf des Bodens hat begonnen" Wem gehören unsere Böden?

Boden ist begehrt – seit einigen Jahren steigen die Preise massiv an, in Niedersachsen haben sie sich in den letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt. Das bringt viele Landwirte in der Region in Existenznot. Bremen-Zwei-Reporter Nikolas Golsch führt das zu der Frage: Wie gehen wir um mit unserem Boden?

Wie im Krimi

"Landgrabbing" – übersetzt so viel wie "Landraub" – gibt es auch hierzulande, in Form von dubiosen Geschäften mit Boden. Autor Oliver Bottini hat zu diesem Thema einen Krimi geschrieben, der in fiktiven Orten in Mecklenburg-Vorpommern und Rumänen spielt.

Landraub in Osteuropa [5:57 Minuten]

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 17. April 2019, 7:10 Uhr

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