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Schwerpunkt: Ausverkauf der Meere

Das globale Geschäft der Fischindustrie

27. Februar 2020

Ein kleiner Kutter fährt hinaus auf See, der Käpt’n winkt aus dem Fenster seiner Kajüte und wirft gleich die Netze aus, um unseren Fisch zu fangen. Dass das nicht so ganz zur Wirklichkeit passen kann, ist kein Geheimnis. Die Fischerei ist längst eine globale Industrie geworden, mit großen Trawlern, Fangquoten und Streit um Fanggründe. Die Fischerei und ihre Folgen: Darum geht es im Schwerpunkt auf Bremen Zwei.

Fische auf Eis [Quelle: Radio Bremen]
Silbrig glänzend, klare Augen: Daran erkennt man frischen Fisch.

Die Mär vom kleinen Kutter

Es gibt sie noch, die kleinen Küstenfischer. Zum Beispiel in Neustadt an der Ostsee. Nikolas Golsch hat einen von ihnen getroffen.

Wolfgang Albrecht war Fischer – bis 2015. Dann gab er auf, nicht nur aus Altersgründen. Der Umsatz fehlte. Aber die größten Probleme für die Fischer lägen in Brüssel, sagt er.

Kutterfischer Wolfgang Albrecht [Quelle: Bremen Zwei, Nikolas Golsch]
Wolfgang Albrecht, Küstenfischer aus Neustadt, setzt sich in Brüssel für die Fischer ein. [Quelle: Bremen Zwei, Nikolas Golsch]

Seit 1986 ist er Vorsitzender des Fischerei-Schutzverbandes Schleswig-Holstein, der sich für die Fischer einsetzt, die noch traditionell mit Reusen und Stellnetzen fischen – ohne Grundschleppnetze oder andere industrielle Fangmethoden. Seine Fischer verkaufen ihren Fang meist vor Ort in den Häfen. Die kleinen Betriebe und Kutter seien immer noch in der Mehrzahl, sagt Albrecht. Die Fischereipolitik der EU, die per Quotenzuteilung regelt, wer wie viel Fisch fangen darf, begünstige aber einseitig die industriellen Fangflotten.

Fischfang ist eine globale Industrie. Aber es gibt auch noch die Küstenfischerei, zum Beispiel in Neustadt an der Ostsee.

Autor/-in: Nikolas Golsch
Länge: 6:44 Minuten
Datum: Freitag, 28. Februar 2020
Sendereihe: Online | Radio Bremen

Die meisten kleinen Küstenfischer dürfen weniger fischen, als sie eigentlich bräuchten, um ihren Betrieb zu erhalten. Deswegen fahren die meisten seiner Kollegen nur noch nebenberuflich aufs Meer – alles andere lohnt sich nicht mehr. Der Fisch im Supermarkt kommt längst aus den Schleppnetzen der Industriefischerei.

Zerstörung durch Schleppnetzfischerei

Krabbenkutter am Kai oder große Fischtrawler, die "Vollfroster": Beides gibt es im Fischereihafen in Cuxhaven. Und alle benutzen Grundschleppnetze, um zu fischen.

Fischfang mit Schleppnetzen – das zerstört den Meeresboden, egal, ob die Netze in der Krabbenfischerei oder auf großen Trawlern eingesetzt werden.

Autor/-in: Nikolas Golsch
Länge: 7:16 Minuten
Datum: Freitag, 28. Februar 2020
Sendereihe: Online | Radio Bremen

Die Schleppnetze werden mit Rollen über den Grund gezogen – eine Methode, die den Meeresboden zerstört. Die meisten Strukturen am Meeresboden erholen sich davon kaum oder gar nicht – Meereswüsten sind das Resultat. Es gehe nicht anders, sagt Kai-Arne Schmidt, Geschäftsführer der Erzeugergemeinschaft der Nord- und Ostseefischer, die im Cuxhavener Fischereihafen ihren Sitz hat. Das einzige, was machbar sei: Versuchen, die Schäden so gering wie möglich zu halten.

Das Meer ist schon lange kein wilder Naturraum mehr, sondern ein von Menschen genutzter Wirtschaftsraum. Und im Gegensatz zum Land ist das Meer ein weitgehend gesetzloser Raum – und Schutzgebiete, in denen nicht gefischt werden darf, existieren meist nur auf dem Papier. Auch Tierschutz spiele auf dem Meeer keine Rolle, sagt Valeska Dieme, Gründerin der Meeresschutzorganisation Fish Act. Fische in der kommerziellen Fischerei seien die einzigen Nutztiere, für die keine Tierschutzgesetze gelten.

Drehscheibe Bremerhaven

Bremerhaven gehört zu den größten Standorten in Deutschland, an denen Fisch verarbeitet wird. Pro Tag werden hier sieben Millionen Fischstäbchen produziert. Trotz starken Wandels in der Branche gilt Bremerhaven immer noch als eine der ersten Adressen, wenn es um Fisch geht. Bremen-Zwei-Reporter Dirk Bliedtner hat das einzige verbliebene Hochseefischerei-Unternehmen in der Stadt, die Doggerbank Seefischerei GmbH, besucht.

Bremen-Zwei-Reporter Dirk Bliedtner hat das einzige verbliebene Hochseefischerei-Unternehmen in Bremerhaven, die Doggerbank Seefischerei GmbH, besucht.

Autor/-in: Dirk Bliedtner
Länge: 5:50 Minuten
Datum: Freitag, 28. Februar 2020
Sendereihe: Online | Radio Bremen

In Bremerhavener Betrieben werden pro Jahr 200.000 Tonnen Fisch verarbeitet; zum Beispiel von Firmen wie Iglo und Frosta. 60 Betriebe im Bremerhavener Fischereihafen gehören zur Fisch- und Lebensmittelbranche; 4.000 Menschen arbeiten in der Branche, einschließlich Logistik und Lagerung. Zwar wird auch noch Frischfisch angelandet, doch der meiste Fisch kommt heute per Container zu den fischverarbeitenden Betrieben – per Lkw, Zug oder mit dem Schiff.

Freies Meer oder Aquakultur: Was kaufen – was lieber nicht?

Worauf kann man als Verbraucher achten, wenn man möglichst frischen und unbedenklichen Fisch essen möchte?

Fischstäbchen, tiefgekühlte Fischfilets oder Paniertes aus dem Kühlregal: Ob dieser Fisch frisch ist, lässt sich nicht erkennen. Für Frischfisch gilt: klare Augen, silbriger Glanz und bei Seefisch ein Geruch nach Meer.

Autor/-in: Claudia Scholz
Länge: 4:32 Minuten
Datum: Freitag, 28. Februar 2020
Sendereihe: Online | Radio Bremen

Ob fertig filetierte Filets wirklich frisch sind, sei für Laien schwierig zu sehen, sagt Sonja Pannenbecker von der Bremer Verbraucherzentrale. Bei ganzen Fischen sollte man darauf achten, ob die Augen prall und leuchtend sind.

Filets sollten einen silbrigen Glanz haben. Das Fleisch sollte saftig sein und diese Muskelsegmente sollten nicht auseinanderklappen. Und es sollte, wenn es sich um Seefisch handelt, auch nach Meer riechen und nicht nach Fisch. Das geht natürlich nur, wenn man das beim Fischhändler kauft, wo man sich den Fisch anschauen kann.
Sonja Pannenbecker

Bei Tiefkühlfisch muss man darauf vertrauen, dass Produzenten und Händler die Kühlkette eingehalten haben. Eine Hilfe für Verbraucher, denen nachhaltige Fischerei wichtig ist, sollen zwei Gütesiegel sein: das MSC-Siegel für Seefisch und das ASC-Siegel für Zuchtfische. Beide sind allerdings umstritten.

Wie gesund ist unser Fisch – und wer kontrolliert das?

Woher kommt unser Fisch, wer fängt ihn und wie gesund sind Seelachs, Hering und Co? Bremen-Zwei-Reporterin Claudia Scholz war beim Institut für Fische und Fischereierzeugnisse in Cuxhaven, einer Einrichtung des niedersächsischen Landesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit.

Wie gesund sind Seelachs, Hering und Co? Wie hoch ist die Schadstoffbelastung? Das wird in Cuxhaven geprüft, beim Institut für Fische und Fischereierzeugnisse.

Autor/-in: Claudia Scholz
Länge: 4:13 Minuten
Datum: Freitag, 28. Februar 2020
Sendereihe: Online | Radio Bremen

Dort werden täglich Proben von Fischen, Krebs- und Weichtieren auf Salmonellen, Listerien und Viren untersucht – Krankheitserreger, die nicht vom Fisch kommen, sondern von den Menschen, die ihn berühren. Außerdem werden die Proben daraufhin untersucht, ob sie mit Rückständen von Pestiziden oder Medikamenten oder mit Schwermetallen belastet sind.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 4. Februar 2020, ab 06:35 Uhr

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