Livestream

Bremen Zwei Themen

Zivile Seenotrettung

"Alles, was ich getan habe, würde ich genauso wieder tun"

Bremer Seenotretter vor Gericht

Italienische Behörden ermitteln gegen den Bremer Hendrik Simon, weil er Geflüchtete im Mittelmeer vor dem Ertrinken rettete. Simon war auf der "Iuventa" der Initiative "Jugend rettet" unterwegs. Seit zwei Jahren steht er wegen angeblicher Beihilfe zu illegaler Einreise vor Gericht. Ihm drohen 20 Jahre Haft. Bremen-Zwei-Reporterin Kirsten Rautenberg hat Hendrik Simon in Bremen besucht und ihn gefragt, wie es ihm damit geht.

Italienische Behörden ermitteln gegen den Bremer Hendrik Simon, weil er Geflüchtete im Mittelmeer vor dem Ertrinken rettete. Simon war auf der "Iuventa" der Initiative "Jugend rettet" unterwegs. Seit zwei Jahren steht er wegen angeblicher Beihilfe zu illegaler Einreise vor Gericht. Ihm drohen 20 Jahre Haft. Bremen-Zwei-Reporterin Kirsten Rautenberg hat Hendrik Simon in Bremen besucht und ihn gefragt, wie es ihm damit geht.

Autor/-in: Kirsten Rautenberg
Länge: 3:12 Minuten
Datum: Dienstag, 1. Oktober 2019
Sendereihe: Bremen Zwei | Bremen Zwei

Als Hendrik Simon zum ersten Mal davon hört, dass gegen ihn persönlich und gegen weitere neun Crewmitglieder Ermittlungen laufen, habe er gedacht: "Das ist doch absurd! Wieso werde ich jetzt dafür, dass ich Menschenleben gerettet habe, von Italien der Beihilfe zur illegalen Einreise beschuldigt? Das ist einfach ein Gefühl der, einfach erstmal der großen Wut."

"Ich würde sofort wieder rausfahren"

Hendrik Simon drohen 20 Jahre Haft. Für das Gerichtsverfahren gegen die italienische Regierung müssen er und seine Crewmitglieder eine halbe Million Euro berappen. Trotzdem – er würde immer und immer wieder rausfahren.

Alles, was ich getan habe, würde ich genauso wieder tun – also für jede Person, die ich gerettet habe, würde ich sofort wieder rausfahren.

Hendrik Simon

Hendrik Simon ist Informatiker, selbständig – er ist eher der ernste, ruhige Typ und freundlich zurückhaltend. Zur Seenotrettung ist er gekommen, weil er einen Sportbootführerschein hat.

Das kann nicht sein, dass an Europas Außengrenzen solche Zustände herrschen, dass da niemand eingreift und diese Menschen rettet. (...) Es ist eigentlich nur konsequent, dass ich selber meine Fähigkeiten da einbringe und da mit rausfahre.

Hendrik Simon

Reden hilft gegen schreckliche Bilder im Kopf

In seinen Videoaufnahmen von den Rettungsaktionen sieht man ein völlig überfülltes Gummiboot mit Geflüchteten und wie die Helferinnen und Helfer der "Iuventa" ihnen zunächst Rettungswesten in das Boot reichen. Viele, die er nicht retten konnte, hat er tot aus dem Meer gezogen. Bilder, die man nur schwer wieder loswerde:

Ich hatte ich schon so meine Probleme hinterher. Das ist dann besser geworden, als ich angefangen habe, im Freundeskreis darüber zu reden und dann vor allen Dingen auch Vorträge zu halten. (...)

Hendrik Simon

"Wir haben nichts Illegales getan"

Seit er und seine Crew angeklagt sind, dürfen sie nicht mehr raus aufs Meer. Zumindest haben ihnen das ihre Anwälte geraten. Die Gefahr, dass sie in Untersuchungshaft genommen werden könnten, sei zu groß. Stattdessen verdienen sie das Geld für das Verfahren unter anderem durch Vorträge. Dass er vor Gericht verlieren könnte, glaubt der 43-Jährige nicht: "Bei allen vergleichbaren Fällen gab es Freisprüche. Ich gehe davon aus, dass in unserem Fall auch wir Recht bekommen, weil wir nichts Illegales gemacht haben. Im Zweifel ziehen wir bis vor das Europäische Gericht."

"Ich will wieder Leben retten"

Wie sich die Seenotrettung jetzt entwickelt, findet Hendrik Simon dramatisch – alle Schiffe abzuziehen und nur noch aus der Luft die Situation auf dem Mittelmeer zu beobachten, sagt er, werde nur noch zu mehr Toten führen.

(...) Was ich eigentlich will, ist wieder auf dem Schiff sein und im zentralen Mittelmeer Einsätze zu fahren und Menschenleben zu retten.

Hendrik Simon

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 1. Oktober 2019, um 16:45Uhr

Bremen Zwei
Info & Service
Themen-Archiv