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Forschungsprojekt Uni Oldenburg

Pop und Populismus

26. September 2018, 8:10 Uhr

"Das wird man doch wohl mal sagen dürfen!" – eine Formulierung, die meistens einhergeht mit populistischen Aussagen. Ein europäisches Uni-Projekt, an dem die Uni Oldenburg beteiligt ist, will jetzt erforschen, ob sich populistische Tendenzen auch über populäre Musik verbreiten.

"Das wird man doch wohl mal sagen dürfen!" Eine Formulierung, die nach gesundem Menschenverstand klingt. Aber sie geht meistens einher mit populistischen Aussagen. Populismus: Das ist eine Art Politik-Stil, der darauf gerichtet ist, für komplexe Probleme einfache Lösungen anzubieten und damit Massen zu mobilisieren. Populismus kann, wenn er um sich greift, eine jahrzehntelang funktionierende Demokratie aufweichen und gefährden: Man muss in der deutschen Geschichte nur mal 80 oder 90 Jahre zurückblicken. Ein europäisches Uni-Projekt, an dem die Uni Oldenburg beteiligt ist, will jetzt erforschen, ob sich populistische Tendenzen auch über populäre Musik verbreiten.

Autor/-in: Gerhard Snitjer
Länge: 3:32 Minuten
Datum: Mittwoch, 26. September 2018
Sendereihe: Der Morgen | Bremen Zwei

Populismus: Das ist ein Politik-Stil, der darauf gerichtet ist, für komplexe Probleme einfache Lösungen anzubieten und damit Massen zu mobilisieren. Populismus kann, wenn er um sich greift, eine jahrzehntelang funktionierende Demokratie aufweichen und gefährden: Man muss in der deutschen Geschichte nur mal 80 oder 90 Jahre zurückblicken. Ob und, wenn ja, wie sich populistische Tendenzen auch über Charts-Musik verbreiten, wird jetzt international erforscht. Es geht dabei nicht um dezidiert rechte Musik, Springerstiefel, grölende Dumpfbacken, hämmernde Rhythmen und plakative Hassbotschaften.

Sanfte Botschaften über vermeintlich korrupte Eliten

Professor Mario Dunkel von der Carl-von-Ossietzky-Universität in Oldenburg und seinen Kollegen in ganz Europa geht es um Musik, die nicht etwa Randgruppen, sondern wirklich große Massen von jungen Menschen anspricht:. Musik aus den Charts, Musik, die überall läuft.

Prof. Dr. Mario Dunkel [Quelle: Uni Oldenburg]
Mario Dunkel, Musikpädagoge an der Uni Oldenburg [Quelle: Uni Oldenburg]

Und da kommen die Botschaften nicht mehr mit dem Holzhammer, sondern ganz sanft. Aber schon als Anklage: Wir werden regiert von Menschen, die für uns entscheiden, ohne uns zu fragen. So läuft's in der Demokratie, das wissen wir doch: Einer sagt was und alle anderen haben den Mund zu halten.

"A Meinung haben" heißt ein Stück von Andreas Gabalier. Da kann man eine Menge herauslesen. Zum Beispiel ein ermutigendes "Mach den Mund auf". Aber auch eine andere Lesart ist möglich: "Wir werden von den Falschen regiert, und darum wird uns der Mund verboten."

Die Idee, dass es korrupte Eliten gibt, die Meinungen vorschreiben, und man andere Meinungen nicht vertreten darf, das ist ein Topos, den findet man bei Musikern wie Andreas Gabalier oder Xavier Naidoo. Dieses Bild der korrupten Eliten.

Mario Dunkel

EU-feindliche Musik voller Feindbilder

Derartige Texte gibt es nicht nur im deutschen Sprachraum. Das Projekt, das Mario Dunkel in Oldenburg vertritt, hat Partner in den Niederlanden, Italien, Österreich, Schweden und sogar in Ungarn. Beteiligt sind Musikwissenschaftler, Soziologen und Politologen. Ab 2019 wird die populäre Musik in diesen Ländern auf populistische Tendenzen abgeklopft. Sehr populär und sehr populistisch findet der Professor – auch schon vor der wissenschaftlichen Bestandsaufnahme – den italienischen Sänger Giuseppe Povia.

Giuseppe Povia ist ein gutes Beispiel: Er ist ein sehr populärer Künstler in Italien, er hat das Schlagerfestival in San Remo gewonnen und macht jetzt sehr stark EU-feindliche Musik, stellt Merkel und Juncker als die korrupte Elite dar.

Mario Dunkel

"Chi commanda il mundo", "Wer regiert die Welt" heißt eines seiner Lieder. Der Text in deutscher Übersetzung:

Wir leben unter einer Diktatur der Illusionisten und Betrüger. Terroristen, schlimmer als die Nazis. Sie haben uns mit angeblicher Demokratie und Freiheit gefüttert und uns nichts als Apathie hinterlassen. Wir müssen ganz Europa säubern. Wenn wir alle aus dem Euro aussteigen, haben wir Null Schulden!

aus "Chi commanda il mundo" von Giuseppe Povia

Populistische Musik im Musikunterricht

Das Projekt von Universitäten in sechs europäischen Staaten soll drei Jahre laufen, und der Fokus ist keinesfalls nur auf rechten, sondern auch auf linken Populismus gerichtet. Aber wozu ist es gut? Was ist von den Ergebnissen zu erwarten? Die Erkenntnisse sind notwendig und werden zum Beispiel in die Didaktik des Musikunterrichts einfließen, sagt Dunkel.

Es ist Musik, die von Schülerinnen und Schülern konsumiert wird. Die man dementsprechend auch behandeln sollte. Dadurch, dass wir das als Phänomen besser verstehen wollen, hoffen wir auch, dazu beizutragen, damit im Musikunterricht besser umgehen zu können.

Mario Dunkel 

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 26. September 2018, 8:10 Uhr.

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