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EU-Verbot für Plastikartikel

"Das Kernprinzip ist das Recycling"

24. Oktober 2018

Plastik überall: Als Werkstoff, als Verpackung und nach Gebrauch als Müll, der sich zu riesigen Bergen türmt und zur Gefahr geworden ist. Die EU hat jetzt Maßnahmen zur Verringerung von Plastikmüll beschlossen.

Vögel und ein Mann auf einem Plastikmüllberg [Quelle: dpa/picture alliance, Mahendra Moonstar/Anadolu Agency]
Überall auf der Welt türmt sich der Plastikmüll. [Quelle: dpa/picture alliance, Mahendra Moonstar/Anadolu Agency]

Plastik ist praktisch und günstig in der Herstellung. Kein Wunder also, dass Plastikprodukte oft nur einmal genutzt und dann weggeworfen wird. Mit schlimmen Folgen für die Umwelt und auch für den Menschen, denn Forscher der Uni Wien haben jetzt sogar Plastikpartikel im menschlichen Darm entdeckt. Die Politik sieht sich zum Handeln gezwungen: Heute legt die EU Kommission einen Vorschlag vor mit Ideen, wie die Plastikflut eingedämmt werden soll. Was halten die Kunststofferzeuger von den Plänen? Rüdiger Baunemann, Hauptgeschäftsführer von Plastics Europe, gibt Auskunft.

Autor/-in: Julia Meichsner
Länge: 4:31 Minuten
Datum: Mittwoch, 24. Oktober 2018
Sendereihe: Bremen Zwei | Bremen Zwei

Plastik ist praktisch und günstig in der Herstellung. Kein Wunder also, dass Plastikprodukte oft nur einmal genutzt und dann weggeworfen werden. Mit schlimmen Folgen für die Umwelt  und auch für den  Menschen, denn Forscher der Uni Wien haben jetzt sogar Plastikpartikel im menschlichen Darm entdeckt. Die Politik sieht sich zum Handeln gezwungen. Was halten die Kunststofferzeuger von dem Beschluss der EU, Trinkhalme oder Wattestäbchen zu verbieten?

Rüdiger Baunemann, Hauptgeschäftsführer von Plastics Europe (Verband der deutschen Kunststofferzeuger), hält wenig von Verboten.

Kunststoffabfälle haben in der Umwelt nichts zu suchen. Aber wir brauchen ein Gesamtkonzept. Das Kernprinzip ist das Recycling. Und der verantwortungsvolle Umgang mit Plastik.

Deutschland sei beim Kunststoffrecycling weiter als viele andere Länder in Europa. Deshalb gelte es, zunächst europaweite einheitliche Standards zu schaffen und dann auf neue industrielle Verfahren zu setzen.

Die Industrie muss Lösungsmöglichkeiten anbieten, Technologien entwickeln, fortschrittlichere Recyclingtechniken entwickeln, zum Beispiel die Zerlegung der Kunststoffe. 

Darüber hinaus setzt Baunemann auf die Verbraucher: Er fordert einen bewussteren Umgang mit Plastik und Kunststoffen im Alltagshandeln. Die Verantwortung sollte man ihnen nicht abnehmen.

"Das Verbot von Strohhalmen hat Symbolwert"

37 Kilogramm Verpackungsmüll pro Kopf fallen in Deutschland jährlich an. Damit liegt Deutschland weit über dem Durchschnitt der Europäischen Union. Doch es tut sich was: Der Lebensmittel-Discounter Rewe gibt an, pro Jahr rund 140 Millionen Plastiktüten einzusparen, und Aldi-Süd meldet, man habe die Gesamtmenge an Verkaufsverpackungen in den letzten fünf Jahren um acht Prozent reduziert. Aber immer noch gibt es die Gurke in Kunststofffolie, Kekse in der Plastikhülle, Spielzeug und Technik doppelt eingeschweißt.

Nicht jede Plastikverpackung sei schlecht, meint Holger Berg, Experte für Kreislaufwirtschaft am Wuppertaler Institut für Klima-, Umwelt- und Energieforschung. Denn Plastik halte Lebensmittel länger frisch und sorge so für weniger Nahrungsmittelabfälle. Plastik sei sehr praktisch und in manchen Anwendungen eine umweltfreundliche Alternative, aber man brauche es eben nicht überall. Die Menge der Plastikverpackungen müsse dringend reduziert werden. Die geplante EU-Regelung sei immerhin ein Anfang, meint Berg.

Viele der angedachten Regelungen wie das Verbot von Strohhalmen oder von Ballonhaltern – das hat symbolischen Wert. Da muss noch viel passieren.

Holger Berg, Experte für Kreislaufwirtschaft

Gespräch mit Holger Berg:
"Die EU-Maßnahmen sind ein Anfang." [4:21 Minuten]

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 24. Oktober 2018, 7:10 Uhr.

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