Livestream

Bremen Zwei Themen

BGH-Urteil zur Organspende

"Jeder Spender steckt in einem Dilemma"

30. Januar 2019

Patienten, die sich zu Lebzeiten bereit erklärt haben, ein Organ zu spenden, müssen besser über die Folgen einer solchen Spende aufgeklärt werden. Das hat der Bundesgerichtshof entschieden. Geklagt hatte unter anderem ein Organspender aus Thedinghausen.

Nierentransplanatation im Klinikum Bremen-Mitte. [Quelle: Imago, EPD]
Wer sich zur Organspende entscheidet muss ausführlich aufgeklärt werden. [Quelle: Imago, EPD]

Der Mann hatte seiner Frau eine Niere gespendet. Seitdem leidet er unter chronischer Erschöpfung. Den Ärzten warf er vor, ihn nicht ausreichend aufgeklärt zu haben. Peter Dabrock, Vorsitzender des Deutschen Ethikrates, meint, der Kläger sei sich zwar der Risiken einer Lebenspende bewusst gewesen, allerdings nicht in der notwendigen Detailgenauigkeit. Für Dabrock stehe aber fest: Jeder Spender ist ein Held, allerdings auch jemand, der in einem Dilemma steckt:

Auf der einen Seite will man eine Liebestat tun. Und auf der anderen Seite ist eben das Risiko einer nachhaltigen Selbstschädigung da. Und das in Balance zu bringen ist schon ein wahnsinniger, psychisch belastender Akt!

Peter Dabrock, Vorsitzender des Ethikrates

Verpflichtung zur Spende?

Lebendspenden sind in Deutschland vorrangig im sogenannten "Nahbereich" möglich. Das heißt, man kann Menschen, die einem vertraut sind, Organe spenden. Dabrock befürwortet dieses Verfahren, denn so könne die Gefahr eines Organhandels vermieden werden. Aber gerade im Nahbereich entstehe auch moralischer Druck: Man könnte sich verpflichtet fühlen, einer Spende zuzustimmen.

Diese Woche hat der Bundesgerichtshof entschieden, dass Patienten, die sich zu Lebzeiten bereiterklärt haben, ein Organ zu spenden, besser über die Folgen einer solchen Spende aufgeklärt werden müssen. Geklagt hatte unter anderem ein Patient aus Tedinghausen.

Autor/-in: Tom Grote
Länge: 5:46 Minuten
Datum: Mittwoch, 30. Januar 2019
Sendereihe: Der Morgen | Bremen Zwei

Ob ein "Nein" zur Spende moralisch verwerflich ist, hält der Vorsitzende des Ethikrates für eine sehr schwierige Frage. Für den Kranken geht es um Leben und Tod; und wenn man einen Menschen liebt, ist die Erwartung hoch, dass man versucht, dessen Leben zu retten. Aber ...

... die Integrität von Leib und Leben ist schon ein sehr hohes Gut.

Peter Dabrock

Nach dem Urteil des Bundesgerichtshofs müssen Ärzte vor einer Lebendorganspende so umfassend wie möglich über die Risiken aufklären, als Schutz des Spenders vor sich selbst. Außerdem, so die zweite Begründung des Urteils, müsse das Vertrauen in das System unbedingt gestärkt werden.  

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 30. Januar 2019, 8:10 Uhr

Mehr zum Thema:
Buten un binnen: Schadenersatz nach Nierenspende

Bremen Zwei
Info & Service
Themen-Archiv