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Schnelles Internet in Niedersachsen

Masterplan Digitalisierung

21. August 2018

W-Lan in öffentlichen Verkehrsmitteln, keine Mobilfunk-Löcher mehr, schnelles Internet für Unternehmen und Gemeinden, computervernetzte Schüler im Unterricht: All das plant die niedersächsische Landesregierung in ihrem so genannten Masterplan, den Wirtschaftsminister Althusmann, CDU, präsentierte. Ex-Wirtschaftsminister Jörg Bode (FDP) kritisiert, dass Pläne allein nicht ausreichen – auf die Umsetzung komme es an. Der Ausbau ist dringend notwendig, das zeigen Beispiele rund um Oldenburg.

Arbeiter verlegen Glasfaserkabel in einer Straße [Quelle: EWE]
Schnelles Internet in ganz Niedersachsen: Das will die Landesregierung mit dem "Masterplan Digitalisierung" erreichen. [Quelle: EWE]

Seit es das Internet gibt, sitzen Menschen vor ihren Computern und raufen sich die Haare, weil es einfach nicht schnell genug geht. Die Suchmaschine braucht ewig, das Video aus der Mediathek stottert, oder irgendein Server meldet "Timeout" und damit das Ende der Verbindung. Das ist ärgerlich, aber verschmerzbar, wenn es nur um privates Surfen geht. Aber es gibt Betriebe, bei denen Tausende oder gar Hunderttausende Euro von einer zuverlässig schnellen Internet-Verbindung abhängen. Und damit steht es im Flächenland Niedersachsen nicht zum Besten.

Probleme für Maschinenbau-Firma

Dieter Möllmann, Geschäftsführer des Maschinenbaubetriebs NWA  ist einer von denen, die sich ständig über die Unzulänglichkeiten des Netzes ärgern. Es gebe ein Breitband-Loch zwischen den NWA-Standorten Brettorf und Wildeshausen. "An diesen beiden Standorten sollte eigentlich eine zentrale Datenverwaltung existieren, das ist aber nicht möglich." Man bekomme keine großen Datensätze auf einen zentralen Server verschoben. Maschinenteile in Drei-D-Grafik: Hier werden sie gezeichnet, dort werden sie gebaut. Und wie kommen die Vorgaben von A nach B? Manchmal ginge es schneller, die Dateien auf einem USB-Stick per Kurier zu schicken, sagt Möllmann.

Am Standort Wildeshausen ist kürzlich – nach unendlicher Wartezeit – Glasfaser gelegt worden, und bald wird dort auch der Anschluss fertig. Das nützt aber dem Standort Brettorf  gar nichts, und damit dem Gesamtbetrieb, sagt Dieter Möllmann.

Wenn Sie die Strukturen einer Firma zusammenführen wollen und auf eine zentrale Datenbank gehen wollen, dann haben Sie hier ein Problem.

Dieter Möllmann, Geschäftsführer NWA Armaturen

Das Unternehmen behilft sich: Große Datenmengen werden nur in der Nacht versendet. "Das ist nicht zeitgemäß," meint Möllmann.

Eine Landkarte von Niedersachsen zeigt, wo es schnelle Internetverbindungen gibt [Quelle: Breitband-Kompetenz-Zentrum Niedersachsen, Breitband-Kompetenz-Zentrum Niedersachsen]
Alarmstufe Rot: Nicht überall in Niedersachsen gibt es schnelle Internet-Vebindungen. [Quelle: Breitband-Kompetenz-Zentrum Niedersachsen, Breitband-Kompetenz-Zentrum Niedersachsen]

Schlechte Anbindung am Oldenburger Stadtrand

Alle Informationen an allen Standorten, immer sofort und verlässlich – das hätte auch der Kindergarten-  und Schul-Cateringdienst "Zitronengras Kochhaus GmbH" gerne, der täglich 2.000 Menüs produziert und verteilt. Dazu gehört jede Menge Datenverkehr, von der aktuellen Temperatur der Saucencontainer bis zur Kontrolle der Berechtigung der individuellen Schüler mit ihren Chipkarten. An der Oldenburger Stadtgrenze sitzt der Betrieb aber in einem Niemandsland. Fünf Arbeitskräfte wären eigentlich für den Datenverkehr zuständig. Bestellungseingang, Bestellungsausgang, Zahlungsein-  und -ausgänge, das alles sollte immer sofort im Blick sein. Aber Echtzeit-Abgleich der Daten? Fehlanzeige. Das World Wide Web reicht nicht bis zum Stadtrand.

 Schwierige Fernwartung von Kleinkläranlagen     

Noch ein Sorgenkind, eines von vielen: Das Betonwerk in Kampe am Küstenkanal liefert nicht nur Beton, es vertreibt und betreibt auch Kleinkläranlagen, und die werden per Fernwartung betreut. Im Havariefall könnte die Umwelt verschmutzt werden, also ist jede Pannen-Meldung eilig. Aber das Werk bekommt ein halbwegs verlässliches Internet bisher nur über einen Funk-Provider, der gegenwärtig auch noch insolvent ist. Ob die schnelle Erlösung per Glasfaser bald kommt? Geschäftsführer Sven Kansy ist skeptisch, zumal er die Zuständigkeiten zwischen Landkreis, Gemeinde, Tiefbaufirmen und Netzbetreibern ziemlich undurchschaubar findet.

Die ganzen orangenen Rollen, die Leerrollen lagen in der Gegend rum ..Überall liegen die Kabel rum.

Sven Kansky, Geschäftsführer Betonwerk Kampe

Was den genervten Geschäftsleuten gemein ist: Sie sehen den digitalen Fortschritt in Deutschland in viel zu großer Ferne. Dieter Möllmann von NWA-Armaturen in Brettorf sieht oft die Zustände im Ausland und findet:

In vielen europäischen und nichteuropäischen Ländern ist das auf einem ganz anderen Stand. Wir hängen da wirklich hinterher.

Dieter Möllmann, NWA Armaturen

Reportage von Gerhard Snitjer:
Langsames Internet bremst Betriebe aus [3:20 Minuten]

Jörg Bode über den Masterplan Digitalisierung

Was die Ziele angeht, bin ich sehr zufrieden … Es fehlt allerdings vollständig an der Umsetzung.

Jörg Bode, Ex-Wirtschaftsminister in Niedersachsen

Das sagt Jörg Bode, FDP-Vizefraktionschef in Niedersachsen, zum Masterplan. Er war bis 2013 Wirtschafts- und Verkehrsminister in Niedersachsen. Bis 2013 habe man in Niedersachsen den Ausbau vorangetrieben, sagt er. "Wir haben damals die Grundversorgung verdoppelt."

:"Was die Ziele angeht, bin ich sehr zufrieden … Es fehlt allerdings vollständig an der Umsetzung," sagt Jörg Bode, FDP-Vizefraktionschef in Niedersachsen, zum Masterplan. Wenn man eine schnelle Internetanbindung für so wichtig hält wie den Ausbau von Straßen, könne man den Ausbau im ländlichen Raum nicht dem Markt überlassen, sondern müsse ihn regulieren. Denn die Landesregierung müsse für gleiche Lebensverhältnisse sorgen. Die FDP fordert, dass das Land ein eigenes Übertragungsnetz ausbaut, und dann die Abzweigungen von den Anbietern gemietet werden.

Autor/-in: Anja Goerz
Länge: 4:54 Minuten
Datum: Dienstag, 21. August 2018
Sendereihe: Bremen Zwei | Bremen Zwei

Masterplan Digitalisierung

Wenn man eine schnelle Internetanbindung für so wichtig hält wie den Ausbau von Straßen, könne man den Ausbau im ländlichen Raum nicht dem Markt überlassen, sondern müsse ihn regulieren. Denn die Landesregierung müsse für gleiche Lebensverhältnisse sorgen. Die FDP fordert, dass das Land ein eigenes Übertragungsnetz ausbaut, und dann die Abzweigungen von den Anbietern gemietet werden. So würden die immensen Tiefbaukosten besser verteilt.

Für die Digitalisierung in den Schulen stelle sich das gleiche Problem wie überall: Tablets im Unterricht und dazu passende Lehrpläne nützen nicht viel, solange nur jede zweite Schule in Niedersachsen über schnelles Internet verfügt.

Kommentar: "Nur Tablets in die Schulen stellen reicht nicht"

Niedersachen will die Digitalisierung voranbringen. Auch in den Schulen. Zum sogenannten Masterplan gehört, dass künftig alle Schülerinnen und Schüler mit einem Notebook oder Tablet ausgestattet sein sollen. Damit sie lernen, damit zu arbeiten, zu recherchieren und die Geräte im Unterricht benutzen. Noch ist das nicht entschieden, und es gibt viele Argumente dafür und dagegen. Einfach nur zu sagen: Moderne Geräte in die Schulen – das reicht jedenfalls nicht, meint Jörg Schieb in seinem Kommentar.

Autor/-in: Jörg Schieb
Länge: 2:30 Minuten
Datum: Dienstag, 21. August 2018
Sendereihe: Der Morgen | Bremen Zwei

Masterplan Digitalisierung

Niedersachsen will die Digitalisierung voranbringen. Auch in den Schulen. Zum sogenannten Masterplan gehört, dass künftig alle Schülerinnen und Schüler mit einem Notebook oder Tablet ausgestattet sein sollen. Damit sie lernen, damit zu arbeiten, zu recherchieren und die Geräte im Unterricht benutzen. Noch ist das nicht entschieden, und es gibt viele Argumente dafür und dagegen. Einfach nur zu sagen: Moderne Geräte in die Schulen – das reicht jedenfalls nicht, meint Jörg Schieb.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 21. August 2018, 7:35 und 8:10 Uhr.

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