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Völkermord an Herero und Nama

Deutschland gibt Gebeine zurück

29. August 2018

In Berlin werden Gebeine ermordeter Herero und Nama an die Nachfahren übergeben. 1904 hatten deutsche kaiserliche Truppen in "Deutsch Südwest-Afrika" ein Massaker verübt, 70.000 Menschen wurden  getötet. Die Herero fordern weiterhin eine offizielle Entschuldigung und Reparationszahlungen.

Frauen und Männer in bunten Kleidern und Anzügen stehen vor einem alten Gebäude [Quelle: DPA, Kay Nietfeld]
Der Berliner Justizsenator Dirk Behrendt (B90/Grüne) empfängt eine Delegation von Herero und Nama aus Namibia. [Quelle: DPA, Kay Nietfeld]

Mehr als zwei Drittel der Herero und rund die Hälfte der Nama wurden 1904 im heutigen Namibia von deutschen Kolonialtruppen ermordet. In die Geschichte ist dies Verbrechen als der erste Völkermord des 20. Jahrhunderts eingegangen.

In Berlin werden Gebeine ermordeter Herero und Nama an die Nachfahren übergeben. 1904 hatten deutsche kaiserliche Truppen in "Deutsch Südwest-Afrika" ein Massaker verübt, 70.000 Menschen wurden  getötet. Die Herero fordern weiterhin eine offizielle Entschuldigung und Reparationszahlungen.

Autor/-in: Tom Grote
Länge: 4:38 Minuten
Datum: Mittwoch, 29. August 2018
Sendereihe: Online | Radio Bremen

Über den Umgang mit dieser blutigen Kolonialgeschichte wird jetzt wieder diskutiert. Anlass ist die Rückgabe menschlicher Überreste der Herero und Nama nach Namibia, die einst zu Forschungs- oder Ausstellungszwecken nach Deutschland geschickt wurden. Einige Gebeine werden jetzt in Berlin zurückgegeben.

Doch eine Entschuldigung im offiziellen Rahmen gibt es von Deutschland bisher nicht. Das müsse sich ändern, fordert Wolfgang Kaleck, er ist Menschenrechtsanwalt und vertritt die Namibier in rechtlichen Fragen gegenüber Deutschland.

Bis heute keine offizielle Entschuldigung

Es gehe um die Anerkennung des Völkermordes und der Identität der Herero und Nama, sagt Kaleck, "denn das Menschsein wurde ihnen mit dem Völkermord abgesprochen." Zwar haben deutsche Politiker die Verbrechen an den Herero und Nama als Völkermord bezeichnet, doch auf eine offizielle Entschuldigung der deutschen Regierung warten die Herero und Nama allerdings bis heute.

Deutschland lehnt Reparationszahlungen ab

Reparationszahlungen lehnt Deutschland bisher ab, weil es den Tatbestand des Völkermordes 1904 noch nicht gegeben habe. Außerdem fließen beträchtliche Entwicklungshilfegelder nach Namibia. Doch davon haben die Herero wenig, kritisieren sie: Die Regierung in Namibia wird überwiegend von Ovambo gestellt, und dieser Volksstamm profitiere auch am meisten von den Geldern.

Überlebende Herero nach der Flucht durch die Wüste [Quelle: Radio Bremen]
Nur wenige Herero überlebten die Verbrechen der deutschen Kolonialtruppen.

Eine Entschädigung für erlittenes Unrecht könne man auch nicht mit Geldtranfers zwischen Regierungen abgelten, meint Wolfgang Kaleck: Entschädigung heißt, dass man ein Unrecht anerkennt und  das Geld den Betroffenen zu Gute kommt."

Die Übergabe der Gebeine findet in der Französischen Friedrichsstadtkirche in Berlin statt. Es wäre schön gewesen, wenn die Bundesregierung die Übergabe im Bundestag gemacht hätte, meint Kaleck dazu.

 Wenn man zu Armenien und dem Völkermord dort eine Resolution im Bundestag verfasst – warum dann nicht auch zum eigenen Völkermord, den man im damals im ehemaligen Deutsch-Südwestafrika begangen hat?

Wolfgang Kaleck, Menschenrechtsanwalt

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 29. August 2028, 7:45Uhr.

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Sie standen als Dekoration in deutschen Wohnzimmern. Und es wurden Untersuchungen an ihnen vorgenommen, um rassistische Theorien zu untermauern. Die Rede ist von Schädeln und Knochen von ermordeten Herero und Nama. Anfang des 20. Jahrhundertes hatten deutsche Kolonialtruppen sie im damaligen „Deutsch-Südwest-Afrika“ ermordet. Schätzungen gehen von bis zu 100.000 Opfern aus. Am 29. August 2018 werden einige der menschlichen Überreste in Berlin zurückgegeben. Vertreter der Herero und der Nama werden die Gebeine ihrer Vorfahren nach Namibia zurück bringen.

Autor/-in: Jana Genth
Länge: 3:46 Minuten
Datum:
Sendereihe: Der Morgen | Bremen Zwei

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