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Weltmigränetag

Migräne: Wie ein Messer im Kopf

12. September 2019

Kaum eine Krankheit ist in unserer Gesellschaft so verbreitet wie Migräne; etwa jeder Zehnte leidet daran. Die Symptome und auch die Ausprägungen sind sehr unterschiedlich. Aber fest steht: Viele Betroffene sind in ihrem Alltag durch die Migräne sehr eingeschränkt. Darauf soll auch der heutige Welt-Migränetag aufmerksam machen. Reporterin Katharina Mild hat zwei Migräneerkrankte getroffen und mit ihnen über ihr Leiden gesprochen, und darüber, was das für ihren Alltag bedeutet.

Computer-Illustration: Mann mit Kopfschmerz [Quelle: Imago, Pixologic Studio]
Jeder Zehnte leidet in Deutschland unter Migräne. [Quelle: Imago, Pixologic Studio]

Reportage von Katharina Mild:
Leben mit Migräne [3:34 Minuten]

Marion Deike leidet seit ihrer Kindheit an Migräne. Doch die Diagnose bekommt sie erst mit 40. Weil die Migräne bei ihr nicht den typischen einseitigen Kopfschmerz verursacht, sondern extreme Übelkeit und ständiges Erbrechen, gehen die Ärzte all die Jahre von einer Magen-Darm-Erkrankung aus. Als die Bremerin irgendwann keinen Alkohol mehr verträgt, kommt ein Arzt schließlich auf die Idee, dass sie Migräne haben könnte. Und behandelt Marion Deike mit Triptanen.

Es hat mir wunderbar geholfen, normalerweise hätte ich wieder 14 Stunden im Bett verbracht, ... und ich konnte meinen Tag wieder ganz normal gestalten. Dann war eigentlich auch klar, dass ich Migräne habe, weil Triptane nur bei Migräne und Cluster-Kopfschmerz wirklich hilfreich ist.

Marion Deike, Migräne-Patientin

Migräneprophylaxe und Medikamente

Auch wenn sie nun endlich ein Medikament gefunden hat, das hilft – ganz weg bekommt sie die Migräne damit nicht. Im Gegenteil. Je mehr Medikamente sie nimmt, desto häufiger hat sie Migräne. Eine Nebenwirkung der Triptane. Deshalb versucht Marion Deike ihr Leben so zu leben, dass die Migräne möglichst selten kommt: Regelmäßige Schlafenszeiten, regelmäßige Mahlzeiten, viel trinken und Ruhephasen in den Alltag einbauen.

Marion Deike arbeitet noch daran, diese Vorsorge zu optimieren. Im Moment muss sie noch sehr häufig auf die Medikamente zurückgreifen. Doch immerhin hat sie welche, die helfen. Der 17-jährige Jakob ist hier noch auf der Suche. Auch er leidet seit seiner Kindheit unter Migräne, mal einmal im Monat, mal auch nur alle drei Monate – je nachdem, wie viel Stress er hat.

Bei mir ist es immer so, dass die Migräne immer so losgeht, dass meine Hände einschlafen und dieses Einschlafgefühl dann bis zum Kopf hoch geht. Immer nur eine Seite und die Schmerzen kommen dann immer erst immer etwas später auf der anderen Körperhälfte am Kopf.

Jakob, Migräne-Patient

Die Migräne darf nicht das Leben bestimmen

Übelkeit und Erbrechen sind bei Jakob nur seltene Begleiterscheinungen, dafür hat er die sogenannte "Migräne mit Aura", die mit Seh-, Gefühls- und Sprachstörungen einhergehen kann. Das gegnerische Fußballtor nicht mehr sehen können oder bestimmte Worte nicht mehr aussprechen zu können – das sind erschreckende und beängstigende Symptome. Nicht nur für Jakob selbst, sondern auch für sein Umfeld. Aber er versucht trotzdem, seiner Krankheit nicht zu viel Raum in seinem Leben zu geben.

Ich glaube, wenn ich mir jede freie Minute oder bei jeder Planung darüber Gedanken mache, dass heute die Migräne kommen kann, dann ist man sehr eingeschränkt. Ich bin jetzt 17 Jahre, ich habe andere Prioritäten, als mir die ganze Zeit Gedanken über meine Krankheiten zu machen. Und ich glaube, wenn ich die ganze Zeit nur daran denken würde, würde mich das ziemlich fertigmachen, also mich schränkt das ziemlich wenig ein, solange sie nicht da ist.

Jakob

Ähnlich sieht es Marion Deike. Auch ihr ist es wichtig, trotz Migräne ein schönes Leben zu haben und sich nicht zu isolieren. Die Gefahr sei groß, das man sich zurückzieht. Besser sei es, ...

... sich was vorzunehmen, was Schönes und zu sagen, "Hey, ich bin trotzdem noch da, ich möchte einfach Teil der Gemeinschaft sein!" und darauf zu bestehen, auch vor sich selbst.

Marion Deike

Magnus Heier: "Zum Arzt gehen – und zwar zum richtigen!"

Wenn das Hämmern im Kopf nicht aufhört, der Schmerz unerträglicjh – das kann Migräne sein. Am 12. September ist Weltmigränetag, der daran erinnern soll, dass ziemlich viele Menschen darunter leiden. In Deutschland sind es etwa 10 Prozent der Bevölkerung. Was kann man tun, um die Krnakheit erträglicher zu machen? Neurologe Magnus Heier gibt Auskunft.

Autor/-in: Hendrik Plass
Länge: 5:12 Minuten
Datum: Donnerstag, 12. September 2019
Sendereihe: Der Morgen | Bremen Zwei

Viele Menschen würden sich erst nach jahrelangen Kopfschmerzattacken entschließen, zum Arzt zu gehen. Das sei falsch, sagt der Neurologe Magnus Heier. Dann sei es oft der falsche: Zahnärzte, Augenärzte oder Orthopäden können nicht helfen, sie therapieren einzelne Symptome. Der für Migräne zuständige Facharzt sei der Neurologe.

Wir haben eine Menge von Verhaltensweisen, die helfen, und wir haben hochwirksame Medikamente für die Attacke.

Magnus Heier

Migräneschmerzen sind furchtbar, sagt er, Patienten sagen, es sei so, als wenn man ihnen ein Messer in den Kopf treibt. Was Migräne eigentlich ist, sei bis heute ungeklärt. Es könne eine Notfallabschaltung des Gehirns bei Reizüberflutung sein, möglicherweise auch eine Entzündungsreaktion. "Wir wissen es nicht." Auch die Auslöser sind vielfältig; Stress, Schlafmangel oder auch plötzlicher Stressentzug können Migräne-Trigger sein.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 12. September 2019, 6:45 Uhr.

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