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9. November 1918

Die Revolution begann in Wilhelmshaven

9. November 2018, 9:40 Uhr

November 1918: Bei der Marine in Wilhelmshaven spielen sich Ereignisse ab, die als der Funke der Revolution von 1918/19 gelten. Der Erste Weltkrieg war für Deutschland längst verloren, Friedensverhandlungen hatten begonnen. Am 3. November meuterten auf zwei Schiffen der Kaiserlichen Marine vor Wilhelmshaven die Matrosen. Sie verweigerten der Seekriegsleitung den Gehorsam und verhinderten so den angeordneten Angriff der Hochseeflotte auf die britische Flotte. Ihr Aufstand führte am 9. November 1918 zum Sturz des Kaisers und damit zum Ende der Monarchie in Deutschland. Jutta Przygoda mit der Geschichte einer Revolution in Deutschland, die in Wilhelmshaven begann.

Der 9. November ist für Deutschland ein sozusagen existenzielles Datum: 1918, 1938 und 1989. Wir schauen jetzt auf die Zeit vor 100 Jahren. Da spielten sich bei der Marine in Wilhelmshaven Ereignisse ab, die als der Funke der Revolution von 1918/19 gelten. Der Erste Weltkrieg war für Deutschland längst verloren, Friedensverhandlungen hatten bereits begonnen. Am 3. November meuterten auf zwei Schiffen der Kaiserlichen Marine vor Wilhelmshaven die Matrosen. Sie verhinderten damit nicht nur einen von der Seekriegsleitung eigenmächtig, ohne politische Abstimmung angeordneten Angriff der Hochseeflotte auf die britische Flotte, sondern ihr Aufstand führte am 9. November 1918 zum Sturz des Kaisers und damit zum Ende der Monarchie in Deutschland. Jutta Przygoda mit der Geschichte einer Revolution in Deutschland, die in Wilhelmshaven begann.

Autor/-in: Jutta Przygoda
Länge: 3:33 Minuten
Datum: Freitag, 9. November 2018
Sendereihe: Der Morgen | Bremen Zwei

Ende Oktober 1918 liegen die beiden Großkampfschiffe "Helgoland" und "Thüringen" in Warteposition vor Schillig auf Reede. Damals werden Schiffe noch mit Dampf betrieben. Tonnenweise werden Koks und Kohle unter Deck in die Kessel geschaufelt. Dann kommt der in den Augen der Matrosen völlig sinnlose Befehl, am Ende des Ersten Weltkriegs noch einmal gegen die britische Flotte zu kämpfen. Sie verweigern den Gehorsam; der Angriff kann nicht mehr erfolgen, Flottenchef Franz Ritter von Hipper tobt. Er geht sogar so weit, eigene Torpedoboote auf die Großkampfschiffe zu richten, auf denen sich die meuternden Matrosen verschanzt haben. Hipper notiert in sein Tagebuch: "Schon war der Befehl zum Schießen gegeben, da kamen die Leute endlich zum Vorschein und wurden dann ohne eigenen Widerstand abgeführt."

Matrosen solidarisieren sich mit Kieler Arbeitern

Die Schiffe werden nach Wilhelmshaven zurück beordert. Daniel Hirschmann, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Deutschen Marinemuseum: "Es kommt dann zu massiven Verhaftungen gegen die Meuternden, und diese werden dann in den verschiedenen Arrestanstalten der Marine im Stadtgebiet Wilhelmshavens verteilt und inhaftiert."

Mehr als 600 Matrosen sitzen am Ende im Gefängnis. Am 2. November wird das 3. Geschwader, zur Beruhigung der Lage, nach Kiel verlegt. Ein fataler Fehler der Marineleitung, wie sich zeigen wird, denn in Kiel solidarisieren sich die Matrosen mit den Arbeitern. Ziel ist es, alle gefangenen Kameraden zu befreien. Denn die Matrosen fürchten aus gutem Grund die Militärjustiz.

Eindrücke eine Matrosen

1917, ein Jahr zuvor, hatte es bereits Todesurteile wegen Ungehorsam und langjährige Haftstrafen gegeben. Einer dieser Gefangenen ist der Obermatrose Carl Richard Linke, der zuvor auf der "Helgoland" gedient hatte. Seine Eindrücke von den ersten Revolutionstagen schilderte er so:

Der Widerstand gegen den Flottenvorstoß ist zu einer hochpolitischen Bewegung heran gewachsen, die gleich einer heissen Stichflamme von der Jade her über unser Land schlägt. Sie schlägt über uns hinweg nach der Höhe. Wir verspüren sie nur als wohltuende Wärme, aber auf hohen und allerhöchsten Stellen bringt ihre Gluthitze die Kronen zum Schmelzen.

Carl Richard Linke, Matrose auf der "Helgoland"

Linke fährt Anfang November nach seiner Befreiung nicht nach Hause, sondern nach Wilhelmshaven, wo sein Schiff, die Helgoland liegt. Durch Männer wie ihn verbreitet sich der Kieler Aufstand in ganz Norddeutschland, sagt Stephan Huck, Leiter des Deutschen Marinemuseums: "Am 5./6. November erreicht Wilhelmshaven die Kunde von den Unruhen in Kiel, und die Matrosen hier machen sich das Kieler Programm zu eigen und marschieren damit zum Festungs-Gouverneur." Wie zuvor in Kiel geht auch in Wilhelmshaven der Gouverneur rasch auf die Forderungen der Matrosen ein.

Erinnerung an die Revolution in Wilhelmshaven

Zum 100. Jahrestag dieser Ereignisse hat die Stadt in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Marinemuseum einen Stelenweg errichtet. Hier wird an den Originalschauplätzen an die Revolution und ihre Akteure erinnert. Die wichtigsten Stationen befinden sich am Nordende des Adalbertplatzes, wo die Verhandlungen stattfanden, und oben gegenüber der Elisenlust, wo am 10. November 1918 die sozialistische Republik Oldenburg/Ostfriesland ausgerufen wurde.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 9. Novemmber 2018, 9:40 Uhr.

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