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Kommentar

Ein Theater muss zur Stadt passen

27. Dezember 2018

Die Fraktion der CDU in der Bremischen Bürgerschaft hatte Ende Mai 2018 eine Große Anfrage an den Senat gerichtet: Es ging um die Entwicklung der Besucherzahlen des Theaters Bremen, die Anfrage wurde im August schriftlich beantwortet. Die Anfrage hatte eine Diskussion in Bremen losgetreten. Tenor: Das Theater spielt am Publikum vorbei. Die Antwort belegt aber etwas anderes. Vermutlich auch deshalb kam es bisher nicht zur Debatte in der Kulturdeputation und auch nicht in der Bremischen Bürgerschaft. Das Thema flog mehrfach von der Tagesordnung. Für meinen Kollegen Marcus Behrens ist das Jahresende ein guter Anlass, mal genau auf das Theater zu schauen - auf die Zahlen, aber auch auf die Aufgaben eines Stadttheaters.

Theater Bremen [Quelle: Radio Bremen, Marcus Behrens]
Das Theater am Goetheplatz hat seinen festen Platz im Kulturleben der Stadt Bremen. [Quelle: Radio Bremen, Marcus Behrens]

Alles ist zum Wettbewerb geworden. Nur wer besser ist als die anderen, hat noch eine Chance, nein – schlimmer noch: nur wer besser ist, als die anderen bekommt überhaupt noch eine Chance und wird nicht automatisch ausgeschlossen. Auch das Theater Bremen gehört – wie die meisten anderen Stadt- und Staatstheater in Deutschland dazu. Das Haus wird von der Stadt Bremen finanziell unterstützt – und überall, wo Steuergelder fließen, gibt es schnell die Diskussion darum, ob diese Unterstützung gerechtfertigt ist.

Hintergrundinformation

Die Besucherzahlen sind laut Antwort des Bremer Senats seit der Spielzeit 2012/13, als Michael Börgerding die Intendanz des Theaters Bremen übernommen hatte, insgesamt angestiegen:
156.581 (Spielzeit 2012/13)
171.451 (Spielzeit 2013/14)
174.846 (Spielzeit 2014/15)
170.334 (Spielzeit 2015/16)
185.371 (Spielzeit 2016/17)
Auf Nachfrage von Radio Bremen nannte das Theater Bremen auch diese aktuellen Zahlen:
180.119 (Spielzeit 2017/18)

Die Bevölkerung ist breit aufgestellt – und diese Vielfalt wird durch Kultur gefördert und ausgebildet. Das ist wichtig. Damit ein Stadttheater seinen Auftrag erfüllen kann, muss es ein Programm bieten, das möglichst viele unterschiedliche Menschen erreicht. Dass ein paar wenige, kommerziell erfolgreiche Stücke, Kassenschlager also, bei der Diversität der Menschen in einer Stadt dafür nicht ausreichen, liegt auf der Hand. Natürlich wäre es fatal, wenn Steuergelder fließen und letztlich niemand mehr ins Theater gehen würde. Aber dem ist ja nicht so.

Im Gegenteil, die Zahlen pendeln seit 2012 – dem Antritt von Intendant Michael Börgerding – von Jahr zu Jahr zwischen Konsolidierung und leichter Steigerung – insgesamt gab es in den zurückliegenden Jahren einen Anstieg der Zahlen um rund 30.000 Besucher – und niemand kann erwarten, dass alle Vorstellungen immer ausverkauft sind! Denn dafür müsste das Theater Bremen sich im Bereich der kommerziellen Veranstalter tummeln – und das ist nun wirklich nicht die Aufgabe eines Stadttheaters. Das Stadttheater ist Ort für neue Ideen und für Diskussionen. Beides ist gut – und beides kann auch mal negativ aufgenommen werden. Auch das ist wichtig.

Ein Theater muss zur Stadt passen - Kommentar von Marcus Behrens [2:29 Minuten]

Das Theater muss Raum bieten für viele unterschiedliche Ansätze, es muss abwechslungsreich sein und Gesprächsstoff liefern. Ein Stadttheater sollte viele thematische Ansätze bieten. All das hat Intendant Michael Börgerding seit seinem Antritt vor sechs Jahren auf jeden Fall geschafft. Und Bremen ist nicht Berlin, wo es für fast jede Theater-Geschmacksrichtung ein eigenes Haus gibt.

Deshalb der eindringliche Appell: Gebt dem Bremer Intendanten den Freiraum und die Mittel, seinen Spielplan auch weiterhin so bunt, breit und auch mal kontrovers aufzustellen, wie bisher – denn nur so lassen sich in einer Stadt wie Bremen möglichst viele verschiedene Menschen immer mal wieder ins Theater locken. Das Theater Bremen ist fest etabliert bei uns – und vor allem: es passt zur Stadt!

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 27. Dezember 2018, 17:20 Uhr

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