Livestream

Bremen Zwei Themen

Schwerpunkt

Klimaklage gegen die EU

19. September 2018

Das Eis schmilzt, das Wasser steigt, das Wetter wird immer unberechenbarer. Deutschland verfehlt die gesteckten Klimaschutz-Ziele bis 2020, das ist schon mal klar. Und EU-weit? Wie sieht es da aus?

Die Klimaschutzziele der EU bis 2030 sind zu lasch. Das finden zehn Familien, Menschen aus fünf Staaten der Europäischen Union, aus Rumänien und Portugal zum Beispiel und auch aus Langeoog, aber auch eine Familie aus Kenia und eine von den Fidschi-Inseln. Sie alle bekommen den Klimawandel schon jetzt zu spüren. Und sie alle sehen ihre Grundrechte verletzt, auf Gesundheit, aber auch auf Eigentum und Berufsfreiheit. Alle sind in der Land- oder Tourismuswirtschaft tätig. Unterstützt von mehreren Organisationen klagen sie nun gegen den Europäischen Rat sowie das Parlament als gesetzgebende Institutionen. Im Mai wurde die Klage eingereicht, im August hat sie der Europäische Gerichtshof angenommen.

Autor/-in: Martin Busch
Länge: 2:31 Minuten
Datum: Mittwoch, 19. September 2018
Sendereihe: Bremen Zwei | Bremen Zwei

Seit Mai liegt beim Europäischen Gerichtshof eine Sammelklage auf dem Tisch, vor wenigen Wochen nahm das Gericht die "Klimaklage" an: Neun Familien aus der ganzen Welt und eine Jugendorganisation aus Schweden beschreiten den juristischen Weg, um die EU-Kommission zu größeren Anstrengungen im Klimaschutz zu bewegen. Unter ihnen ein rumänischer Bauer, dessen Felder verdorren und ein Imker aus Portugal, dessen Bienen weniger Honig sammeln. Ebenfalls dabei: ein Ziegenbauer aus Kenia und eine Familie von den Fidschi-Inseln. Auch mit dabei: die Recktenwalds aus Langeoog, die ein Bio-Hotel auf der Nordseeinsel betreiben. Sie befürchten, dass infolge des steigenden Meeresspiegels Salzwasser in die einzige Trinkwasserquelle unter Langeoog eindringen könnte und sie auf Jahrzehnte unbrauchbar macht.

Gefahr für Nordseeinsel Langeoog

Sturmfluten und der Anstieg des Meeresspiegels. Das sind Phänomene, die auch die Insulaner bei uns in der Region immer wieder zu spüren bekommen. Beispiel Langeoog. Hier muss immer wieder der Strand neu aufgespült werden, um die Insel zu befestigen. Auch auf Wangerooge passiert das. Doch was auf den ostfriesischen Inseln passiere, sei ein globales Problem, sagt ein Ehepaar von Langeoog und klagt gegen die EU.

Autor/-in: Frank Jakobs
Länge: 2:48 Minuten
Datum: Mittwoch, 19. September 2018
Sendereihe: Der Morgen | Bremen Zwei

Die Recktenwalds werfen dem Europäischen Parlament und dem Rat vor, ihre Grundrechte auf Leben, Gesundheit, Berufsfreiheit und Eigentum zu verletzen, weil sie nicht genug gegen den Klimawandel tun. Die beiden Langeooger stehen nicht allein da. Sie werden von Umweltverbänden, Wissenschaftlern und Anwälten aus Bremen, Hamburg und London unterstützt.

Bremer Jurist vertritt Klägerfamilien

Es ist eine Klage im Jetzt, aber für die Zukunft: "Peoples Climate Case", die Sammelklage gegen die EU will vor allem dafür sorgen, dass die Lebensbedingungen für künftige Generationen nicht wesentlich schlechter sind als die gegenwärtigen. Neben einem Ehepaar, das auf Langeoog ein Bio-Hotel betreibt, gibt es noch neun weitere Kläger – Familien aus Portugal und Frankreich, Italien und Rumänien, aber auch aus Kenia und von den Fidschi-Inseln. Sie wollen die Europäische Union dazu bringen, mehr für den Klimaschutz zu tun. Prof. Dr. Gerd Winter ist Rechtswissenschaftler, Gründer der Forschungsstelle für Europäisches Umweltrecht an der Universität Bremen und er vertritt die zehn Parteien vor Gericht.

Autor/-in: Anja Goerz
Länge: 4:07 Minuten
Datum: Mittwoch, 19. September 2018
Sendereihe: Der Morgen | Bremen Zwei

Von der Europäischen Union fordern die Kläger, bis zum Jahr 2030 nicht nur 40 Prozent weniger Treibhausgase auszustoßen, sondern die Reduktion auf mindestens 50, wenn nicht gar 60 Prozent zu erhöhen. Die bisherigen Pläne der EU reichten nicht aus, um einen Klimawandel zu verhindern und die Grundrechte der Kläger auf Leben, Gesundheit, Berufsfreiheit und Eigentum zu schützen, heißt es in einer Stellungnahme der Umweltorganisation "Germanwatch" als Partner der Kläger. Die deutsche Nichtregierungsorganisation "Protect the Planet" übernimmt sämtliche Kosten des Verfahrens. Der emeritierte Jura-Professor Gerd Winter von der Uni Bremen, Experte für Europäisches Umweltrecht, vertritt die Familien vor Gericht.

"Klage ist richtig und wichtig"

Jens Tanneberg ist der Leiter für Wissenschaft und Bildung im Klimahaus in Bremerhaven. Er versteht die Sorgen des Ehepaars auf Langeoog, denn der Meeresspiegel ist bereits deutlich angestiegen und werde auch künftig steigen. Und auch die Extremwetterlagen können nicht geleugnet werden, so der Klimaexperte.

Autor/-in: Reza Vafa
Länge: 4:38 Minuten
Datum: Donnerstag, 20. September 2018
Sendereihe: Bremen Zwei | Bremen Zwei

Jens Tanneberg ist der Leiter für Wissenschaft und Bildung im Klimahaus in Bremerhaven. Er versteht die Sorgen des Ehepaars auf Langeoog, denn der Meeresspiegel ist bereits deutlich angestiegen und werde auch künftig steigen. Und auch die Extremwetterlagen können nicht geleugnet werden, so der Klimaexperte. Für die ostfriesische Insel bedeutet das zum Beispiel, dass die Herbststürme bereits im September wüten. Das gilt aber auch für Inseln weltweit. Tanneberg hält Kontakt zu Familien auf kleinen Inseln im Südpazifik. Dort sei bereits jetzt die Vegetation in Gefahr und es finden erste Umsiedlungen statt. Die Klage gegen die EU hält Jens Tannenberg für wichtig und richtig: "Ein rechtlicher Schritt kann ein erster und einer von vielen sein. Man ist natürlich politisch gefordert, aber wir können alle etwas dagegen tun."

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 19. September 2018, 7:35, 8:35, 10:10 und 17:20 Uhr.

Bremen Zwei
Info & Service
Themen-Archiv