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Müllverwertung in Bremen

Klärschlamm nach Oslebshausen?

30. August 2019

Rund sieben Millionen getrockneter Klärschlamm liegen in den Lagerhallen deutscher Kläranlagen. Er ist hoch belastet mit Schadstoffen. Was tun mit dem Abfall aus den Kläranlagen? Eine Möglichkeit: Verbrennen. Eine solche Anlage soll auch im Industriegebiet in Bremen-Oslebshausen entstehen. Eine Bürgerinitiative befürchtet hohe Belastungen und hatte zum Infoabend geladen.

Abwasser in einem Becken einer Kläranlage [Quelle: Radio Bremen]
Das Abwasser ist hoch mit Schadstoffen belastet. Die Rückstände nach der Klärung sollen in Zukunft verbrannt werden.

Klärschlamm ist der Abfall, der nach Reinigung des Abwassers übrig bleibt. Darin: Mikroplastik, Schwermetalle, Arzneimittelrückstände. Deshalb darf er in Zukunft nicht mehr als Dünger auf die Felder aufgebracht werden.Schon heute wird bundesweit bereits mehr als die Hälfte des getrockneten Klärschlamms verbrannt, so die Information des Umweltbundesamts vom März 2019.

Bürgerinitiative gegen Klärschlamm-Verbrennung in Oslebshausen

Auch im Bremer Stadtteil Oslebshausen soll eine Verbrennungsanlage für Klärschlamm gebaut werden. Deshalb hatte die "Bürgerinitiative Oslebshausen und umzu" für den 29. August zum Infoabend eingeladen, 180 Bürger kamen. Ihre Sorge: Die Wohnqualität in Oslebshausen werde sich verschlechtern und die Belastungen durch Staub, Lärm und Abgase werden stark zunehmen, sagt Rolf Vogelsang von der Bürgerinitiative. Es gebe schon heute 23 Firmen im Industriehafen Oslebshausen, deren Geschäftsfeld die Müllentsorgung und -verarbeitung ist. "Das hat sich unbemerkt etabliert".

Auch wenn die geplante Anlage neben der Verbrennung dazu dienen soll, Phosphor aus dem Klärschlamm zu gewinnen und die Abwärme aus dem Verbrennungsprozess ins Fernwärmenetz einzuspeisen – die Bürgerinitiative wird bei ihrem strikten Nein bleiben, versichert Rolf Vogelsang.

Bürgerinitiative gegen Klärschlammverbrennung in Bremen-Oslebshausen [5:00 Minuten]

Standort ist als Industriegebiet ausgewiesen

Ronny Meyer, Umwelt-Staatsrat in Bremen, hält dagegen:

Die Klärschlammverbrennung ist politisch und ökologisch richtig. Bisher wird der Klärschlamm auf die Felder geworfen, das ist ökologischer Unsinn…  mit den Schwermetallen und den Arzneimittelrückständen ist es richtig, das zu verbrennen. Und es ist auch richtig, dass der Bremer Klärschlamm dort (in Bremen-Oslebshausen, Anm. d. Redaktion) verbrannt wird. Die Frage, wo sich Abfallindustrie ansiedelt, ist eine industriepolitische Frage.

Ronny Meyer: "Die Klärschlammverbrennung ist politisch und ökologisch richtig."

Autor/-in: Tom Grote
Länge: 4:29 Minuten
Datum: Freitag, 30. August 2019
Sendereihe: Online | Radio Bremen

Der Industriehafen in Oslebshausen sei als Industriegebiet ausgewiesen, deshalb sei eine solche Anlage dort grundsätzlich zulässig. Über die Verkehrsbelastung durch an- und abfahrende LKW müsse man allerdings reden; Belastungen durch Geruch und Lärm befürchtet Meyer nicht. Selbstverständlich gebe es ein Genehmigungs- und Beteiligungsverfahren, allerdings werde an der Verbrennung des getrockneten Klärschlamms wohl kein Weg vorbeiführen.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 30. August 2019, 6:25 Uhr.

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