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Käfer: überall verborgen

28. Juni 2019

Die Insekten sterben – durch unsere Lebensweise gehen die Bestände weltweit massiv zurück. Eine schockierende Tatsache, die aber immerhin dazu führt, dass Menschen anfangen, Insekten anders zu sehen: nicht mehr nur als lästige Krabbeltiere, die stechen, nerven und einem in die Augen fliegen, sondern als wichtige Tiere in einem sehr empfindlichen Ökosystem. Reporterin Kerstin Burlage nimmt uns mit auf Entdeckungsreise in das Reich der Käfer.

Ein Käfer sitzt auf einer Hand.  [Quelle: Radio Bremen, Kerstin Burlage]
Ein Gartenlaubkäfer [Quelle: Radio Bremen, Kerstin Burlage]

Käfer - spannender als man denkt [3:59 Minuten]

Man sieht sie selten und kaum jemand bekommt mit, wie viele unterschiedliche Arten es von ihnen überhaupt gibt. "Weltweit gibt es 350.000, in Deutschland 20.000", sagt der Biologe und Journalist Jörn Hildebrandt über Käfer.

Sandlaufkäfer

Eine bestimmte Art von ihnen will ich heute mit ihm entdecken gehen: die grünlich-weiß gemusterten Sandlaufkäfer. Mit etwas Glück kann man sie im Frühsommer an manchen Orten massenhaft fliegen sehen – zum Beispiel im Naturschutzgebiet Eispohl in Blumenthal. Hier finden die Sandlaufkäfer noch geeignete Lebensräume. Sie mögen den reinen, nackten Sandboden, weil sie darin ihre Eier ablegen, aus denen dann Larven werden und schließlich junge Sandlaufkäfer. Allerdings stellt sich schnell heraus, dass die schon fast alle weggeflogen sind. Der Insektenexperte entdeckt noch einen Einzelnen im Sand. Den Käfer mit dem Kescher zu fangen misslingt, denn der Käfer ist schneller. Aber wir werden schnell entschädigt: Ein kleiner schwarzer Käfer läuft mit beachtlichem Tempo vor unseren Füßen davon. Jörn Hildebrandt fängt ihn mit einem Glas ein:

Das ist ein Schwarzkäfer. Schwarzkäfer-Mehlwürmer werden auch gern als Futter verkauft, in Zoohandlungen.

Nachtaktiv

Ich erfahre, dass es unterschiedliche Schwarzkäfer gibt, die oft auch erst nachts aktiv werden. Wie überhaupt viele Käferarten, die tagsüber in ihren Verstecken bleiben. Jörn Hildebrandt:

Man findet sie eigentlich ganz gut, wenn man ihre Lager aufsucht. Und das sind größere Steine oder totes Holz, das auf dem Boden liegt. Da schlafen sie bis es dunkel wird, und dann gehen sie erst auf die Jagd ...

... nach leckeren Blättern – wie beispielsweise der Dickmaulrüssler. Aber es gibt auch Käfer, die Fleisch fressen, zum Beispiel die Laufkäfer, von denen es alleine in Deutschland etwa 700 verschiedene Arten gibt.

Die jagen Regenwürmer, Schnecken, die kleineren auch Bodentiere, Springschwänze oder Milben und fressen die dann auf.

Marienkäfer

Ein Marienkäfer sitzt auf einem Kirschbaum-Blatt und wird von der Sonne angestrahlt. [Quelle: Radio Bremen, Jürgen Görler, Lilienthal]
Marienkäfer sind nicht nur schön anzusehen, sie fressen auch Blattläuse. [Quelle: Radio Bremen, Jürgen Görler, Lilienthal]

Wir Menschen ahnen also ziemlich wenig davon, was auf Wiesen und Waldböden und sogar unter Wasser in der Nacht so los ist. Aber auch tagsüber kann man Käfer jagen sehen – die Marienkäfer zum Beispiel. Sie sehen für unsere Augen putzig aus, sind aber stets auf der Jagd nach Blattläusen. Viele Gartenbesitzer mögen sie deshalb sehr. Jörn Hildebrandt hat deswegen sogar noch einen praktischen Tipp: Man nehme einen Kescher und mache damit 100 Schläge durch’s Gras …

… dann hat man mindestens 20 Marienkäfer, die kann man dann in so ein Gläschen überführen und mit in den Garten nehmen. Und das funktioniert.

Mistkäfer

Weniger beliebt als die gepunkteten Marienkäfer sind die schwarz-bläulich glänzenden Mistkäfer. Ganz zu Unrecht, denn sie fressen – wie ihr Name schon sagt – Kot oder auch Kadaver von Tieren.

Sie sind sozusagen die Müllabfuhr des Tierreichs, und ähnlich wie Fliegen und Mücken spielen sie als Insekten eine ganz große Rolle, damit die Kreisläufe in der Natur erhalten bleiben.

Käfer als Bestäuber

Ein Gartenlaubkäfer sitzt auf einer Rose.  [Quelle: Radio Bremen, Kerstin Burlage]
Der Gartenlaubkäfer ist ein Käfer aus der Familie der Blatthornkäfer. [Quelle: Radio Bremen, Kerstin Burlage]

Und dann lerne ich, dass Käfer sogar bei der Bestäubung von Blüten eine Rolle spielen. Der Biologe zeigt mir einen Gartenlaubkäfer – ein hübsches grün und braun schillerndes Tierchen, das in der Blüte einer weißen Wildrose sitzt. Wir beobachten, wie es dort Pollen frisst und ich kriege eine Ahnung davon, wie wenig ich bisher mitbekommen habe von Käfern! Jede Art sieht anders aus, hat andere Fressgewohnheiten und Aufgaben. Aber so unbemerkt die Käfer oft bleiben, so wichtig sind sie doch für unsere Ökosysteme – und damit auch für uns Menschen.  

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 29. Juni 2019, 10:10 Uhr

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