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75. Todestag John H. Kellogg

Der Erfinder der Cornflakes

14. Dezember 2018

Am Anfang standen vergessene Weizenkörner und am Ende ein Weltunternehmen: John Harvey Kellogg und sein jüngerer Bruder suchten nach einer Alternative zum Fleischkosum und erfanden Kellogg's Cornflakes, die Mutter aller Frühstücksflocken. Erfunden 1894. In Deutschland tauchten die knusprigen Flocken in den 1920er Jahren auf. Ab 1963 wurden sie in Bremen produziert. Heute vor 75 Jahren starb John Harvey Kellogg.

Am Anfang standen vergessene Weizenkörner und am Ende ein Weltunternehmen: John Harvey Kellog und sein jüngerer Bruder suchten nach einer Alternative zum Fleischkosum und heraus und erfanden Kellogs Cornflakes, die Mutter aller Frühstücksflocken. Erfunden 1894. In Deutschland tauchten die knusprigen Flocken in den 1920er Jahren auf. Ab 1963 wurden sie in Bremen produziert. Heute vor 75 Jahren starb John Harvey Kellog. Otto Jens erinnert an den Unternehmer.

Autor/-in: Jens Otto
Länge: 3:35 Minuten
Datum: Freitag, 14. Dezember 2018
Sendereihe: Der Morgen | Bremen Zwei

"Larger than life" – so nennen Amerikaner Persönlichkeiten, die daherkommen wie aus einer Heldengeschichte, wie aus einem Märchen – größer als das echte Leben. So einer ist John Harvey Kellogg, der als Mensch auch selbst sehr viel von sich hält:

Ist Gott ein Mensch mit zwei Armen und Beinen wie ich? Hat er Augen, einen Kopf? Hat er einen Darm? Nun, ich schon, und deshalb bin ich wundervoller als er!

John H. Kellogg

Kellogg ist nicht nur Erfinder der Cornflakes und der Erdnussbutter, sondern außerdem Arzt, Chirurg und leidenschaftlicher Verfechter eines speziellen, seiner Ansicht nach sehr gesunden Lebensstils. Er predigt sexuelle Enthaltsamkeit und legt viel Wert auf eine vegetarische Ernährung.

Eine tote Kuh oder ein totes Schaf auf einer Weide wird als Aas betrachtet. Derselbe Kadaver im Geschäft eines Metzgers gilt als Nahrungsmittel.

John H. Kellogg

Roman und Film über Kellog

In seiner Heimatstadt im US-Bundesstaat Michigan führt John Harvey Kellogg das Battle Creek Sanatorium, eine Art Vorläufer heutiger Wellness-Kliniken. Diese Geschichte verarbeitet der Schriftsteller TC Boyle in einem Roman, verfilmt unter dem Titel "Willkommen in Wellville". Anthony Hopkins spielt den Cornflakes-Erfinder, dessen Adoptiv-Sohn George nicht einverstanden ist mit den Ernährungsideen seines Vaters.

George Kellogg! Was gibt es wieder für ein Problem? – Ich fürchte, er fühlt sich nicht wohl, Sir. – Dann müssen wir vielleicht etwas dagegen tun. Wie wäre es mit Lebertran oder Rizinusöl? Oder wollen wir diesen Unsinn lassen und unser Abendessen aufessen? – Essen? Soll das hier was zu essen sein? Wir wollen was Richtiges zu essen. Fleisch und Kartoffeln, das wollen wir nämlich! Fleisch und Kartoffeln! – Aufhören, George! – Fleisch und Kartoffeln! – Aufhören!

aus "Willkommen in Wellville"

Am Ende des Films zündet George die Kellogg-Klinik an, in der Realität wird das Sanatorium während des Zweiten Weltkriegs von der US-Armee übernommen. 1943 stirbt John Harvey Kellogg im Alter von 91 Jahren an den Folgen einer Lungenentzündung. Seine Cornflakes überdauern die Zeit.

Das Bremer Kellogg's-Werk

Anfang der 60er-Jahre schaffen sie den Sprung über den großen Teich – die Bremer Reis- und Handels AG schließt einen exklusiven Vertriebsvertrag mit Kellogg’s ab. Dazu läuft eine mächtige Werbekampagne.

Sonne für den ganzen Tag. Original Kellog’s Cornflakes. Knusprige, goldbraune Kellog’s Cornflakes. Kernig, köstlich und gesund. Mit Milch und etwas Zucker.

Cornflakes-Werbung 1960er Jahre

Logo und Stadtmusikanten am Bremer Kellogg's Werk [Quelle: Radio Bremen, Marcus Behrens]
Das Bremer Kellog's-Werk war eine der größten Produktionsstätten des Konzerns. [Quelle: Radio Bremen, Marcus Behrens]

Die Geschäfte laufen gut, Kellogg’s steigt beim Bremer Unternehmen ein. In den 70ern entsteht an der Weser eine der größten Produktionsstätten des Konzerns. In den 80er-Jahren kommen ein eigenes Logistikzentrum und ein Hochregallager dazu. Die Flocken, die hier vom Band laufen werden in mehr als 50 Länder exportiert. Nach der Jahrtausendwende geht es dann aber bergab für die Bremer Frühstücksflockenfabrik. Kellogg’s setzt auf Wettbewerb zwischen seinen Standorten, Bremen verliert im Vergleich mit anderen Werken. Erst werden Verwaltung und Produktion getrennt, 2005 verlieren 220 Mitarbeiter ihren Job. Dann, 2016, der Todesstoß: Das gesamte Werk soll schließen, Kellogg’s verlagert die Produktion nach Spanien. Ein Schock für die Bremer Angestellten.

Mit dem letzten Arbeitstag endet am 30. Juni 2018 ein Kapitel Bremer Wirtschaftsgeschichte. Wo einst die Cornflakes für einen ganzen Kontinent hergestellt wurden, soll in den kommenden Jahren ein neues Wohnquartier entstehen. 75 Jahre nach John Harvey Kelloggs Tod verschwindet sein Vermächtnis an der Weser. Was bleibt sind die Flocken auf dem Frühstückstisch.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 14. Dezember 2018, 7:35 Uhr

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