Livestream

Bremen Zwei Themen

Luchs des Jahres 2018

Jason Reynolds erhält Kinder- und Jugendbuchpreis

Der "Luchs des Jahres 2018", der Kinder- und Jugendbuchpreis von Radio Bremen und der Wochenzeitung "Die Zeit", geht an Jason Reynolds für seinen Roman "Ghost". Bremen-Zwei-Redakteurin Anja Robert ist Mitglied der Luchs-Jury und stellt den Preisträger und sein Buch vor.

Jason Reynolds [Quelle: Ben Fractenberg]
Jason Reynolds bekommt den Jahres-Luchs 2018. [Quelle: Ben Fractenberg]

Jason Reynolds erhält Kinder- und Jugendbuchpreis [4:19 Minuten]

Bremen Zwei: Wer ist Jason Reynolds?

Anja Robert: Jason Reynolds ist ein Schriftsteller, der anderswo schon ziemlich berühmt ist, in Deutschland aber fast noch ein Geheimtipp – was sich gerade ändert, nicht nur wegen unseres Preises. Er ist 34 Jahre alt und in den USA ein Star in der Jugendbuchszene – den Luchs des Jahres bekommt er für seinen Roman "Ghost". Der Roman erzählt die Geschichte eines schwarzen Jungen aus armen Verhältnissen. "Ghost" ist nah dran an dem, was man früher vielleicht die "schiefe Bahn" genannt hätte. Er bekommt dann aber doch die Kurve, weil er das Laufen für sich entdeckt, und Teil eines Lauf-Teams wird. So lernt er, was es heißt, sich gegenseitig zu unterstützen und auf ein Ziel hinzuarbeiten.

Bremen Zwei: Das klingt ziemlich "pädagogisch wertvoll"?

Anja Robert: Ja, bei dieser Story liegt die Gefahr nahe – aber glücklicherweise ist "Ghost" auch literarisch wertvoll. Die Luchs-Jury hat den Roman hauptsächlich wegen zweier Qualitäten ausgezeichnet: Das ist einmal die Art, wie Reynolds am Beispiel von "Ghost" vom ganz normalen Alltag schwarzer Amerikaner erzählt – von ihren Nöten, ihrem Witz und ihrem Durchhaltevermögen. Das ist überhaupt nicht pädagogisch wertvoll, sondern authentisch und selbstverständlich. Der alltägliche Rassismus, mit dem Schwarze in den USA klarkommen müssen, wird nicht explizit erwähnt – es geht nicht vordergründig um Fragen von Diskriminierung. Aber einfach, weil ein schwarzer Junge aus einer US-amerikanischen Großstadt erzählt, schwingen dessen Erfahrungen immer im Hintergrund mit  – und machen den Roman noch ein bisschen vielschichtiger.

Bremen Zwei: Du hast gesagt, die Jury zeichnet den Roman wegen zweier besonderer Qualitäten aus, waren sie das schon?

Anja Robert: Nein, wir müssen unbedingt noch kurz über die Sprache, über den Tonfall reden, in dem Jason Reynolds seine Geschichte erzählt. Wobei das Wort Tonfall es nicht wirklich trifft. Es geht eher um so etwas wie Sound, Groove oder Flow – Begriffen, denen man die Nähe zur Musik schon anhört. Tatsächlich ist Reynolds ein Schriftsteller mit Wurzeln im Hip-Hop und im Rap, die er in seiner Kindheit viel gehört hat. Er sagt sogar, erst Rap habe ihn zum Schriftsteller gemacht.

Bremen Zwei: Warum nennt sich der Protagonist "Ghost"?

Anja Robert: Sein Vater sitzt im Gefängnis, weil er Frau und Sohn betrunken mit einer Waffe bedroht hat. Seit diesem Vorfall nennt der 14-jährige Junge sich "Ghost", weil er das Gefühl hat, dass die Leute ihn seitdem wie ein Gespenst ansehen.

Besonders beeindruckt waren wir in der Jury auch davon, wie die Übersetzerin Anja Hansen Schmidt diesen speziellen Sound von Jason Reynolds ins Deutsche übertragen hat. "Ghosts" schwarzes Amerikanisch mit vielen Slang-Ausdrücken klingt im Deutschen schnell künstlich. Anja Hansen Schmidt hat das stilsicher übersetzt. Und sie schafft es, dass einem dieser Junge, der auf der einen Seite schwer traumatisiert ist, auf der anderen Seite aber noch ganz unschuldig und ausgesprochen begeisterungsfähig, dass der einem sehr nahe rückt.

Mehr Infos zum Roman:
Ghost – Jede Menge Leben Jason Reynolds – ein Porträt [2:53 Minuten]

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 06. Dezember 2018, 12:35 Uhr.

Bremen Zwei
Info & Service
Themen-Archiv