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40 Jahre Tagebau am Hambacher Forst

"Ein Brennglas für aktuelle Probleme"

16. Oktober 2018

Am 16. Oktober 1978 begann der Braunkohleabbau im Tagebau Hambach. Wenn es nach dem Energie-Konzern RWE ginge, würde heute das letzte Stück des Hambacher Forstes gerodet, um an die Braunkohlereserven zu kommen. Ein Gericht stoppte die Pläne vorerst. Einer, der den Hambacher Forst gut kennt, ist Michael Zobel; seit vier Jahren organisiert er Wanderungen durch den alten Wald.

Waldstück im Hambacher Forst [Quelle: DPA, Ralph Goldmann]
Waldstück im Hambacher Forst [Quelle: DPA, Ralph Goldmann]

Am 15. Oktober 1978 begann der Braunkohleabbau im Tagebau Hambach. Wenn es nach dem Energie-Konzern RWE ginge, würde auch heute, also 40 Jahre später, das letzte Stück des Hambacher Forsts gerodet um an die Braunkohlereserven zu kommen. 5.000 Hektar groß war der Wald ursprünglich. 200 Hektar sind geblieben und werden auch vorest bleiben. Denn das Oberverwaltungsgericht Münster hat die Rodung verboten. Endgültig gerettet ist der Wald noch nicht, aber es ist auf jeden Fall ruhiger geworden im Hambacher Forst. Waldpädagoge Michael Zobel organisiert seit vier Jahren Spaziergänge und Wanderungen durch den alten Wald.

Autor/-in: Anja Goerz
Länge: 4:13 Minuten
Datum: Dienstag, 16. Oktober 2018
Sendereihe: Online | Radio Bremen

5.000 Hektar groß war der Hambacher Wald ursprünglich. 500 sind geblieben, gestritten wird um 200 Hektar, die gerodet werden sollen. Sie  werden vorerst bleiben; das Oberverwaltungsgericht Münster hat die Rodung verboten. Endgültig gerettet ist der Wald noch nicht, aber es ist auf jeden Fall ruhiger geworden im Hambacher Forst. Die geführten Wanderungen, die Michael Zobel anbietet, sind mit den Jahren immer größer geworden. Zu Beginn kamen etwa 50 Menschen, im vergangenen September waren es 30.000.

Der Hambacher Wald ist ein sehr alter Mischwald, erklärt Zobel, und er ist inzwischen mehr als ein Wald:

Natürlich ist es auch ein Symbol für die meiner Meinung nach völlig verfehlte Klimapolitik, für eine völlig veraltete Technologie. Das Thema Klimawandel, das Thema Kohleausstieg beschäftigt uns ja alle und da ist der Hambacher Wald für mich wie ein Brennglas für ganz viele aktuelle Probleme.

Michael Zobel, Waldpädagoge

Claudia Kemfert: "Ich habe den Konzern nicht verstanden."

Brauchen wir den Strom aus Kohlekraftwerken, um die Energieversorgung in Deutschland aufrecht zu erhalten? Nein, sagt Energieexpertin Claudia Kemfert. Es werde soviel Strom produziert, dass er exportiert werden kann. "Das heißt, wir können die Energieversorgung sicherstellen." Warum der Energieversorger RWE sich beim Hambacher Forst so unnachgiebig zeigt, sei ihr ein Rätsel.

Autor/-in: Anja Goerz
Länge: 4:04 Minuten
Datum: Dienstag, 16. Oktober 2018
Sendereihe: Online | Radio Bremen

Der Streit um den Hambacher Forst wurde von beiden Seiten mit harten Bandagen ausgetragen - und endete vorerst als Farce. Die Behörden wollten bei der Räumung des Waldes geltendes Recht durchsetzen und der Energiekonzern RWE seine wirtschaftlichen Interessen wahrnehmen. Ohne die Kohle aus Hambach steht der Betrieb in den Kraftwerken Niederaußem und Neurath still, sagt RWE-Chef Rolf Martin Schmitz zu dem Urteil. Droht Deutschland jetzt ein Energieengpass?

Energieexpertin Claudia Kemfert bestreitet das. Es werde so viel Strom produziert, dass er exportiert werden kann. "Das heißt, wir können die Energieversorgung sicherstellen." Warum der Energieversorger RWE sich beim Hambacher Forst so unnachgiebig zeigt, sei ihr ein Rätsel.

Ich habe den Konzern nicht verstanden. Natürlich geht es um wirtschaftliche Interessen. Aber durch die Aktionen um den Hambacher Forst ist ein immenser Imageschaden entstanden, der ja auch an der Börse sichtbar war.

Claudia Kemfert, Energieexpertin

Die alten ineffizienten Kraftwerke könne man sofort abschalten, meint Kemfert. Die Energiekonzerne müssten handeln, denn der Stromsektor habe nur eine festgelegte Emissionsmenge zur Verfügung, wenn die Klimaziele eingehalten werden sollen. Maximal sieben Jahre Zeit sei noch, falls die Energieerzeuger einfach weitermachen wie bisher. Auch RWE müsse sich bewegen und dringend in moderne Technologien investieren.

Wenn wir die Energiewende machen und die erneuerbaren Energien ausbauen – dann wird der Strom nicht knapp.

Claudia Kemfert

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 16. Oktober 2018, 07:36 Uhr

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