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Grabungen im Ahlen-Falkenberger Moor

Archäologen machen ersten Fund in Grabkammer

31. Juli 2019

Im Ahlenmoor, zwischen Bremerhaven und Cuxhaven, gräbt ein 23-köpfiges Team vier Wochen lang nach Relikten aus der sogenannten Trichterbecherzeit. Unter anderem wollen die Forscher herausfinden, wie die ersten Bauern vor rund 5.500 Jahren gelebt haben.

Grabungsleiterin Anja Behrens und ein Mitglied ihres Teams bei der Ausgrabung. [Quelle: Radio Bremen, Sonja Klanke]
Grabungsleiterin Anja Behrens und ein Mitglied ihres Teams bei der Ausgrabung. [Quelle: Radio Bremen, Sonja Klanke]

Ein Beitrag von Patrick Florenkowsky:
Archäologen machen ersten Fund in Grabkammer [3:39 Minuten]

Die Archäologin Anja Behrens steht auf einem Feld im Ahlen-Falkenberger Moor, etwas nördlich von Bad Bederkesa. Vor ihr ist eine sauber ausgehobene Grube, etwa 1,50 Meter tief. Darin liegt ein Haufen Steine. Was für den Laien ein Haufen Geröll ist, ist für die Archäologin ein wichtiger Untersuchungsort. Sie untersuchen ein Großteingrab der Trichterbecherkultur, das etwa vor 5.200 Jahren dort errichtet war.

Dadurch, dass diese Anlagen relativ ungestört sind, haben wir die einmalige Möglichkeit die ursprüngliche Architektur dieser Anlagen zu erforschen. Das Gute: Wir sind hier im Moor. Wir hoffen, dass wir organische Erhaltung haben, also Knochenreste (...).

Anja Behrens, Archäologin

Erster größerer Fund

Knochenreste hat das 23-köpfige Team noch nicht ausgegraben. Sie gehen aber davon aus, dass es sich hier um ein Gemeinschafts- oder Familiengrab handelt. Über mehrere Jahrhunderte hat man hier wahrscheinlich bestattet. Nicht kontinuierlich, aber immer mal wieder. Das Problem für Archäologen ist, dass man die Gebeine häufig immer wieder rausgeräumt hat. Dadurch ist es oft schwer zu bestimmen, wie alt ein Grab eigentlich ist. Aber jetzt konnten die Archäologen einen ersten größeren Fund machen.

Grabungsleiterin Anja Behrens hält eine Keramikscherbe in die Kamera. [Quelle: Radio Bremen, Sonja Klanke]
Grabungsleiterin Anja Behrens mit dem Fund aus dem Ahlenmoor. [Quelle: Radio Bremen, Sonja Klanke]

Die zwei gefundenen etwa handtellergroßen Scherben einer Schale werden jetzt genauer untersucht, damit man bestimmen kann, wann genau sie mit in das Grab gelegt wurden. Zu dem Archäologenteam vor Ort gehören auch Studenten. Lisa Nydhall studiert an der Uni Kiel und hilft bei der Ausgrabung. Funde wie solche Scherben, sind für sie etwas ganz besonderes.

Wenn man sich mal überlegt, dass man der oder die Erste ist, die das wieder in der Hand hat (...). Ich find das faszinierend.

Lisa Nydhall, Studentin

Graben, sammeln, säubern, schrubben, bürsten

Bevor die Funde wieder ans Tageslicht kommen, müssen die Archäologen eine Menge Handarbeit leisten. Graben, sammeln, säubern, schrubben, bürsten – und erst dann kommt die eigentliche Untersuchung der Steine und Fundstücke. Seit zwei Wochen können sich immer donnerstags sogar Besucher*innen die Grabung anschauen und sich Infos direkt vom Team holen. Mit bisher überraschend großem Erfolg, sagt Lisa Nydhall.

Wir finanzieren uns ja auch von Steuergeldern und viele wollen wissen, wo das landet. So lange die sich interessieren, einfach mal vorbeikommen und gucken wollen, spricht nichts dagegen.

Lisa Nydhall, Studentin

"Relikte im Moor"

Die Grabungen im Ahlenmoor sind Teil des Projekts "Relikte im Moor", das vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur finanziert wird. Gestartet ist dieses Projekt Anfang des Jahres und soll insgesamt drei Jahre laufen. Dabei geht es aber nicht nur um die Großsteingräber, erklärt Anja Behrens.

Archäologiestudentin Lisa Nydahl gräbt mit einer Schaufel in einem Erdloch. [Quelle: Radio Bremen, Sonja Klanke]
Archäologiestudentin Lisa Nydahl [Quelle: Radio Bremen, Sonja Klanke]
Wo haben früher die Menschen der Trichterbecherkultur gelebt? Wo haben die gesiedelt? Wie sind die damals damit klar gekommen, dass das Wasser, dass das Moor immer höher stieg und damit auch den Lebensraum beeinträchtigte?

Anja Behrens, Archäologin

Bevor es darauf konkrete Antworten gibt, graben Anja Behrens und ihr Team noch rund zwei Wochen im Ahlen-Falkenberger Moor. Vielleicht wissen wir bald mehr über die Steinzeitmenschen, die dort gelebt haben.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 31. Juli 2019, 11:38 Uhr

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