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Spahn oder Merz: Was kann da noch kommen?

27. November 2018

Knapp zwei Wochen noch bis zum CDU-Parteitag, bis dahin gibt es das Schaulaufen von AKK, Friedrich Merz und Jens Spahn, die ja alle drei für den Parteivorsitz kandidieren. AKK lassen wir mal eben außen vor – und dann stellt sich die Frage, wer eigentlich die dämlicheren Ideen raushaut: Jens Spahn oder Friedrich Merz? Eine Glosse von Peter Zudeick.

Jens Spahn und Friedrich Merz [Quelle: DPA, Eventpress Rekdal]
Jens Spahn (links) und Friedrich Merz: Mit welchem Thema können sie punkten bei den Vorstellungsrunden für den CDU-Vorsitz? [Quelle: DPA, Eventpress Rekdal]

Es wird eng!

Ja, das ist jetzt dumm. Das wird nämlich ganz eng. Nicht nur für Jens Spahn. Für den natürlich besonders, weil er nachlegen muss. Aber auch für den Friedrich Merz selbst. Denn wie will er das noch toppen? Das mit dem Asylrecht? Besser geht’s ja nicht. Dieser Gestus, "Wir müssen da mal offen drüber reden", der bringt ihm ja alles, was er braucht. Die Empörung von denen, die das Grundgesetz für unantastbar halten, und die Begeisterung der "Das-muss-aber-mal-gesagt-werden"-Fraktion. Und am Ende stehen alle ein bissen dämlich da, wenn sie bei einem verschämten Blick ins Grundgesetz feststellen, dass es das angeblich individuelle Recht auf Asyl schon längst nicht mehr gibt. Weil vor 25 Jahren der schlichte Satz, "Politisch Verfolgte genießen Asylrecht" durch vier schwurbelige Ergänzungsabsätze faktisch aufgehoben worden ist. Will sagen: Der Herr Merz hat dummes Zeug geredet und damit einen größtmöglichen Wirbel veranstaltet. Was will er da noch draufsetzen?

Nichts ist zu blöd!

Ja, gut, im Bereich Grundgesetz könnte er natürlich so richtig hinlangen und eine offene Diskussion über die Abschaffung von Artikel 1 fordern. Darüber muss man doch mal reden können, ob die Würde des Menschen wirklich unantastbar sein soll. Oder ob da nicht stehen muss: "die Würde des Sauerländers". Oder Artikel 20: "Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus". Da muss man sich doch mal fragen, ob das noch zeitgemäß ist. Oder ob nicht auch hier "vom Sauerländer" stehen muss.

Knapp zwei Wochen noch bis zum CDU-Parteitag, bis dahin gibt es das Schaulaufen von AKK, Friedrich Merz und Jens Spahn, die ja alle drei für den Parteivorsitz kandidieren. AKK lassen wir mal eben außen vor – und dann stellt sich die Frage, wer eigentlich die dämlicheren Ideen raushaut: Jens Spahn oder Friedrich Merz?

Autor/-in: Peter Zudeick
Länge: 3:00 Minuten
Datum: Montag, 26. November 2018
Sendereihe: Online | Radio Bremen

Das wären doch schöne Diskussionen, und es würde mindestens zwei Wochen dauern, bis der Merz gemerkt hätte, dass es einen Artikel 79 im Grundgesetz gibt, in dem die Änderung von 1 und 20 für unzulässig erklärt wird. Dann ist Parteitag, und auf demselben könnte der Friedrich dann die Abschaffung von Artikel 79 fordern. Das wäre ein schönes Timing. Und wenn er damit nicht durchkäme, könnte er fordern, das Sauerland zum Freistaat zu machen und sich selbst zum Regionalfürsten ausrufen. Es ist ja nichts zu blöd, dass es nicht gefordert werden könnte. Muss man doch offen drüber reden können.

Es bleibt schwierig!

Aber es bleibt schwierig für den Friedrich aus Brilon, und noch schwieriger ist es für den Jens aus Ahaus-Ottenstein im Westmünsterland. Mit dem Grundgesetz kann er nicht rummachen, das Revier ist besetzt. Da geht nur noch die direkte Konfrontation mit Königin-Mutter Angela. Man könnte beantragen, sie für die Nacht zum 5. September 2015 nachträglich für unzurechnungsfähig und ihre damalige Entscheidung mithin für unwirksam erklären zu lassen. Weil das aber allzu radikal und doch sehr nach AfD klingt, muss er sich das bis zuletzt aufheben.

Vorher könnte er versprechen, alles rückgängig  zu machen, was sich während der Regentschaft von Frau Angela geändert hat. Die Wehrpflicht wieder einführen, Atomkraftwerke wieder ans Netz, die Ehe für alle abschaffen – ja, gut, da wäre er zwar betroffen, aber auf dem Gebiet könnte er so richtig zeigen, was für ein toller Hecht er ist. Seht her, ich profitiere zwar von der Homo-Ehe, aber sie ist ein gesellschaftspolitischer Skandal und gehört auf den Müllhaufen der Geschichte. Naja, wird wohl nichts draus werden. Er könnte höchstens noch das Westmünsterland gegen das Sauerland ausspielen. Aber wollen wir ihm dazu wirklich raten?

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 27. November 2018, 06:36 Uhr

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