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Verdienstorden der Bundesrepublik

Gerd Meyer aus Bremen erhält Auszeichnung

4. Dezember 2018

Gerd Meyer engagiert sich seit über 40 Jahren für die Aufarbeitung der Geschichte der Region Unterweser. Im Mittelpunkt steht dabei der "Bunker Valentin", in dem viele Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene ab 1943 ihr Leben verloren. Für seinen unermüdlichen Einsatz erhält er den Verdienstorden der Bundesrepublik. Ein Porträt über den Aktivisten von Heinrich Pfeiffer.

Gerd Meyer engagiert sich seit über 40 Jahren für die Aufarbeitung der Geschichte der Region Unterweser. Im Mittelpunkt steht dabei der "Bunker Valentin", in dem viele Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene ab 1943 ihr Leben verloren. Für seinen unermüdlichen Einsatz erhält er den Verdienstorden der Bundesrepublik. Ein Porträt über den unermüdlichen Aktivisten von Heinrich Pfeiffer.

Autor/-in: Heinrich Pfeiffer
Länge: 3:48 Minuten
Datum: Dienstag, 4. Dezember 2018
Sendereihe: Bremen Zwei | Bremen Zwei

Der Bunker Valentin ist eines von vielen Zeugnissen nationalsozialistischer Geschichte im Raum Bremen. Auffällig, riesig steht er an der Unterweser. Ausgangspunkt für für den Vegesacker Gerd Mayer sich mit den Verbrechen der Nationalsozialisten auseinander zu setzen. Seit 1979 organisiert er Erwachsenenbildung über die Geschichte der Region Unterweser.

Gerd Meyer ist schon hunderte Male hier gewesen, aber der Anblick lässt ihn nicht kalt: ein martialisches Denkmal deutscher Geschichte. Riesig, grauer hässlicher Beton, 430 Meter lang, sieben Meter dicke Wände.

Nachdem Gerd Meyer den Bunker das erste Mal gesehen hatte, ließ ihn das Gebäude in Bremen-Nord nicht wieder los: die nie vollendete U-Boot-Werft. Mehr als 10.000 Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene aus ganz Europa mussten ab 1943 unter unmenschlichen Bedingungen die Werft errichten. Die durchschnittliche Überlebenszeit der Häftlinge betrug neun Monate.  All das wussten Gerd Meyer und seine Frau damals in den späten 1970er Jahren noch nicht. Und sie wussten auch nicht, dass der Bunker nur das krasseste Beispiel für die weitverbreitete Zwangsarbeit war.

Das ist manchmal ein bisschen unbefriedigend, dass alle heute auf dieses spektakuläre Denkmal starren... Zum Glück haben wir die Gedenkstätte, aber ich finde es genauso wichtig, dass man wissen muss, dass in Bremen Nord, zum Beispiel, jeder Betrieb auch von Zwangsarbeit profitierte. Jeder!   

Unermüdlicher Einsatz

Gerd Meyer hat sein Leben der Recherche über das NS-Unrecht gewidmet. Mit Mitstreitenden fand er immer mehr über die Arbeitslager in der Region Unterweser heraus, angefangen bei den acht Außenlagern des Hamburger Konzentrationslagers Neuengamme in Bremen. Für ihn ist es entscheidend, dass viele Menschen hier ein Gedenken möglich gemacht haben. Heute ist der Bunker Valentin "Nationaler Denkort" mit haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen. In den 1980er Jahren undenkbar.

1980 war das noch so, dass die Leute uns, sagen wir mal vorsichtig, schroff zurück gewiesen haben. Das hat sich später geändert, schon noch in den 80er Jahren.

Gerd Meyer hat vom Krieg selbst nichts mehr mitbekommen. Er wurde kurz nach Kriegsende 1946 geboren.

Ich bin gezeugt worden in der Freude der Befreiung.

Aufgerüttelt durch Fotos von KZ-Häftlingen

In einem sozialdemokratischen Elternhaus aufgewachsen, war Gerd Meyer einer der wenigen, die in den Nachkriegsjahren nicht zu Hause geschlagen wurden. Doch wie kam er dazu, sich mit der NS-Geschichte zu beschäftigen? Was war und ist bis heute seine Motivation? Während seiner acht Jahre Volksschule in Oldenburg kam 1959 ein Mitschüler mit Aufnahmen von KZ-Häftlingen in die Klasse.

Wir haben die Bilder gesehen, die Skelette da. Und bei uns im Haus wohnte ein SS-Mann, das wusste ich. Und da haben wir den gefragt: "Onkel so und so, stimmt das, gab es sowas?" Das war 59. Da sagte der: "Das ist alles Quatsch. Ich war bei der Waffen-SS, bei der Totenkopf-SS vielleicht." So haben die damals geredet. Die waren noch voll im Rechtfertigungszwang, obwohl er selbst total unter dem Krieg gelitten hat. 

Nachforschungen

Nach der Volksschule begann Meyer mit 13 eine Ausbildung zum Elektriker. Später studierte Gerd Meyer Geschichte, kam zum Bürgerhaus Vegesack und stellte in Bremen Nord Nachforschungen zur NS-Zeit an. Wie wichtig es auch heute noch ist, an diese Zeit zu erinnern, das zeigt ihm das Erstarken der nationalistischen und rechten Kräfte.

Wenn ich die Bundestagsdebatten heute verfolge: 'Einen Vogelschiss' von Gauland und solche Sprüche, da kriege ich eine gewisse Wut, muss ich sagen. Mit solchen Leuten, die ja auch raffiniert sind, die ja auch nicht dumm sind. Göbbels, Hitler – das waren keine Dummköpfe. Ich will die nicht gleichsetzen, aber sie haben eine perfide Art sich in den öffentlichen Sprachgebrauch hereinzuschleichen.

Auszeichnung

Ein bisschen unwohl fühlt sich Gerd Meyer den Verdienstorden vom Bundespräsidenten anzunehmen. Denn es gebe so viele Menschen neben ihm, die tolle Arbeit geleistet haben, um an die Region Unterweser und ihre schlimme Vergangenheit zu erinnern. Auch für sie nimmt er den Verdienstorden heute entgegen.

Ordensverleihung "Zukunft braucht Erinnerung"

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zeichnet am 4. Dezember in Schloss Bellevue 14 Frauen und 14 Männer mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland aus. Unter dem Motto "Zukunft braucht Erinnerung" würdigt er anlässlich des Tages des Ehrenamtes ihr herausragendes Engagement für die Gedenk- und Erinnerungskultur in Deutschland.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 4. Dezember 2018, 16:36 Uhr

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