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Alle Jahre wieder

Familienstücke statt Weihnachtsmärchen

17. November 2018

Die Spekulatius schmecken schon, der erste Glühwein auch und der Aufnau der Weihnachtsmärkte beginnt so langsam. Wir gleiten in die Vorweihnachtszeit hinein und da gehören an den Theatern die Familienstücke dazu. Die Zeit der Weihnachtsmärchen ist längst vorbei – auch in unserer Region.

Angeletta, Weichsel, Rast, Glaß, Einhorn, Zigah. [Quelle: Theater Bremen, Jörg Landsberg]
Alexander Angeletta, Mirjam Rast – "Huckleberry Finn" im Theater am Goetheplatz. [Quelle: Theater Bremen, Jörg Landsberg]

Laut wummern die Bässe durch das Oldenburgische Staatstheater. Soundeffekte untermalen die Handlung, schrill und neonfarben strahlen die aufwendige Bühne und die Kostüme von Seppel, Kasper, der Großmutter und auch dem Zauberer Petrosilius Zwackelmann, tätowiert im Unterhemd dazu der grimmige Räuber: Gegensatz muss deutlich werden. Otfried Preußlers Kinderbuchklassiker wird gerne als Familienstück zur Weihnachtszeit gezeigt. In Oldenburg von Regisseur Ekat Cordes laut, pompös und modern aufbereitet mit Computerspielzügen als unglaubliche Diebstahls-Soap. Kasper und Seppel springen von Challenge zu Challenge, um den Räuber Hotzenplotz einzufangen. Und der ist nicht nur böse, sondern auch mal einsam und vermisst seine Mama.

Katharina Guleikoff: Familienstück hat Weihnachtsmärchen abgelöst [6:01 Minuten]

Man muss so'ne Art doppelte Dramaturgie führen, aber das gilt eigentlich für die meisten Kunstwerke, dass jeder natürlich mit seinem eigenen Blick drauf schaut und seine eigene Geschichte, seine eigenen Bilder dabei sieht.

Matthias Grön, Dramaturg und Leiter des Jungen Staatstheaters

Szene aus 'Räuber Hotzenplotz' [Quelle: Oldenburgisches Staatstheater, Stephan Walzl]
Statisterie, Nientje C. Schwabe (Großmutter), Rajko Geith (Seppel), Alexander Prince Osei (Kasperl), Klaas Schramm (Räuber Hotzenplotz), Gerrit Frers (Wachtmeister Dimpfelmoser), Maike Jebens (Die Fee Amaryllis). [Quelle: Oldenburgisches Staatstheater, Stephan Walzl]

Premiere am 18. November 2018 im Oldenburgischen Staatstheater. Am 22. November öffnet sich in Bremerhaven das erste Mal der Vorhang für Astrid Lindgrens berühmte Kinderbuchfigur – Pipi Langstrumpf. Lisa Liebler, spielt die mutige, pfiffige und freche Pippi, wie sie von der wilden See in die Villa Kunterbunt kommt. Witzig und überraschend soll sie werden, die Inszenierung von Marcello Diaz, mit viel Slapstick, aber auch ruhigen poetischen Momenten. In Bremerhaven hat er im vergangenen Jahr den Pinocchio zur Weihnachtszeit auf die Bühne gebracht hat.

Ich möchte nicht nur Unterhaltung, auch nicht mit dem Weihnachtsmärchen, machen – oder nicht nur rügen. Ich möchte auch zum Denken animieren (...) Pinocchio oder Pippi, das sind Stoffe wo man wirklich auch sehr viel über die Gesellschaft sagt.

Marcelo Díaz, Regisseur

Katharina Guleikoff: Familienstücke an den Theater der Region [5:27 Minuten]

Thematisiert wird Toleranz – wie kommen verschiedene Menschen miteinander klar? Pippi soll in dörfliche Gemeinschaft integriert werden, das scheitert, weil Integration eben nur funktioniere, wenn wir gegenseitig aufeinander zugehen. Und das lasse sich hervorragend in die jetzige Zeit übertragen. Andres als in Oldenburg wird es in Bremerhaven eine schlichtere Bühne und wenig Effekte zum Erzählen der Geschichte geben.

Je mehr Deko man hat, desto weniger wird gespielt, weil die Bühne – oder die Deko – ersetzt manchmal 'n bisschen den Schaupieler.

Marcelo Díaz, Regisseur

Angeletta, Weichsel, Rast, Glaß, Einhorn, Zigah. [Quelle: Theater Bremen, Jörg Landsberg]
Angeletta, Weichsel, Rast, Glaß, Einhorn, Zigah – "Huckleberry Finn" im Theater am Goetheplatz. [Quelle: Theater Bremen, Jörg Landsberg]

Untermalt wird die Stimmung wie bei allen Familienstücken mit Gesang und Musik – hier mit zwei Musikern auf der Bühne – im Theater Bremen sind es sogar vier, die ordentliche für Stimmung sorgen. Nach dem großen Erfolg von "Tom Sawyer" im vergangenen Jahr wird Mark Twains Geschichte mit den "Abenteuern des Huckleberry Finn" weitererzählt. Wieder in einer Bearbeitung von John von Düffel, wieder in der Regie von Klaus Schumann und wieder gut angekommen beim Publikum der Premiere am 11. November 2018.

Es ist kein Wunder, das John von Düffel mit großem Spaß für Kinder schreibt, weil man da auch so ganz einfache Dinge wieder behaupten kann und sagen darf... so die Rückkehr des politischen Theaters im Kindertheater. Also wenn man da dieses Thema Freiheit jetzt bei Huckleberry Fynn sieht, da geht auch schon um Botschaften.

Michael Börgerding, Intendant Theater Bremen

Die Geschichte von Huckelberry Finn – von der Flucht in die Freiheit – und von seinem Freund Jim, mit dem Floß den Mississippi herunter, wird im Stück noch ergänzt. Sie stranden bei Cordelia und ihrer verrückten Theaterfamilie. Da entsteht der Plan, ihre Geschichte auf der Bühne nachzuerzählen und sich so Geld zu verdienen. Das ist bezaubernd und komisch zugleich. Wichtig ist für Intendant Michael Börgerding, mit dem Familienstück nicht nur eine schöne Geschichte zu erzählen, sondern den großen und kleinen Besuchern etwas mitzugeben.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 17. November 2018, 15:20 Uhr

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