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Rückkehr nach Bangui

Die "Fußballschule für den Frieden" ist eröffnet

1. Dezember 2018

Wenn man von Bremen aus 5.400 Kilometer nach Süden reist, landet man in der Zentralafrikanischen Republik. Das Land hat alles, was es braucht, damit es allen Menschen dort gut geht. Faktisch ist ein Drittel der Bevölkerung auf der Flucht vor Gewalt und Hunger, die Hälfte aller Menschen ist auf Nothilfe der Vereinten Nationen angewiesenen.

Eröffnung der Fußballschule in Bangui [Quelle: Bernd Klose]

Aufstellung zum Eröffnungsspiel. Ein Team der Fußballschule tritt gegen eine Auswahl der Welthungerhilfe an. Die Trikots sind Teil einer Spende von Werder Bremen. Quelle: Bernd Klose

Eröffnung der Fußballschule in Bangui [Quelle: Bernd Klose]

Annika Wandscher, Vertreterin des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, im Gespräch mit Georg Dörken von der Deutschen Welthungerhilfe. Die Bundesregierung unterstützt die Fußballschule für den Frieden. Quelle: Bernd Klose

Eröffnung der Fußballschule in Bangui [Quelle: Bernd Klose]

Großes Interesse gab es zur Eröffnung der "Fußballschule für den Frieden" in Bangui am 30. November 2018. Quelle: Bernd Klose

Eröffnung der Fußballschule in Bangui [Quelle: Bernd Klose]

Vertreter der Regierung der Zentralafrikanischen Republik zusammen mit Georg Dörken von der Welthungerhilfe vor dem Hauptgebäude der Fußballschule für den Frieden. Quelle: Bernd Klose

Eröffnung der Fußballschule in Bangui [Quelle: Bernd Klose]

Diese Tafel soll an den Tag der Eröffnung der Fußballschule für den Frieden erinnern. Quelle: Bernd Klose

Eröffnung der Fußballschule in Bangui [Quelle: Bernd Klose]

Bremen Zwei-Reporter Bernd Klose auf dem Gelände der Fußballschule für den Frieden. Quelle: Bernd Klose

Bernd Klose ist in der Landeshauptstadt Bangui. Dort wurde jetzt die "Fußballschule für den Frieden" eröffnet – eine Idee, an der unser Kollege beteiligt war. Die Deutsche Welthungerhilfe setzt dieses Projekt um, die Bundesregierung und der DFB sind ebenfalls beteiligt – und auch Werder Bremen hat großzügig seine alte Ausrüstung gespendet. Wir haben dieses Projekt hier auf Bremen Zwei immer wieder begleitet.

Rückkehr nach Bangui

Die Straßen von Bangui sind in weiten Teilen heiße, staubige Buckelpisten. Unser Jeep kämpft sich von Schlagloch zu Schlagloch. Wir erreichen das Gelände der "Fußballschule für den Frieden". Eigentlich wollten wir am Tag vor der großen Eröffnung den Trainingsbetrieb und den Schulunterricht sehen. Aber das Gelände ist leer. Ein Junge sitzt vor einem der frisch gestrichenen Schulgebäude. Georg Dörken von der Deutschen Welthungerhilfe spricht ihn an. Warum ist hier keiner? "Weil es Unruhen im PK5 gab, und die Schulleitung alle Kinder gebeten hat, zu Hause zu bleiben.“ PK5. Die Stadtteile von Bangui sind durchnummeriert. Der Bereich PK5 gilt seit Jahren als Problembereich.

Rückkehr nach Bangui: Ein Bericht von Bernd Klose [3:40 Minuten]

Ich frage den Leiter der Fußballschule, Robert Koe, was er über aktuelle Unruhen weiß. Ein Milizenführer hat hier immer wieder Ärger gemacht, erklärt er mir. Ein Führer der muslimischen Seleka. Die Armee habe sein Haus zerstört, der Mann sei vor seiner Verhaftung geflohen. Die Seleka habe sich mit Handgranaten gerächt. Soldaten der UN und der Regierung hätten daraufhin hart durchgegriffen und den Anführer getötet. Die Seleka hätten diese Botschaft verstanden, sagt Koe. Es werde vorerst keine weiteren Angriffe geben. Die für heute Mittag geplante große Eröffnung der Fußballschule sei nicht gefährdet, sagt Koe. Seine Organisation "Les Freres Centrafricaines" (Die Brüder Zentralafrikas) habe genug Einfluss, um zumindest an diesem so besonderen Tag für Ruhe zu sorgen.

Eröffnung der Fußballschule in Bangui [Quelle: Bernd Klose]
Die Kinder der Fußballschule für den Frieden warten kurz vor der Eröffnung auf die Vertreter der Regierung. [Quelle: Bernd Klose]

Seit ich im September hier war, hat sich viel getan: 250 Kinder wurden bisher in die Fußballschule aufgenommen. Mehr als Tausend sollen es werden. Die Organisation läuft immer besser, die Struktur steht, sagt Georg Dörken. Es war von Anfang an die Idee, die Fußballschule mitten in diesen Brennpunkt der Bezirke 3, 4 und 5 zu setzen. Auf dem Gelände eines Gymnasiums, das die Welthungerhilfe nach den schweren Unruhen der vergangenen Jahre auch gerade wieder aufgebaut hat. "Der Kern dieser Arbeit ist, den Hass zwischen Christen und Moslems zu überwinden. Gemeinschaft zu stärken. Werte zu lernen und weiterzugeben. Fußball ist nur das Mittel dazu", sagt Dörken.

Eine Fußballschule für den Frieden. Ein Beicht von Bernd Klose [3:51 Minuten]

Die Regierung der Zentralafrikanischen Republik wird Vertreter schicken, um das Eröffnungsband durchzuschneiden. Aus Berlin ist Annika Wandscher gekommen. Sie vertritt das Bundesministerium für Entwicklungszusammenarbeit. "Für Robert Koe wird die Eröffnung heute eine große Freude sein, an der viele Emotionen hängen", sagt Wandscher. Ein Traum sei wahr geworden, sagt Koe. Er meint auch den Traum seines Bruders Anatole Koe, der Fußball-Legende dieses Landes. Er war im Januar 2018 aus unklaren Gründen gestorben, bevor er diese Schule leiten konnte. Die "Fußballschule für den Frieden" trägt nun seinen Namen. Georg Dörken wird wird in seiner Rede auf der Eröffnungsfeier an ihn erinnern.

Auf der folgenden Seite: Bericht von der Eröffnung...

Fakten

Eröffnung der Fußballschule in Bangui [Quelle: Bernd Klose]
Israel schießt das Siegtor per Elfmeter. Er ist eins der ersten 250 Kinder, die einen Platz in der Fußballschule für den Frieden bekommen haben. [Quelle: Bernd Klose]

Das Projekt Die "Fußballschule für den Frieden" wird von der Deutschen Welthungerhilfe aufgebaut und überwacht. Finanziert wird die Schule aus Spenden an die Welthungerhilfe und Mitteln des Bundesministeriums für Entwicklung und wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ). Lokaler Partner vor Ort ist die im ganzen Land unter allen Konfliktparteien anerkannte Nicht-Regierungsorganisation "Les Freres Centrafricaines". Ihr Präsident Robert Koue leitet gleichzeitig die Fußballschule. Auch der DFB unterstützt dieses Projekt. Werder Bremen hat 80 Kisten Ausrüstung für diese Schule gespendet.

Die Idee Fußball steht für Fairness, Toleranz und Zusammenhalt. In der Fußballschule für den Frieden sollen die Kinder lernen, dass die Gemeinschaft stärker ist als der Einzelne. Wenn sie diese Idee in ihr Leben übertragen, hat die Fußballschule für den Frieden ihr Ziel erreicht. Fußball ist dafür nur ein Werkzeug, dass die Kinder motiviert, sich zu engagieren. Die Fußballschule für den Frieden ist keine Kaderschmiede für Profi-Clubs.

Eröffnung der Fußballschule in Bangui [Quelle: Bernd Klose]
Das Eröffnungsspiel hat nur zehn Minuten gedauert. Die Kinder haben in dieser kurzen Zeit alles gegeben. [Quelle: Bernd Klose]

Der Tagesablauf Am Vormittag gehen die Kinder in reguläre Schulen. Das ist eine zentrale Voraussetzung für die Aufnahme in der Fußballschule. Unter den ersten 250 Kindern sind auch Straßenkinder und ehemalige Kindersoldaten, die nie eine Schule gesehen haben. Für sie gibt es am Nachmittag besonderen Unterricht in einem Gebäude der Fußballschule. Alle Kinder müssen sich zusätzlich in Sozialprojekten engagieren, um den Platz in der Schule behalten zu können.

Die Perspektive Das Projekt ist auf viele Jahre ausgelegt. Die Welthungerhilfe garantiert die korrekte Verwendung aller Mittel und legt darüber regelmäßig beim BMZ Rechenschaft ab. In der Zukunft soll diese Schule sich selbst finanzieren – über für dieses Land angemessene Mitgliedsbeiträge. Nicht alle Kinder werden dieses Geld haben. Auch hier trägt die Idee der Gemeinschaft: Wer zahlen kann trägt die mit, die kein Geld haben.

Eröffnung der Fußballschule in Bangui [Quelle: Bernd Klose]
Auch Vertreter der Regierung waren im Publikum bei der Eröffnungsfeier. [Quelle: Bernd Klose]

Das Land Die Zentralafrikanische Republik hat enorme Probleme. Rund vierzehn Splittergruppen ehemaliger Rebellen kämpfen um Einfluss. Ein Drittel der rund fünf Millionen Einwohner ist auf der Flucht vor Hunger und Gewalt, etwa die Hälfte aller Menschen ist auf Hilfe der UN angewiesen. Auf dem Entwicklungs-Index der Vereinten Nationen liegt die Zentralafrikanische Republik seit vielen Jahren auf den letzten Plätzen.

Anatole Koue Am Neujahrsmorgen ist der Mann gestorben, der in diesem Land eine Bedeutung hat, die vielleicht vergleichbar ist mit Fußball-Ikonen wie Pelé in Süddamerika. Anatole Koue war Rekord-Nationalspieler und später Nationaltrainer – und wurde nach seiner Karriere Botschafter für den Frieden. Sein Wort als Präsident der Freres Centrafricaines hatte im ganzen Land Gewicht, sein Einsatz für Frieden und Versöhnung war auch bei der Regierung anerkannt. Die Fußballschule für den Frieden war sein Lebenstraum. Sein Einfluss und seine Bedeutung sind jetzt auf seinen Bruder Robert übergegangen. Die Schule trägt den Namen "Anatole Koue".

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Ein Kommentar von Bernd Klose

Man kann nicht jedem Kind auf dieser Welt helfen. Es gibt zu viele Länder, die Hilfe brauchen. Es gibt noch mehr Gründe einfach nichts zu tun. Warum soll man deutsche Steuermittel in ein Land investieren, von dem viele in Deutschland noch nicht einmal wissen, dass es überhaupt existiert? In dem die Menschen so arm sind, dass sie keine Chance auf eine Flucht in eine andere Welt haben? Nur eine Handvoll Menschen aus der Zentralafrikanischen Republik haben bisher Deutschland erreicht. Können die Probleme dieses Landes uns nicht einfach egal sein? Meine Antwort lautet: Wenn Kinder darunter leiden müssen, dass Erwachsene keinen Weg zu Frieden und Zusammenhalt finden, dann darf man nicht wegsehen. Weil die Kinder sonst keine Zukunft haben. Ich bin überzeugt, dass man in diesem Land mit vergleichsweise überschaubaren Mitteln viel erreichen kann. So sieht es auch das Bundesministerium für Entwicklung und wirtschaftliche Zusammenarbeit.

Eröffnung der Fußballschule in Bangui [Quelle: Bernd Klose]
Bremen Zwei-Reporter Bernd Klose in Bangui, der Hauptstadt der Zentralafrikanischen Republik. [Quelle: Bernd Klose]

250 Kinder haben einen Platz in der Fußballschule für den Frieden bekommen, die am 30. November in Bangui offiziell eröffnet hat. Es sind Christen und Moslems, Jungen und Mädchen, Straßenkinder und ehemalige Kindersoldaten. Ich habe den Stolz gesehen, mit dem sie die von Werder Bremen gespendeten Trikots tragen. Die Kinder bekommen jetzt über drei Jahre Bildung. Sie sollen über den Sport lernen, dass die Gemeinschaft stärker ist als der einzelne. Wenn sie diese Botschaft in ihr Leben tragen, kann das ein kleiner Beitrag sein, ein Land zu verbessern, das unter der Brutalität der vielen Warlords, alltäglicher Korruption und Misswirtschaft leidet. Wenn die Botschaft stark genug ist, kann sie helfen den Kreislauf von Hunger und Gewalt aufzubrechen.

Mir ist bewusst, dass die Fußballschule für den Frieden nur ein Tropfen auf dem sehr heißen Stein der Zentralafrikanischen Republik ist. Hunderttausende Kinder haben keinen Platz bekommen – wissen oft nicht einmal, dass es diese Schule überhaupt gibt. Aber aus den 250 sollen jetzt über tausend werden. Und in jedem Jahr werden neue Kinder aufgenommen. Andere werden sie verlassen und ihre Werte mitnehmen. Eines Tages soll diese Fußballschule für den Frieden sich selbst tragen – durch kleine Mitgliedsbeiträge derer, die es sich leisten können. Dann wird sich jeder Euro aus Deutschland für dieses Projekt gelohnt haben.

Das Siegtor der Kinder beim Eröffnungsspiel. Ein Elfmeter. Der Schütze heißt Israel. Im Tor steht ein lokaler Mitarbeiter der Deutschen Welthungerhilfe.

Autor/-in: Bernd Klose
Länge: 16 Sekunden
Datum:
Sendereihe: Online | Radio Bremen

Ich habe gehört, wie die Kinder hier ihre Nationalhymne singen. Am Ende haben sie den Wahlspruch der Zentralafrikanischen Republik gerufen: „Unité, Dignitè, Travail“ – Einheit, Würde, Arbeit. Vielleicht kann die Fußballschule für den Frieden für diese Kinder ein erster Schritt auf dem Weg dahin sein.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 30. November 2018, 6:20 Uhr

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