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Digitaler Detox

24 Stunden ohne Internet

29. Oktober 2018

Am 29. Oktober 1969 – also vor genau 49 Jahren – ging die erste Botschaft über das Internet von Computer zu Computer. Deshalb begehen wir heute den "Tag des Internets". Und was ist uns zu diesem Feiertag für alle Online-Freunde eingefallen? Wir haben Bremen-Zwei-Reporter Jens Otto das Internet weggenommen! Aber nur für 24 Stunden, das war schon fies genug für einen Netz-Junkie. So hat der Kollege den Online-Entzug erlebt.

Ein Smartphone mit einem durchgestrichenen Wifi-Symbol [Quelle: Imago, Steinach/Montage]
Ein Tag ohne Internet: für unseren Reporter ist das eine ganz neue Erfahrung [Quelle: Imago, Steinach/Montage]

                                                  

Willst du für uns vielleicht ausprobieren, wie es ist, 24 Stunden ohne Internet zu bleiben? Klar, denke ich, so schwer kann das nicht sein – und sage zu. Schnell wird mir dann doch klar: Das wird Konsequenzen haben. Aber eins nach dem anderen. Pünktlich um 12:00 Uhr beginnt der Selbstversuch. Ich schließe das E-Mail-Programm bei der Arbeit. Vorsichtshalber habe ich eine Abwesenheitsbenachrichtigung eingestellt: Wer mich jetzt noch anschreibt, bekommt den Hinweis, bitte anzurufen bei wichtigen Angelegenheiten – bloß nichts verpassen, mit der Paranoia geht es schon vor dem Experiment los. Dann der Moment, der tatsächlich etwas Überwindung kostet: Ich schalte an meinem Smartphone die mobilen Daten aus.

Keine zwei Minuten dauert es, dann passiert etwas, das ziemlich selten geworden ist: Ich bekomme eine SMS. Natürlich keine Nachricht über Whatsapp, das fällt ja auch aus an diesem seltsamen Tag. Hatte ich zuerst nicht bedacht, läuft ja auch über das Netz. Wie gesagt, Konsequenzen. Verdammt. Meine Freundin schreibt: "Willkommen in der Steinzeit." Den spöttischen Unterton kann ich zwischen den Zeilen lesen, obwohl die Nachricht nur eine Zeile hat.

Echtes Papier statt digitale Daten

Am 29. Oktober 1969 – also vor genau 49 Jahren – ging die erste Botschaft über das Internet von Computer zu Computer. Deshalb begehen wir heute den „Tag des Internets“. Und was ist uns zu diesem Feiertag für alle Online-Freunde eingefallen? Wir haben Bremen-Zwei-Reporter Jens Otto das Internet weggenommen! Aber nur für 24 Stunden, das war schon fies genug für einen Netz-Junkie. Und so hat der Kollege den Online-Entzug erlebt.

Autor/-in: Jens Otto
Länge: 2:26 Minuten
Datum: Montag, 29. Oktober 2018
Sendereihe: Der Morgen | Bremen Zwei

Ich habe früh Feierabend, viel Zeit für … tja, für was denn eigentlich? An einem ganz normalen Tag würde ich jetzt eine Serie bei Netflix gucken. Fast hätte ich das auch getan, die Internetnutzung ist so dermaßen zur Normalität geworden – sie passiert einfach, wie Atmen oder aufs Klo gehen. Aber ich lege die Fernbedienung gerade noch rechtzeitig wieder weg – und tausche sie ein gegen ein Buch. Aus echtem Papier. Eigentlich ganz angenehm, sollte ich viel öfter machen.

Instinktiv nehme ich an diesem Tag immer wieder das Smartphone in die Hand, wenn ich auch nur eine Minute Leerlauf habe. Eben kurz gucken, was auf Twitter passiert, ob’s Neuigkeiten von Werder gibt, wie das Wetter morgen wird. Aber heute darf ich nicht gucken – und lege das Gerät wieder weg, leicht peinlich berührt davon, wie krass mich dieser Reflex mittlerweile im Griff hat.

Von der Welt abgeschnitten?

Erst mal ab ins Bett und schlafen, da macht mir die Abstinenz natürlich nichts aus. Aber der Morgen kommt und damit wieder diese Sucht, nachgucken zu wollen, nachgucken zu müssen, was passiert in der Welt. Oder zumindest in der Welt, wie sie im Netz aussieht.

Ich gebe zu: Ich habe "FOMO". Also "Fear of missing out" – die Angst, etwas zu verpassen. In den meisten Fällen unbegründet, weil es nun mal nicht immer was zu verpassen gibt, aber trotzdem. Hoffentlich ist dieser Tag bald rum.

Die gesammelten Werke eines Tages

Bei der Arbeit überprüft der fürsorgliche Kollege, der von meiner Internet-Obsession und von diesem Experiment weiß, vorsichtshalber meinen Puls. Ich habe den leisen Verdacht, er macht sich über mich lustig.

Dann, endlich, sind die 24 Stunden vorbei: Ich klicke die mobilen Daten wieder an und Sekunden später geht es los: 54 Nachrichten bei Whatsapp, 67 Reaktionen auf Twitter, 15 bei Facebook, 27 ungelesene E-Mails. Die gesammelten Werke eines Tages. Das stresst mich. So eine dumme Idee war es gar nicht, Online für 24 Stunden einfach mal online sein zu lassen. Wo schalte ich den ganzen Kram noch mal aus?

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 29. Oktober 2018, 7:36 Uhr

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