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Bremer Überseemuseum

Viele Schätze, zu wenig Personal

16. Juli 2019

In den Depots und Archiven von deutschen Museen lagert eine unfassbar große Masse an Ausstellungsstücken. Die Lagerbedingungen in vielen Museen sollen allerdings katastrophal sein – Kunstwerke vermodern und Ausstellungsstücke zerfallen. Nikolas Golsch war im Bremer Überseemuseum. Dort herrschen gute Lagerbedingungen – dafür aber gibt es ganz andere Probleme.

Eine Frau steht vor einem Kasten mit einem ausgestopften Vogel. [Quelle: Radio Bremen, Nikolas Golsch]
Wiebke Ahrndt [Quelle: Radio Bremen, Nikolas Golsch]

Überseemuseum: Viele Schätze, zu wenig Personal [3:38 Minuten]


Rundgang mit Museumsdirektorin Wiebke Ahrndt

Mit dem Lastenaufzug geht es rauf in den zweiten Stock des Kinogebäudes direkt neben dem Bremer Überseemuseum. Hier lagern, Raum an Raum mit den Kinosälen, rund 1,2 Millionen Objekte aus den Bereichen Völker- und Naturkunde.

Museumsdirektorin Wiebke Ahrndt führt durch die Textilienmagazine, die Musikinstrumentensammlung und die Afrikaabteilung. Ein Großteil des Depots ist öffentlich zugänglich, deswegen im Vergleich mit anderen Museumsdepots in hervorragendem Zustand und entsprechend aufbereitet. Nur ein kleiner Teil der Bestände befindet sich hinter verschlossenen Türen, etwa die Insektensammlung.

Wir laufen hier gerade über die Brücke über dem Eingang zum Cinemaxx. Die ist nicht klimatisiert, aber wenn wir jetzt hier reinkommen, dann ist es sehr schön kalt – die Insekten mögen es so am liebsten.

Wiebke Ahrndt

Schätze hinter verschlossenen Türen

600.000 bunte Schmetterlinge, schillernde Käfer und andere Insekten lagern hier aufgespießt in verglasten Holzkästen, die sich in metallenen Magazinschränken stapeln. Die Abteilung ist gewissermaßen das Sorgenkind des Museums – eigentlich ein unfassbarer Schatz für Forscher auf der ganzen Welt, weil aber Personal fehlt, führt der Bestand ein Schattendasein.

Für diese riesige Sammlung, haben wir einen Wissenschaftler mit einer Dreiviertelstelle. Da sieht man die Personalnot besonders deutlich. Wir reden vom Insektensterben und hier sind die Archive, wo nachvollzogen werden kann, was haben wir denn, was fehlt uns. Das ist ein großartiger Schatz. Dafür ist es notwendig, dass die Sammlung komplett digitalisiert und erfasst wird und auch in die internationalen Netzwerke eingespeist wird.

Wiebke Ahrndt

Blick auf Schubladen im Magazin des Überseemuseums. [Quelle: Radio Bremen, Nikolas Golsch]
Blick ins Magazin des Überseemuseums. [Quelle: Radio Bremen, Nikolas Golsch]

Digitalisierung dringend erforderlich

Die Katalogisierung und Digitalisierung steckt in der Insektenabteilung noch in den Kinderschuhen, bisher ist nur ein Bruchteil davon erfasst. In anderen Abteilungen sieht es ähnlich aus, teilweise existieren Listen von Artefakten aus der ethnologischen Sammlung bisher nur in Sütterlin-Schrift.

Gerade im Umgang mit kolonialer Kunst, der Forschung welche Stücke zu Unrecht und auf welchen Wegen nach Bremen gekommen sind, spiele die Digitalisierung eine Schlüsselrolle, sagt Wiebke Ahrndt.

Wir bekommen fast wöchentlich Anfragen von Wissenschaftlern aus dem Ausland, die fragen: Was habt ihr denn? Und wir können dann oft nur knappe Listen ohne Foto rüberschicken, und die sind dann auch noch auf Deutsch. Wir brauchen einen Digitalisierungsschub, da müssen wir ran.

Wiebke Ahrndt

Mehr Budget für zusätzliches Personal

Eine Frau steht vor einem Schaukasten im Magazin des Überseemuseums. [Quelle: Radio Bremen, Nikolas Golsch]
Wiebke Ahrndt vor einem Schaukasten im Magazin des Überseemuseums. [Quelle: Radio Bremen, Nikolas Golsch]

Welche Arbeit damit verbunden ist, lässt sich erahnen wenn man einen Blick nach Frankreich wirft, ins Pariser Musée du Quai Branly. Bis dort sämtliche 300.000 Objekte online standen, arbeiteten 70 Leute rund sechs Jahre lang. Heute gibt es ein umfassendes Register, in dem Museen aus Übersee nach Objekten ihres Kulturkreises gezielt suchen können. Wiebke Ahrndt kann davon nur träumen. Vom designierten neuen Bremer Kultursenator Andreas Bovenschulte erwartet sie deswegen mehr Geld für die kommenden Jahre, um mit zusätzlichem Personal zumindest einen Anfang machen zu können.

Museen werden so oft als reine Ausstellungshäuser betrachtet. Aber das Sammeln und Forschen ist Grundlage dafür, und gerade hier fehlt es an Personal.

Wiebke Ahrndt

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 15. Juli 2019, 11:40 Uhr

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