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Migration über Cuxhaven

Als blinder Passagier nach Großbritannien

18. Oktober 2018

Deutschland ist das Ziel vieler Migranten. Doch jetzt gibt es ein neues Phänomen: Deutschland als kalkulierter Zwischenstopp – um dann als blinder Passagier mit dem Schiff von Cuxhaven aus nach Großbritannien zu kommen. Informationen von Serafia Johansson.

Hafenanlagen in Cuxhaven (Luftbild) [Quelle: Imago, Blickwinkel]
Neue Migrationsroute: Blinde Passagiere versuchen, mit Frachtfähren von Cuxhaven aus nach Großbritannien zu kommen. [Quelle: Imago, Blickwinkel]

Die Rede ist von einer spezifischen Gruppe von Migranten, es sind Albaner. Die Bundespolizei hat – bis auf eine Ausnahme – bisher nur Albaner bei dem Versuch erwischt, unerkannt aus Deutschland herauszukommen. Und die Zahlen steigen. 2015, als das Phänomen das erste Mal entdeckt wurde, waren es noch 30 Albaner, ein Jahr später schon knapp 200 und 2017 fast 300. Und dieses Jahr waren es bis zum September bereits 222 Menschen. Deutschland selbst ist für Albaner keine Alternative mehr, denn sie haben derzeit keine Chance, eine Aufenthaltsgenehmigung zu bekommen. Albanien gilt als sicheres Herkunftsland.

Warum zieht es die Albaner nach Großbritannien?

Die Albaner zieht es nach Großbritannien, weil dort bereits eine große albanische Community existiert – Freunde und Familie sind schon vor Ort. Außerdem ist es relativ einfach, dort unterzutauchen. Es besteht keine Meldepflicht, und wer sich ausweisen muss, kann das auch mit dem Führerschein machen – und der verrät nichts über den Status der Person.

Weshalb versuchen sie über Cuxhaven auszureisen?

Die Schiffsverbindung nach Großbritannien ist gut: Sechs Mal in der Woche fährt eine Frachtfähre von Cuxhaven ins englische Immingham. Darauf können sich die blinden Passagiere verlassen. An anderen Häfen ist das nämlich gar nicht so klar, wo die Schiffe anlanden. Aus Bremerhaven zum Beispiel gehen auch Schiffe nach Kanada oder Asien. Das ist dann ein unkalkulierbares Glücksspiel.

Wie kommen die blinden Passagiere auf die Schiffe? Gibt es keine Sicherheitsvorkehrungen?

Es gibt einen Standard, der nach dem Terroranschlag in New York 2011 eingeführt wurde, der so genannte ISPS-Code. Das ist ein Katalog an Maßnahmen, die dafür sorgen sollen, dass keiner unbemerkt auf das Hafengelände kommt. Aber die Migranten umgehen die Sicherheitsvorkehrungen; sie klettern nachts über die Zäune der Hafenanlage, suchen sich ein Versteck in einem Lastwagen-Trailer und hoffen, so unbemerkt auf die Schiffe zu kommen.

Blinde Passagiere in Cuxhaven [4:11 Minuten]

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 18. Oktober 2018, 14:15 Uhr

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