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Literaturpreis-Auszeichnung

Lukas Bärfuss erhält den Georg-Büchner-Preis

9. Juli 2019

Der Dramatiker, Essayist und Erzähler Lukas Bärfuss bekommt den Georg-Büchner-Preis 2019. Der mit 50.000 Euro dotierte Preis ist die höchste Auszeichnung der deutschsprachigen Literatur. Unsere Literatur-Redakteurin Esther Willbrandt freut sich über die Entscheidung.

Schriftsteller Lukas Bärfuss [Quelle: Lukas Bärfuss, Frederic Meyer]
Schriftsteller Lukas Bärfuss wird mir dem Georg-Büchner-Preis 2019 ausgezeichnet. [Quelle: Lukas Bärfuss, Frederic Meyer]

Lukas Bärfuss bekommt den Büchnerpreis 2019 [4:50 Minuten]

Wer ist Lukas Bärfuss?

Schon sein Lebenslauf klingt wie ein Roman. Aber da würden dann wieder alle sagen: Das ist unglaubwürdig... Lukas Bärfuss hat mit 15 die Schule beendet, hat dann auf Parkbänken und in Einkaufszentren geschlafen. Er hat als Gabelstaplerfahrer, Gärtner, Eisenleger und sogar als Tabakbauer im Schweizer Jura gearbeitet. Aber gelesen hat er immer. Er hat viel Zeit in der Bibliothek verbracht und dann später eine Buchhändlerlehre gemacht. Und da hat er dann irgendwann beschlossen, Schriftsteller zu werden – oder das, was er damals dafür hielt, nämlich ein Typ im weißen Unterhemd an der Schreibmaschine. Er sagt aber selbst, er komme aus einer Kultur, in der man eher misstrauisch wird, wenn einer sich zu gut ausdrücken kann – da würde man sich doch immer fragen: Was will der verkaufen, der Typ?

Was weißt Du über seine Arbeit als Schriftsteller?

Er hat von Anfang an fürs Theater geschrieben, seinen ersten richtig großen Erfolg hatte er mit dem Stück "Die sexuellen Neurosen unserer Eltern" von 2003, das mit Sandra Hüller in der Hauptrolle uraufgeführt wurde und jetzt gerade im polnischen Lodz zu sehen ist, ein moderner Klassiker also. 2008 erschien sein erster Roman, "100 Tage", über einen Entwicklungshelfer, der in Ruanda in den Völkermord gerät. In seinem zweiten Roman "Koala" hat er sich mit dem Selbstmord seines Halbbruders auseinandergesetzt. Beides hat ihm viel Anerkennung eingebracht, für "Koala" gab es sogar den Schweizer Buchpreis.

Sein letzter Roman, eigentlich eine Novelle, heißt "Hagard". Darin geht es um einen erfolgreichen Geschäftsmann in der Großstadt, der an einem einzigen Tag immer mehr aus der Spur gerät, weil er einer geheimnisvollen Frau begegnet. Er verliert sich immer mehr in der Jagd nach dieser Frau, alles andere wird unwichtig, und damit verliert er alles, was ihn und sein Leben bisher ausgemacht hat. Und die Vorstellung ist ja vielleicht nicht zu 100 Prozent 'nur' beängstigend…

Wenn man hier einen roten Faden finden will, dann geht es immer darum, hinter die geordnete, bürgerliche Fassade zu schauen, hinter das, was wir für "normal" halten – den Bodensatz unserer zivilisierten Existenz aufzuwirbeln, dahin zu gehen, wo es beim Lesen so richtig unbehaglich wird.

Was sagt die Jury?

Die Jury attestiert ihm einen, "furchtlos prüfenden, verwunderten und anerkennenden Blick". Lukas Bärfuss mischt sich ein, er sucht den Dialog mit seinem Publikum, er ist sehr präsent, in ganz Europa und darüber hinaus. Für ihn ist das Private selbstverständlich politisch, und so pickt er sich beim Schreiben gern eine alltägliche Figur heraus und macht an ihr bestimmte gesellschaftliche Fragen und Probleme sichtbar. Das gefällt auch der Jury, die seine rätselhafte Bildersprache, das politische Krisenbewusstsein und die Fähigkeit zur Gesellschaftsanalyse am exemplarischen Einzelfall hervorhob. Das kann ich nur unterschreiben: Rätselhaft, ja, oft fühlt man sich beim Lesen wie auf wackligem Boden, aber Lukas Bärfuss schreibt immer auf eine Art, die uns Leser direkt anspricht, uns einbezieht, die unter die Haut geht. Ich freue mich sehr für ihn.

Verleihung

Der Preis ist mit 50.000 Euro dotiert und wird am 2. November 2019 in Darmstadt verliehen.

Website: Georg-Büchner-Preis

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 9. Juli 2019, 12:10 Uhr

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