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Bremer Literaturszene

Mit kreativen Ideen durch die Corona-Krise

Alle Lesungen sind abgesagt, Buchveröffentlichungen nach hinten verschoben – schwere Zeiten für alle, die mit dem Schreiben ihr Geld verdienen. Wie trotzen Literaten und Veranstalter der Krise? Esther Willbrandt hat sich in der Bremer Literaturszene umgehört.

Ein rotes Telefon mit Wählscheibe. [Quelle: imago images / Panthermedia]
Bei Anruf Gedicht. Das bietet Angelika Sinn in ihrer Lyrikhotline an. [Quelle: imago images / Panthermedia]

Gespräch mit Esther Willbrandt:
So geht die Bremer Literaturszene mit der Corona-Krise um [5:39 Minuten]

Digitale Lesungen, um Autoren zu unterstützen

Die Organisatoren des Bremer Literaturfestivals globale° haben sich etwas überlegt, um internationale Autoren finanziell zu unterstützen. Sie lassen sich von ihnen Texte schicken, und Schauspieler des Bremer Theaters, die gerade selber auch nicht auf die Bühne dürfen, lesen diese Texte zuhause vor der Kamera ein. Wer sich vorlesen lassen und die Beteiligten mit einer Spende unterstützen will, findet den Link auf globale-literaturfestival.de.

Corona-Blog des Bremer Literaturkontors

Unter dem Titel "Schreiben in Zeiten von Corona" berichtet die Kinderbuch-Autorin Anna Lott sehr offen, wie Corona ihre gesamte Frühjahrsplanung ausgehebelt hat – 17 Lesungsabsagen und null finanzielle Entschädigung. Dazu zwei schulpflichtige Söhne, die von ihr zuhause mit Lehrstoff und bergeweise Butterbroten versorgt werden wollten. An kreatives Arbeiten war zunächst nicht zu denken. Aber nach der ersten Orientierungslosigkeit und lähmenden Erschöpfung hat sie sich aufgerappelt und angefangen, Pläne zu schmieden. Esther Willbrand liest den Blog gern:

Das liest sich spannend und anrührend, weil es so unmittelbar offenlegt, was wir Leser*innen am anderen Ende der Bücherkette ja sonst nie mitkriegen würden.

Anna Lott schreibt auf dem Blog noch bis zum 18. April, ab nächster Woche folgen dann weitere Bremer Autor*innen - unter anderem Meike Dannenberg und Jörg Isermeyer.

Lyrikhotline gegen die kulturelle Isolation

Zurück zur analogen Kommunikation – das hat sich Angelika Sinn überlegt. Sie bietet dienstagabends und donnerstagnachmittags eine telefonische Lyrikhotline gegen die kulturelle Isolation an. Wenn man dort anruft, kann man sich ein Gedicht wünschen oder sich eins aussuchen lassen, das zur aktuellen Stimmung passt, und es sich vorlesen lassen. Nicht im Sinne einer Telefonseelsorge, sagt Angelika Sinn. Gedichte sind selten eindeutig, sie geben keine konkreten Ratschläge. Sie sollen einfach zum Nachdenken und zum Gedankenaustausch anregen.

Briefe zum Thema "Nähe" schreiben

Man kann der Autorin Betty Kolodzy Briefe schreiben – zum Thema "Nähe". Zwischen 20 und 30 Zuschriften hat die Autorin schon bekommen, aus ganz Bremen und darüber hinaus: klassische Briefe, Gedichte, Bilder, und sogar ein multimediales Projekt, das mehrere Frauen gemeinsam gemacht haben. Viele Briefeschreiber beschäftigen sich damit, wie sie mit der Isolation umgehen, aber auch damit, welche positiven Dinge daraus entstehen können. In einem Text ging es auch um ein Virus der Freundlichkeit, das in Umlauf gebracht wird, weil das ständige bemühte Abstandhalten sich eben auf uns auswirkt. Aber auch das Briefe-Bekommen und -Beantworten mache etwas mit ihr, sagt Betty Kolodzy. Es hilft ihr selber gegen das Gefühl der Isolation. Bis zum 19. April kann man Betty Kolodzy noch Gedanken zum Thema Nähe schicken, denn sie beantwortet nur zwei Briefe am Tag und braucht dafür Zeit und Ruhe.

Hinweis

Noch mehr Infos zu den Projekten finden Sie auf literaturkontor-bremen.de.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 15. April 2020, 13:10 Uhr

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