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Alternatives Wohnprojekt

Blauhaus-Projekt in Bremen: "Jeder Mensch kann wohnen"

6. August 2019

Es ist fertig, die ersten Bewohner ziehen ein: das "Blauhaus" in der Bremer Überseestadt. Es ist ist ein alternatives Wohnprojekt der Initiative "Blaue Karawane", die sich für die Integration beeinträchtigter Menschen in die Gesellschaft einsetzt. Hier die wichtigsten Fakten im Überblick.

Das Blauhaus in der Bremer Überseestadt. [Quelle: Gewoba]
84 Wohnungen für insgesamt 166 Menschen sind im so genannten "Blauhaus" in der Überseesstadt entstanden [Quelle: Gewoba]

Die Vision

"Jeder Mensch kann wohnen. Keine Beeinträchtigung, keine Krankheit kann so geartet sein, dass jemand nicht wohnen könnte", so beschreibt Klaus Pramann die Ausgangslage für die Blauhaus-Idee. Pramann ist Psychiater und Vorsitzender des Vereins "Blaue Karawane". Für ihn ist mit der Fertigstellung des Hauses in der Überseestadt ein Traum in Erfüllung gegangen.

Die Bewohner

"Nachbarschaftliches Wohnen" steht beim Blauhaus im Vordergrund. Es sei keine Betreuungseinrichtung, sondern hier wohnten alte und junge Menschen zusammen, Menschen mit und ohne Beeinträchtigungen, so Pramann. Inklusion bedeute, dass die Gesellschaft in ihrer Mitte davon bereichtert wird, "dass man Dinge, bei sich selbst zulässt, die man sonst nur bei anderen wahrnimmt."

Die Geschichte

In den 70er-Jahren waren rund 300 psychisch Kranke, geistig Beeinträchtigte oder Suchtkranke in der psychiatrischen Klinik "Kloster Blankenberg" untergebracht, rund 40 Kilometer von Bremen entfernt, abgeschieden vom Rest der Bevölkerung. Nach immer mehr Kritik aus der Bevölkerung wurde 1975 eine bundesweite Psychiatrie-Reform angeregt. Die Zustände in den Großkrankenhäusern seien katastrophal und menschenunwürdig, stellte eine Kommission fest. Zehn Jahre später reagiert Bremen als erstes Bundesland und löst die Psychiatrie auf.

Eine bunte Karawane zieht über den Deich [Quelle: Blaue Karawane e.V.]
Die Blaue Karawane möchter für ein besseres Miteinander sorgen [Quelle: Blaue Karawane e.V.]

Das ist die Geburtsstunde des Vereins "Blaue Karawane". Patienten, Pfleger und Ärzte schließen sich zusammen und ziehen mit Künstlern und Musikern quer durchs Land. Ihre Forderung: Keine Zwangspsychiatrie und ein besseres Miteinander. Dazu organisieren sie Kunstaktionen, Theaterstücke oder Konzerte. Bis heute gab es drei weitere Reisen, dazu zahlreiche Kongresse, Treffen, Märkte und Workshops. Außerdem entstanden aus dem Verein Organisationen wie das Atelier Blaumeier oder das Café Blau. Mit dem Blauhaus in der Überseestadt wurde nun das neueste Projekt fertiggestellt: 84 Wohnungen für insgesamt 166 Menschen, von denen die ersten bereits eingezogen sind.

Blauhaus als alternatives Wohnprojekt – Gespräch mit Klaus Pramann, Vorsitzender "Blaue Karawane e.V." [5:23 Minuten] Die "Blaue Karawane" und ihre Geschichte [3:44 Minuten]

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 6. August 2019, 6:50 Uhr

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