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Jubiläum

Barbie wird 60

8. März 2019

Barbara Millicent Roberts, kurz "Barbie", feiert heute ihren 60. Geburtstag. Als sie am 9. März 1959 in die Spielzeugläden kam, war sie zwar nicht die erste Ankleidepuppe dieser Art – Mattel-Chefin Ruth Handler hatte im Grunde die deutsche "Bild-Lilli" kopiert; aber Barbie brachte eben alles mit, was einen langjährigen Erfolg garantierte – vor allem viele modische Kleider... Walli Müller über eine 60-Jährige, die sich verdammt gut gehalten hat.

Die erste Barbie (Mitte), entwickelt von Ruth Handler [Quelle: DPA, Fiona Hanson]
Die erste Barbie (Mitte), entwickelt von Ruth Handler [Quelle: DPA, Fiona Hanson]

Barbie wird 60 [3:35 Minuten]

Blond, schlank, groß, Wespentaille

Sie ist und bleibt eine Plastik-Schönheit, die nicht jedem gefällt. Und tatsächlich gab es Barbie zwischen 1977 und 1990 nur als Blondine. Davor und danach aber war sie auch brünett oder rothaarig. Sie kann asiatisch oder afrikanisch sein, neuerdings sogar dick oder dünn. Und für ganz doof muss man sie nicht unbedingt halten...

Sie hat Berufe ausgeübt, sie hatte ihren Hochschulabschluss, das fand ich auch schon immer sehr toll.

Bettina Dorfmann, Barbie-Sammlerin

Besitzerin von 18.000 Barbies

Wenn sich eine mit Barbies auskennt, dann Bettina Dorfmann. Sie steht sogar im Guinness-Buch der Rekorde als Barbie-Sammlerin mit den meisten Puppen weltweit: 18.000 Stück! Viele sind eingelagert im Keller, aber ein Zimmer in ihrem Düsseldorfer Haus gehört nur Barbie. In Vitrinen stehen die Sammler-Stücke nach der jeweiligen Mode-Ära geordnet.

Meine allerliebsten Puppen sind die Twist- and Turn-Barbies. Das ist so die Flower Power-Zeit, das ist so 67/68. Da kam der Mini-Rock, die Frauen sind auf die Straße gegangen, die wilden 68er. Und wenn man hier mal schaut, ... Diese Outfits, wie die auch verarbeitet sind, das ist alles gefüttert, alles reine Seide hier. Also ich find das schon faszinierend, wie das gearbeitet ist.

Eine Anziehpuppe

Barbie wurde als Anziehpuppe konzipiert. Ihre unnatürlichen Maße – Brustumfang 99, Taille 46 – wurden ihr oft vorgeworfen, weil sie Mädchen in die Magersucht treiben könnten. Sie hatte diese extremen und inzwischen längst entschärften Kurven aber hauptsächlich, damit man sie gut an- und ausziehen konnte. Denn darum geht’s ja schließlich beim Barbie-Spielen...

Die Kleider fand ich toll, der Barbie immer neue Kleider anzuziehen – und natürlich auch das ganze Zubehör, das Barbie-Puppenhaus und dann diesen Wohnwagen. Das hatte ich aber alles nicht.

Begehrtes Objekt

Generationen von Mädchen haben vergeblich rosa Barbie-Kataloge gewälzt. Man bekam sowieso nie, was man sich wünschte. Schon gar nicht in der DDR, wo die Plastik-West-Tussi zwar geduldet und bei Mädchen begehrt, aber eine Rarität war...

Aber wir hatten Westverwandtschaft, und da gab's mal eine Barbie. Aber die durfte ich gar nicht haben. Die hat Vater in ein Päckchen nach Polen geschickt.

Bettina Dorfmann hat sich ihre Träume als Erwachsene selbst erfüllt. Heute betreibt die Sammlerin eine Puppen-Klinik, schreibt Bücher und kuratiert Ausstellungen für Museen. Denn Barbie ist für sie vor allem ein Spiegel des jeweiligen Zeitgeistes.

Früher hat sie einen Plattenspieler gehabt, heute hat sie einen iPod. Also, sie nimmt die ganzen Themen auf, ob es jetzt Kleidung ist, ob es Berufstätigkeit ist. Wir haben jetzt auch das Thema Bauhaus bei uns im Museum, Panton-Chair und so weiter. Diese Stühle sind auch in Barbie-Größe gefertigt worden.

Vielseitig

Auch beruflich kann Barbie alles sein: Ärztin und Astronautin, sogar als Bundeskanzlerin gab es sie! Nur sind diese Modelle in deutschen Spielwarenabteilungen meist nicht zu bekommen. Dafür stehen die Regale voll mit den Pop-Sternchen und Prinzessinnen. Das ärgert Bettina Dorfmann auch ein wenig.

Weil das ja nicht die Puppe ist. Es ist halt die Welt! Und ich kann nicht das, was zum Beispiel schlecht ist, der Puppe anlasten. Sie war in den 70ern braungebrannt, das war ein Stück Luxus. Heute ist Barbie hellhäutig, weil heute ist die Sonne halt krebserregend. Da hat die Bikini- oder Badeanzug-Barbie ihr Sonnenöl dabei. Dann hatten wir letztes Jahr die Imkerin, die Bienen-Barbie, wir haben das große Bienensterben, diese ganzen Themen werden in der Puppe mit aufgenommen, und die meisten Leute wissen das nicht.

Zeitgemäß

Mit 60 ist Barbie heute umweltbewusst, universal-gebildet und divers. Sie mag sich zwar langsam dem Rentenalter nähern, bleibt aber up to date!

60 Jahre Barbie – 60 Jahre unrealistische Schönheitsideale

In der Bremen Zwei-"Gesprächszeit" spricht Sophie Passmann unter anderem über die Barbie, die am 9. März 2019 ihren 60. Produktionsgeburtstag feiert, und Geschlechterklischees, die schon im Kinderzimmer etabliert werden.

Barbie ist natürlich der Traum eines unrealistischen Schönheitsideals. Sie ist dünn, groß, blond, weiß – also das ist sehr ungesund, glaube ich.

Passmann betont aber, dass nicht nur Frauen von Schönheitsidealen erdrückt werden. Auch ein "Ken" sei meist weiß, sehr groß und habe unglaubliche Bauchmuskeln, also den quasi perfekten Körper. Auch für Jungs wünscht sie sich ein Aufwachsen jenseits von Geschlechterklischees.

Ich finde den Gedanken sehr schön, dass Kinder mit der Gewissheit aufwachsen, dass es erst mal nicht so eine große Rolle spielt, ob sie ein Junge oder ein Mädchen sind oder irgendetwas anderes.

"Es ist der Job von Feministinnen, zu nerven" – Sophie Passmann [38:32 Minuten]

Sophie Passmann

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 09. März 2019, 07:40 Uhr

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