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Wichtige Krabbelgruppe: Ameisen

9. September 2019

Die Insekten sterben; durch unsere Lebensweise gehen die Bestände weltweit massiv zurück. Eine schockierende Tatsache, die dazu führt, dass Menschen Insekten nicht mehr nur als lästige Krabbeltiere sehen, die stechen, nerven und einem in die Augen fliegen, sondern als wichtige Tiere in einem sehr empfindlichen Ökosystem. Reporterin Kerstin Burlage nimmt uns mit auf Entdeckungsreise in das faszinierende Leben der Ameisen.

Insekten sind wichtige Tiere in unserem empfindlichen Ökosystem. In dieser Folge geht es auf Entdeckungsreise in das faszinierende Leben der Ameisen.

Autor/-in: Kerstin Burlage
Länge: 4:06 Minuten
Datum: Sonntag, 8. September 2019
Sendereihe: Bremen Zwei | Bremen Zwei

Im Naturschutzgebiet Eispohl im Bremer Norden

Gemeinsam mit dem Biologen Uwe Handke geht es auf Spurensuche nach Ameisen. Davon gibt es mehr Arten, als man denkt, wie der Biologe erkärt:

Wir haben in Bremen ungefähr so 45 Ameisenarten – in Niedersachsen ungefähr 80.

Uwe Handke

So viele! Wo stecken die denn alle? – Uwe Handke erklärt, dass es ganz winzige Arten gibt, wie die rund zwei Millimeter große Schmalbrustameise. Ein Volk dieser Art kann zum Beispiel in einer Eichel leben. Die meisten Ameisen bewohnen aber unterirdische Nester. Wir entdecken einen toten, flechtenbewachsenen Stamm. Er dient einer großen Waldameisenart als zweispurige Straße.

Hier ist bestimmt in der Nähe jetzt ein Nest, aber die Ameisen markieren sich eine Spur vom Nest zu den Nahrungsquellen, meist mit den Drüsen, die im Hinterleib sind, und dann folgen die anderen Ameisen dieser Spur.

Uwe Handke

Wenn sich zwei von ihnen unterwegs treffen, halten sie kurz an, wobei sie sich gegenseitig mit den Fühlern betasten oder auch am Geruch erkennen, ob es ein Genosse aus dem gleichen Nest ist.

Staaten

Genau wie die Bienen bilden Ameisen Staaten – mit Königinnen, Männchen und Arbeiterinnen. Zu einem Staat können eine Million Tiere gehören. Damit das Zusammenleben funktioniert, müssen sie gut miteinander kommunizieren und eine soziale Ader haben. Mehr noch: Bei Ameisen spricht man von einem "sozialen Magen".

Wenn sie Futter sammeln, wird das an viele Artgenossen weiter gegeben. Da findet ein ganz intensiver Nahrungsaustausch statt.

Uwe Handke

Wehrhaft

Fremde Ameisen werden dagegen mit Mundwerkzeugen angegriffen oder mit Stacheln, die manche Arten am Hinterleib haben. Die schnellen Krabbler verwirren ihre Gegner auch gern mit Lockstoffen und attackieren sie dann mit Ameisensäure. Die Waldameisen in Eispohl laufen aber ganz friedlich durch die grünlich-roten Flechten.

Eigenarten

Uwe Handke findet unter einem toten Ast auf dem Boden ein Nest der gelben Wiesenameise. Die kleinen, honiggelben Ameisen krabbeln wild durcheinander, weil wir ihrem Nest das Dach geklaut haben. Die gelbe Wiesenameise hat eine ganz besondere Eigenart, erklärt mir der Experte: Sie baut ihre Nester vorzugsweise über Wurzellaus-Nestern – denn diese Läuse produzieren Honigtau, eine Zuckerlösung, die für die Ameisen eine wichtige Rolle bei der Ernährung spielt.

Symbiosen

Im Gegenzug für dieses Futter schützt die Ameise die Läuse vor Feinden. Ähnliche Symbiosen gehen manche Ameisenarten auch mit Käfern ein. Andere halten sich eine kleinere Ameisenart wie Arbeitssklaven. Wieder andere züchten Pilze. Ameisen sind äußerst erfinderische Insekten und leben schon seit geschätzten 13 Millionen Jahren auf der Erde. Für deren Ökosystem sind sie unersetzlich: Weil sie unentwegt Holz säbeln und Blätter zerkleinern, sorgen sie für ein gesundes Erdreich. Sie halten Baumschädlinge im Zaum und dienen Vögeln als Futter.

Dann gibt’s auch bestimmte Pflanzenarten, die auf die Samenverbreitung durch Ameisen angewiesen sind, zum Beispiel Veilchen.

Uwe Handke

Schutz-Maßnahmen

Unsere Landschaften sähen also ohne Ameisen ganz anders aus. Aber diese Insekten finden oft nicht mehr, was sie zum Leben brauchen: Flächen sind versiegelt oder wegen Überdüngung zugewuchert. Totholz liegt immer seltener auf dem Boden und Ackergifte wie Glyphosat sind tödlich für sie. Daran müssen wir Menschen etwas ändern – und können damit im eigenen Garten anfangen, sagt der Experte. Zum Beispiel mit Sand und Totholz:

Einfach mal ein bisschen Wildnis im Garten lassen – das wird dann von den Insekten schon angenommen.

Uwe Handke

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 08. September 2019, 9:40 Uhr

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