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Auf ein Wort

Neues erleben und Abschied nehmen

Von Dieter Wekenborg

28. Juli 2019

Was nehme ich mit? Was lasse ich zurück? Bei den Urlaubsvorbereitungen, jetzt in der Ferienzeit, ist das für manch einen eine ständige Frage, bevor es dann endlich losgeht. Schwierig und anstrengend ist das bisweilen. Aber anscheinend gehört das zu unserem Leben: Neues erleben und loslassen. In vielen Lebensbereichen wird das zur Herausforderung. Beim Umzug in eine neue Wohnung: Was nehme ich mit? Was lasse ich zurück? Im Berufsleben: Suche ich mir eine neue Arbeitsstelle, um mich weiterzuentwickeln oder bleibe ich da wo ich bin? In der Familie: Woran halte ich fest in der Kindererziehung und was lasse ich los? In der Partnerschaft: Wie weit lasse ich mich auf Kompromisse ein und wann bleibe ich mir selbst treu? Es ist so. Immer haben diese Entscheidungen etwas zu tun mit Veränderungen und Neuerungen. Das bringt gewohnte Sicherheiten durcheinander. Das ist unbequem. Das Festhalten-Wollen am Vertrautem, die Angst vor dem Neuen und Unbekannten ist menschlich.

Natürlich – Veränderungen haben auch ihren Preis. Sie fordern von uns, dass wir Abschied nehmen müssen. Abschiede aber sind Zumutungen. Abschiede muten uns zu uns von Dingen, Situationen und Menschen zu trennen, die uns wichtig waren und die wir nicht gerne missen möchten. Nun gab es nie menschliches Leben ohne Abschiede: sie gehören zu unserem Alltag. Sie gehören zu unserer Existenz und zu unserem menschlichen Leben. Sie sind Zeichen unserer Endlichkeit.

Tatsache ist: Erneuerung und Abschied nehmen, sind eng miteinander verknüpft. Und wer nicht bereit ist, Neues zu wagen, zahlt auch seinen Preis. Wer sich nicht trennen kann, ist in Gefahr vom Leben getrennt zu werden. Wer nicht Abschied nehmen kann, für den wird die Gegenwart schleichend zum Gefängnis der Vergangenheit. Festhängend im Alten verpassen Menschen das wirkliche Leben. Oder anders gesagt. Wer nicht bereit ist, sich zu verändern und Abschied zu nehmen, der versucht mit Landkarten von gestern den Weg für heute zu finden. Das geht nie gut.

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