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Auf ein Wort

Projekt Samariter

Von Dieter Wekenborg

21. Juli 2019

Stellen Sie sich vor, Sie gehen hier in Bremen durch die Fußgängerzone, da bricht einige Meter vor Ihnen entfernt ein junger Mann zusammen, er fällt einfach mit seinem Rucksack aufs Pflaster und bleibt da liegen. Würden Sie hingehen und helfen? Natürlich würden die meisten von uns helfen. Natürlich würden die meisten sagen: "Das ist mir nicht egal. Ich lass' doch niemand einfach liegen, der Hilfe braucht".

Aber die Statistik sagt etwas anderes. Es gibt wissenschaftliche Untersuchungen, die erforscht haben, warum Menschen einmal helfen und einmal nicht, warum Menschen wegschauen und weitergehen. Dabei ist Erstaunliches herausgekommen. Es ist nicht selbstverständlich, dass Menschen in Not Geratenen helfen. Nur jeder Dritte hilft. Das ist bewiesen. Eine dieser Studien hieß "Projekt Samariter".

Jesus erzählt in der Bibel die Geschichte vom barmherzigen Samariter. Es ist wohl weltweit die berühmteste Geschichte einer Hilfeleistung. Sie erzählt von einem Priester, der vom Tempeldienst heimwärts nach Jericho geht. Er sieht die Not eines Menschen, der von Räubern überfallen wurde und am Straßenrand liegt. Aber er schaut weg: Sein Feierabend ist ihm wichtiger als die Solidarität mit dem, der Hilfe braucht. Und auch ein Tempelangestellter, der ihm folgt, sieht genauso weg wie der Priester vor ihm. Erst der Dritte, ein Fremder, ein Samariter, von dem es keiner erwartet hätte, hilft. Er verbindet die Wunden des Überfallenen und bringt ihn in Sicherheit. Der Samariter allein lebt mitmenschliche Solidarität.

Die Geschichte aus der Bibel ist ein Lehrstück in Sachen "Wie Gott die Dinge sieht". Sie verdeutlicht Gottes Traum von einer Welt, in der Menschen nicht nur auf sich achten, sondern in Solidarität zusammenstehen. Das gilt für ganz akute Notsituationen. Das gilt aber auch als generelle Haltung. Eben nicht ein: Ich zuerst. Meine Interessen haben Vorrang. Mein Land zuerst. Ob die anderen klarkommen, ist mir egal.

Jesus sagt uns: Gott wünscht sich, dass wir erkennen, dass wir nicht bei uns selbst stehen bleiben dürfen; er wünscht sich, dass wir uns als große zusammengehörende und solidarische Menschheitsfamilie begreifen lernen – nicht um seinetwillen, sondern um unseretwillen.

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