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Auf ein Wort

Dirk Nowitzki

Von Winfried Herzog

30. Juni 2019

Dirk Nowitzki gehört wohl zu den größten Basketballern aller Zeiten. Er war 21 Jahre lang in der nordamerikanischen Profiliga NBA für die Dallas Mavericks aktiv und feierte mit ihnen zusammen große Erfolge. Ganze Hallen lagen ihm  zu Füßen. Vor kurzem hat er seine Karriere beendet und ist mit großen Emotionen von der Bühne seines Sports verabschiedet worden.

Kurz danach hat er ein Interview gegeben, in dem er z.B. über die Kunst des Loslassens sprach, die Tränen seiner Kinder, wenn er zum x-ten Mal nicht zu Hause war und wie es ist, nach 10 Jahren Abstinenz das erste Glas Wein zu trinken. Ein nachdenklicher Mensch auch außerhalb des Spielfelds. Einer, der menschlich rüberkommt, der nie fehlerfrei sein wollte und dafür eintritt, respektvoll mit Menschen umzugehen.

Gegen Ende des Interviews sagte er: "Ich finde das nicht schön, wie in Deutschland mit Sportidolen umgegangen wird." Da gibt es so eine "merkwürdige Sehnsucht nach dem Scheitern zuvor hochgejubelter Menschen". "Erst feiern die Menschen uns Sportler dafür, dass wir etwas besser können als sie." Aber "Was ist das schon? Wir werfen einen Ball in einen Korb oder radeln einen Berg hoch. Und sobald die Leute etwas finden, was Grund zur Schadenfreude gibt, stürzen sie sich drauf. Als wollten sie sagen: Ha! Der ist nicht besser als ich." Aber "Habe ich das jemals behauptet?" All das "ist mir nicht geheuer."

Ich finde Dirk Nowitzki hat recht. Das kann einem wirklich nicht geheuer sein, wie Menschen zuerst hochgejubelt und fast schon angebetet und dann später wieder fallen gelassen werden wie eine heiße Kartoffel. So, dass manchmal aus purer Schadenfreude von der Kartoffel nicht mehr viel übrig bleibt. Beides ist würde– und respektlos. Das Hochjubeln und das Niedertreten. Ob die Betreffenden nun Boris Becker, Jan Ullrich oder Dirk Nowitzki heißen. Oder aus ganz anderen Bereichen des öffentlichen Lebens kommen.  

Dirk Nowitzki  hat es am Ende so gesagt: "Sie werden einiges an mir finden, was ich längst nicht so gut kann, wie viele andere. Ich bin ein Mensch." Und "vielleicht wird die größte Herausforderung für mich sein, Fehler machen zu dürfen und nicht gleich dafür verurteilt zu werden."

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