Livestream

Bremen Eins Serien Auf ein Wort

Auf ein Wort

Greta

Von Winfried Herzog

23. Juni 2019

Greta Thunberg ist auf allen Kanälen zu finden und wird derzeit wie ein Popstar gefeiert. Die junge Klimaaktivistin aus Schweden gehört laut Time-Magazin zu den 100 einflussreichsten Persönlichkeiten des Jahres 2019. Für die einen ist sie eine Heldin im Kampf gegen den Klimawandel und für die anderen eine einfache Schulschwänzerin. Es fing alles ganz harmlos an. Greta malte ein Plakat, auf dem "Schulstreik für das Klima" stand. Sie setzte sich vor das schwedische Parlament. Ganz allein, Freitag für Freitag. Weit und breit niemand, der sich dafür interessierte. Doch sie hielt durch und war immer da, bis sich die ersten zu ihr gesellten. Dann folgten ihr immer mehr. Gretas Zeugnis hatte überzeugt. "Fridays for Future" war in der Welt.

Sie hatte damit offensichtlich einen Nerv getroffen. Denn die Fakten zu dem gravierenden Klimawandel lagen seit Jahrzehnten auf dem Tisch. Alle Welt konnte es wissen. Doch konkret umgesetzt wurde relativ wenig. Viel zu wenig angesichts der globalen Herausforderungen. Es blieb bei Absichtserklärungen und wohlmeinenden Kompromissen. Und in diese Handlungslücke ist Greta mit ihren jungen Mitstreiterinnen und Mitstreitern gesprungen.

Für mich war interessant zu lesen, dass Greta am sogenannten Asperger-Syndrom leidet, einer Form des Autismus, der bei ihr mit einer Sonderbegabung einhergeht. Schon ganz früh konnte sie alle Elemente des Periodensystems und sämtliche Hauptstädte der Welt lückenlos aufzählen. Greta kann also nichts vergessen. Seit sie in der Schule einen Film über den Plastikmüll in den Weltmeeren gesehen hat, steht ihr dieser gigantische Müllberg ständig vor Augen. Auch beim Anblick eines Hamburgers in der Schulmensa gelingt es ihr nicht auszublenden, was da an Lebewesen zwischen den Brötchenhälften eingeklemmt ist. Alles, was Greta weiß, rückt ihr förmlich auf die Pelle. Und dann fängt sie einfach an und tritt damit eine weltweite Lawine los.

Sie macht ernst mit dem, was sie weiß. Und gleichzeitig hält sie uns einen Spiegel vor. Denn wir verdrängen lieber, weil es bequemer ist. Wer kennt das nicht. Aber bei Greta funktioniert das nicht. Und das macht sie zu diesem furchtlosen und entschlossenen Mädchen, dem es um das Ganze geht. Höchste Zeit, das Heft des Handelns wieder in die Hand zu nehmen und so Verantwortung zu übernehmen für das, was wir alle wissen.

Auf ein Wort
Mehr zur Beitragsreihe "Auf ein Wort"