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Auf ein Wort

Gas, Wasser, Schießen

Von Pastorin Ulrike Oetken

16. Juni 2019

Gas, Wasser, Schießen. Mach, was wirklich zählt. Die Bundeswehr wirbt mit diesem Slogan um junge Leute für ihren Nachwuchs. Mit einem Plakat an der Straßenbahnhaltestelle. Handwerker werden gesucht. Oder Handwerkerinnen. Die Bundeswehr ist offen für alle Geschlechter. Sie verspricht eine gute Ausbildung und einen sicheren Arbeitsplatz. Vor allem aber verspricht sie jungen Leuten, dass sie das machen können, was wirklich zählt. "Wasser, Gas, Schießen. Mach, was wirklich zählt".

Ernsthaft? Schießen? Ich habe mich umgehört unter Jugendlichen, die ich kenne und per WhatsApp eine kleine Umfrage gemacht: Was zählt für euch? Eine lange Liste von Antworten habe ich bekommen: "Frieden, Liebe, Glücklich sein, gute Beziehungen, auch zu sich selbst, dass man mit seinem Leben so zufrieden wie möglich ist mit seinem Denken und Handeln, dass man keinen Grund zur Traurigkeit hat, Gesundheit, Freundschaft, Träume, Reisen, auch schlechte Erfahrungen machen, carpe diem, Musik, Sport und Bewegung, Humor, Vertrauen, Gleichberechtigung, Umweltschutz, Freiheit, selbstbestimmt sein. Das eigene Leben sinnvoll finden. Gott."

Vermutlich würde die Bundeswehr sagen: das wollen wir auch alles. Und der Weg dahin ist eben kein Zuckerschlecken. Aber unter meinen Jugendlichen gab es dazu nur Kopfschütteln. Vor allem das Schießen stößt ab. Kein Wunder!

Allein in der letzten Woche sind in den USA und Australien bei zwei Amokläufen mindestens 17 unschuldige Menschen erschossen worden, viele schwer Verletzte liegen in Krankenhäusern. Niemandem käme doch ernsthaft in den Sinn, dass Schießen zu den Dingen gehört, die wirklich zählen. Und ich meine, das sollte in der Öffentlichkeit auch nicht auf einem Plakat stehen. Schießen zählt nicht. Es ist das Allerletzte.

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