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Auf ein Wort

Europawahl

Von Dr. Andreas Gautier

26. Mai 2019

Seit Donnerstag wird in Europa gewählt und heute sind auch bei uns die Wahllokale geöffnet. Auch die Vorsitzenden der Katholischen und der Evangelischen Kirche in Deutschland haben dazu aufgerufen, dass wir heute zur Wahl gehen. Kardinal Reinhard Marx und Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm bezeichnen die Europäische Union in ihrer gemeinsamen Erklärung als Friedensprojekt. Zu Recht weisen sie darauf hin, dass wir seit über 70 Jahren in den Ländern der Union in Frieden leben.

Konflikte werden nun in Plenarsälen und an Verhandlungstischen ausgetragen und nicht mehr mit Waffengewalt. Ich kenne niemanden, der das ernsthaft anders will. Denn die Alternative zu zähen und mühsamen Verhandlungen heiße vielleicht in einem ersten Schritt schnelle und einfache Lösungen. Langfristig bin ich aber davon überzeugt, dass es dazu führt, Konflikte wieder mit Waffengewalt zu lösen.

Deshalb fordern Marx und Bedford-Stohm "die Europäische Union weiterzuentwickeln, um Frieden, soziale Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung zu stärken." Denn dadurch kann "den Menschen zur Freiheit und zu einem guten Leben zu verholfen werden." Sie finden deutliche Worte, wenn sie sagen, "dass ein Weg, der mit hetzerischen Parolen gepflastert oder mit Mauern des Nationalismus abgeschottet ist, in die falsche Richtung führt." Sie treten "jeder Form von Extremismus und übersteigertem Nationalgefühl" entgegen, denn sie sind der Überzeugung, dass wir ein Europa des Friedens nur behalten können, wenn wir genau das nicht machen.

Aber wie sollen wir dann den Herausforderungen unserer Zeit begegnen? Nur, wenn wir in Europa zusammen halten; wenn wir über Differenzen sprechen und uns auf Kompromisse einlassen. Niemand von uns hat die Wahrheit gepachtet. In jedem Argument steckt eine Ansicht, die es zu hören gilt. Hinter jeder Haltung steckt ein Mensch mit seinen Gefühlen, Ängsten und Hoffnungen. Gehe ich mit den christlichen Werten, Überzeugungen und Haltungen auf andere Menschen zu – erleben sie in mir jemanden, an dem man die europäischen Werte sehen kann: Achtung der Menschenwürde, der Menschenrechte, der Freiheit und Gleichheit. An diesen Werten mache ich meine Wahl für heute fest.

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