Livestream

Bremen Eins Serien Auf ein Wort

Auf ein Wort

Wer wälzt uns den Stein von der Seele?

Von Pastorin Jeannette Querfurth

12. April 2020

Wer wälzt mir diesen Stein von der Seele?
Heftige Zeiten sind das. Du hast Angst um Deine Lieben und weißt nicht, ob und wann es Dich selbst erwischt. Und wie sehr es Dich erwischt. Wirst Du durchkommen? Das Alleinsein drückt auch mehr als sonst. Du darfst Deine alten Eltern nicht besuchen oder Deine Enkelkinder sehen. Ausgerechnet an Ostern. Kein Eiersuchen und Osterfrühstück. Kein Spaziergang im Bürgerpark. Keine Leichtigkeit.

Wer wälzt mir diesen Stein von der Seele?
Wie lange wird diese Ungewissheit noch bleiben, die über uns wie ein Damoklesschwert hängt? Dieses Ostern ist anders.

"Wer wälzt uns den Stein von des Grabes Tür?"
Drei Frauen grübeln an diesem Ostermorgen vor 2000 Jahren. Sie wissen nicht, wie sie einen großen Fels von der Seele kriegen sollen. Den Fels vor der Grabhöhle Jesu. Er ist so schwer. Sie wollen aber in die Höhle, um den Leichnam mit feinem Öl zu salben. So ist es jüdische Sitte. So erweist man Verstorbenen die letzte Ehre. Das ist alles, was sie jetzt noch tun können. Mit Jesus ist alle Hoffnung in ihrem Leben gestorben.

Wer wälzt uns den Stein von des Grabes Tür?
Als die drei Frauen am Grab ankommen, hat sich diese Frage erledigt. Der riesige Fels, der die Höhle verschlossen hat, ist weg. Stattdessen sitzt dort fast lässig ein Engel in einem weißen Gewand. Schlicht sagt er: "Erschreckt nicht! Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden; er ist nicht hier."

Faszinierend: Nichts ist anders und doch alles ist neu. Jesu Sterben am Kreuz bleibt Realität. Er wird nicht wieder zurückkommen. Nicht mit ihnen durch das Land ziehen. Aber sein Tod ist überwunden. Sein Geist wird ihnen Mut machen. Bis heute. Mit diesem Geist werden auch die  Steine auf unserer Seele leichter zu tragen sein.

Frohe Ostern!

Auf ein Wort
Mehr zur Beitragsreihe "Auf ein Wort"