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Auf ein Wort

Freut euch!

Von Sabine Gautier

15. Dezember 2019

Über was habe ich mich das letzte Mal so richtig gefreut?
Über was ich mich das letzte Mal so richtig gefreut habe?

Darüber muss ich nachdenken. Darüber, dass die Sonne scheint vielleicht oder darüber, dass mein Vater die OP gut überstanden hat, darüber dass die Augen meiner Kinder leuchten, wenn wir über den Weihnachtsmarkt gehen. Ja. Darüber habe ich mich gefreut. Das sind jetzt zwar keine riesigen freudigen Ereignisse wie die Geburt eines Kindes oder dem großen Lottogewinn. Sicher nicht. Eher Alltägliches. Die kleinen Freuden des Alltags und trotzdem besonders. Daher passt es ganz gut, wenn der 3. Adventssonntag auch als Gaudete-Sonntag bezeichnet wird. Gaudete heißt nämlich genau das: Freut euch!

Und was da gemeint ist, steht in einem Brief, den der Apostel Paulus ungefähr 60 nach Christus an die Gemeinde in Philippi, im heutigen Griechenland geschrieben hat. Er schreibt an sie: "Freut euch im Herrn zu jeder Zeit! Noch einmal sage ich: Freut euch! Eure Güte werde allen Menschen bekannt. Der Herr ist nahe." (Philipper 4,4-5)

Dieser Brief lässt mich kurz stutzen. Ich stutze deshalb, weil Paulus beim Schreiben dieser Zeilen in Gefangenschaft saß und sich nicht sicher war, ob er für seine Überzeugung, Christus nachzufolgen, umgebracht wird. Freut euch! Freut euch zu jeder Zeit! Der Herr ist nahe. Paulus muss sehr überzeugt gewesen sein, von dem was er schreibt. Seine Zeilen sind existenziell. Für sich. Für sein Leben und Überleben und für seine Hoffnung.

Es entsteht eine Reibung. Denn wenn ich heute diese Sätze höre, dann denke ich daran: Es ist nicht mehr weit bis Weihnachten. Wir haben schon den 3. Advent. Wir können uns freuen, dass Christus als Sohn Gottes auf diese Welt kommt. Als kleines Kind in einem Stall. Das wird mit vielen lieb gewordenen Traditionen zelebriert: Weihnachtsbaum und Adventsfeiern, Glühwein und Weihnachtsessen, Geschenken, leuchtenden Sternen und Christstollen. Es ist aber nicht harmlos. Nicht Friede, Freude, Eierkuchen und ein bisschen Lametta.

Es geht dabei um Existentielles. Und den tiefen Wunsch danach, dass am Ende doch alles gut ist. Also: Freut euch!

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