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Der Herbst ist da

Von Andreas Gautier

10. November 2019

Es lässt sich nicht mehr leugnen. Der Herbst ist da. Vor meinem Bürofenster steht eine große Eiche. Diese hat in den letzten Wochen von grün auf gelb-rot gewechselt. Ich habe inzwischen die dickere Jacke wieder an der Garderobe hängen und die Meisenknödel hängen auch schon wieder in der Hecke. Für mich hat der Herbst viele schöne Seiten.

Ich muss aber immer wieder feststellen, dass das nicht bei allen Menschen so ist. Häufig begegnet mir ein Phänomen, das man als November-Blues bezeichnen könnte. Damit verbunden ist die Einstellung, dass ja immer schlechtes Wetter sei. Eigentlich immer Regen. Die Stimmung ist auch immer schlecht, weil die Sonne nicht scheint. Und wenn man ein gewisses Alter erreicht hat, stellt sich das Gefühl ein, dass im November viel mehr Menschen sterben als in den anderen Monaten. Ein Blick auf den Wetterbericht zeigt dann, dass wir nicht mehr 25 Grad und Sonne haben. Dass es aber immer schlechtes Wetter sei, lässt sich nicht ablesen. Und auch die Beerdigungen nehmen meist nicht zu. Ich habe auch von noch keinem Bestatter gehört, der für den November so etwas wie Saisonarbeiter benötigt hätte.

Aber woher kommt diese Stimmung? Ich glaube, es hat durchaus etwas mit der meteorologischen Veränderung vom Sommer zum Winter zu tun. Draußen wird es kälter, die Tage werden kürzer und damit scheint automatisch weniger die Sonne. Es regnet wieder mehr als im Sommer, die Blätter fallen von den Bäumen und die Vögel ziehen gen Süden. Man könnte sagen, dass die Natur jeden Herbst einen kleinen Tod stirbt. Ich glaube, dass wir diese Beobachtung wahrnehmen und aufnehmen. Und so kommt es wohl vor, dass viele Menschen im Herbst das Gefühl haben, selbst einen kleinen Tod zu sterben. Darin zeigt sich einmal mehr, dass wir in und mit der Natur leben. Wir haben in dieser Zeit einfach einen Sensus dafür, dass auch unser Leben nicht nur aus Sonnenschein besteht.

Die kleinen Tode in meinem Leben können da sehr unterschiedlich sein. Für den einen ist es schon das geliebte Auto, das nicht mehr durch den TÜV kommt. Das Hobby, das bei schlechtem Wetter nicht mehr ausgeübt werden kann. Oder man kann Freunde nicht mehr besuchen, weil es zu früh dunkel ist und man in der Dunkelheit nicht mehr rausgehen mag.

Da müssen wir einfach durch. Wir müssen durch diese Zeit, damit am Ende die Tage wieder länger werden können. Bei den Christen heißt es voll Zuversicht: Auf den Tod folgt das Leben. Vielleicht hilft diese Zuversicht auch über den trüben November hinweg.

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