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Auf ein Wort

Es gibt ein zu spät

Von Sabine Kurth

1. September 2019

G7 – ich höre schon nicht mehr hin. Ich habe keine Erwartungen mehr.
So war es auch am letzten Wochenende. Es wurde als Erfolg gefeiert, dass man sich nicht zerstritten hat. Dass eine gemeinsame Erklärung gelungen ist. Eine Seite! Der eine scherzt mit dem anderen, während die Nächsten Handelsabkommen vereinbaren. Man hat sich doch eigentlich ganz lieb.

Hallo – was ist das für ein Ergebnis? Die Welt taumelt von einer Naturkatastrophe zur anderen und darüber wird kein Wort verloren? Jedenfalls nicht offiziell. Warum auch. In Biarritz scheint die Sonne so schön, die Räumlichkeiten sind klimatisiert und es gibt reichlich zu essen und zu trinken. Geschäfte, Handelsabkommen – das war wichtig. Es gibt ja im nächsten Jahr wieder einen Gipfel, da ist dann auch noch Zeit.
Nein, ist es nicht. Der Regenwald brennt. Die Ernten verdorren. Das Wasser ist zugemüllt. Riesige Algenteppiche bedrohen die Küsten.

G7 – zynisch eigentlich das mit der sieben. Gott hat die Welt in sieben Tagen erschaffen, so heißt es am Anfang der Bibel. Eine magische Zahl war die Sieben im Altertum. Damals stand sie für die Schaffung allen Lebens. Für perfekte Lebensräume. Für eine Welt, die im Gleichgewicht ist. Und es war gut – so heißt es.

Und jetzt ist gar nichts mehr gut. Dafür haben wir Menschen ein wenig mehr als sieben Tage gebraucht. Aber wir haben den Karren gründlich in den Dreck gefahren. Wieviel Zeit uns die Natur zum Umsteuern lässt, ist in meinen Augen nicht wirklich absehbar. Vielleicht sieben Jahre, sieben Monate, sieben Tage? Ich finde aber, es ist absehbar, dass es ein zu spät geben wird. Auch das steht in der Bibel, in ihrem letzten Kapitel: Dann sah ich einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, auch das Meer ist nicht mehr. Die Welt, wie ich sie kenne, wird es nicht mehr geben. Denn es war dann zu spät.

Doch weil keiner weiß, ob wir noch Zeit haben, finde ich es umso wichtiger, dass endlich etwas getan wird. Und das gilt nicht nur für die großen Staatenlenker, das gilt auch für mich.

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