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Auf ein Wort

Schöpfung

Von Andreas Gautier

18. November 2018

Inzwischen haben wir Mitte November. Morgens wird es später hell und abends früher dunkel. Eigentlich ganz schön so. Ich sitze in der Nähe des Marktplatzes warm angezogen, draußen, und trinke einen Milchkaffee mit Lebkuchengeschmack und einer ordentlichen Portion Sahne. So langsam hüllt sich die Stadt in Weihnachtsstimmung. Lichterketten in den Bäumen hier, Weihnachtsdeko in Schaufenstern dort und die Straßenmusiker haben ihr Repertoire auch verändert. Im Dunkeln fügt sich das zu einer stimmungsvollen Atmosphäre zusammen.

Mir fällt aus der Studienzeit die Vorlesung zur Schöpfungsgeschichte wieder ein. Unser Professor zeigte an den Texten, dass die bekannte Sieben-Tage-Geschichte nicht wortwörtlich zu verstehen ist. Vielmehr soll sie zeigen, dass Gott unsere Welt in einer bestimmten Ordnung geschaffen hat und diese Ordnung ist gut, so wie sie ist. Und wir tun uns etwas Gutes, wenn wir uns an dieser Ordnung ausrichten. Der Professor setzte das auch konsequent in seinem Leben um. Bei acht Stunden Schlaf muss es ganz klar heißen: vier Stunden vor Mitternacht und vier danach. Mit der Sonne aufstehen und mit der Sonne ins Bett gehen.

In meinen Alltag würde solch ein Schlafrhythmus nicht passen. Aber es lässt mich stutzen. Wie viel Zeit nehme ich mir, um die Welt um mich herum wahrzunehmen? Wie oft gönne ich mir solche Momente wie jetzt, um die Schönheit der Schöpfung genießen zu können? Viel zu oft bin ich in der letzten Zeit nur von Termin zu Termin unterwegs gewesen. Ich habe gar nicht richtig mitbekommen, dass die Blätter braun geworden sind.

Jeder Schöpfungstag endet damit, dass Gott die neuen Dinge ansieht, die er geschaffen hat. Und er sah, dass es gut war. Sich an der Schöpfung auszurichten, kann dann auch heißen, es ebenso zu machen. Sich Zeit nehmen und auf das schauen, was man geschafft hat. Sich Zeit nehmen, um die Schöpfung um sich herum zu sehen. Zeit, um zu sehen, dass die alles, was um einen herum ist, gut ist.

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