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Auf ein Wort

Alt und Jung in der Straßenbahn

Von Ulrike Oetken

24. März 2019

Seniorenkreis trifft Konfirmandengruppe. 14–Jährige und 80- bis 90-Jährige kommen zusammen. Vorher haben die Jugendlichen sich gefragt: Was ist wohl schön am Altsein, was ist schwer? Und die Senioren haben überlegt: Was ist schön am Jungsein und was ist schwer daran?

Beiden Seiten ist viel eingefallen: "Wer jung ist, hat noch alles vor sich". "Wer alt ist, hat viel Freizeit". "Wer jung ist, ist in vielem noch unsicher". "Wer alt ist, hat viel Lebenserfahrung, aber die Knochen tun weh". Beide Gruppen können sich gut in die andere hineindenken.

Aber es gibt auch Vorurteile: "Junge Leute heute schauen immer nur auf ihr Handy". "Alte Leute wollen immer recht haben". Am liebsten erzählen die Senioren und auch die Jugendlichen Geschichten aus der Straßenbahn. "Junge Leute sind rücksichtslos und stehen in der Straßenbahn nicht für mich auf". "Alte Leute rammen mir in der Straßenbahn den Rollator in die Kniekehlen". Aber auch: "Immer wieder habe ich es erlebt, dass ein junger Mann oder eine junge Frau  mir einen Sitzplatz angeboten hat". Oder: "Ich stehe jedes Mal auf. Meistens freuen sich die Leute voll. Letztes Mal hat sich der alte Mann aber gar nicht bedankt".

In der Straßenbahn begegnen sich Alt und Jung. Hier gibt es gute und enttäuschende Erlebnisse. Ich habe manchmal den Eindruck: Hier entscheidet sich, was die Generationen übereinander denken. Hier sitzt man eng nebeneinander. Hier hat man Zeit und Gelegenheit, sich gegenseitig zu beobachten. Als nun die Konfirmanden und die Senioren zusammen am Tisch sitzen, werden Straßenbahngeschichten erzählt.

Aber auch viele andere. Am Ende sind die Kuchenteller leer und die Wangen rosig. "Die sind aber nett". Sowohl die Jugendlichen als auch die Senioren haben das übereinander gesagt. Vielleicht klappt es das nächste Mal in der Straßenbahn ja noch besser mit dem Aufstehen und auch mit dem "Dankeschön!".

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