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Auf ein Wort

Vom Scheitern und vom Siegen

Von Jeannette Querfurth

15. Juli 2018

"Die Kunst ist, einmal mehr aufzustehen, als man umgeworfen wird."

Dieser Satz, der so gut zum Fußball passt, wird dem britischen Premierminister Winston Churchill zugeschrieben. Im Augenblick können wohl gerade die Briten diesen Satz wirklich gut gebrauchen. Auf der Insel ist der Frust über das verlorene Halbfinale groß.

Aber sie sind ja nicht die Einzigen, die im Moment Frust schieben. Viele Mannschaften sind bitter enttäuscht von der WM nach Hause gefahren, weil sie sich viel mehr erhofft haben: Die Portugiesen, Argentinier oder Brasilianer mit ihren Superstars Ronaldo, Messi, Neymar – alle kläglich gescheitert. Und nicht zuletzt die deutsche Nationalmannschaft. Gerade bei ihnen war die Fallhöhe besonders groß. Vor vier Jahren noch umjubelte Weltmeister und nun diese Schmach.

"Wer gewinnen will, muss auch verlieren können", sagt lapidar der kluge Philosoph Hans-Jürgen Stöhr. Und damit andere das gelassene Verlieren lernen, hat er eine Agentur für gescheites Scheitern gegründet. Stöhr sagt, dass es in unserer Gesellschaft immer viel zu sehr um den Erfolg gehe. Über die andere Seite des Lebens, das Scheitern, werde viel zu wenig gesprochen. Dabei wäre das mindestens so alltäglich und wichtig wie der Erfolg. Und auch sehr menschlich.

Die Bibel ist übrigens voll von Menschen, die mehr oder weniger gescheit gescheitert sind. Die Abstürze von Jahrtausenden. Kain und Abel, der Turm zu Babel, das Goldene Kalb und mein Lieblings-Loser Petrus. Einer der größten Scheiterer. Dreimal leugnet er feige, Jesus überhaupt gekannt zu haben. Kurz vorher hatte er Jesus noch großmäulig Treue bis in den Tod geschworen. Und am Ende wird er trotzdem der Fels, auf dem Jesus seine Kirche bauen wollte.

Das gescheite Scheitern darf also getrost genauso zum Leben dazugehören wie das grandiose Gewinnen, für Petrus ebenso wie für Ronaldo oder Löw. Und heute Abend dann irgendwann auch für die Kroaten oder Franzosen – Warten wir's ab.

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