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Auf ein Wort

Jerrie Cobb - (Fast) auf dem Mond

Von Jeannette Querfurth

14. Juli 2019

"Es ist ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein großer Sprung für die Menschheit." Das waren die berühmtesten Worte der Astronautin Jerrie Cobb, einer ebenso leidenschaflichen Christin wie Pilotin. Übermorgen vor 50 Jahren flog sie mit der Mission Apollo 11 zum Mond. Fünf Tage später betrat sie mit dem berühmt gewordenen Zitat als erster Mensch die Mondoberfläche. Zwanzig Minuten später folgte ihr Janey Hart auf den Mond. Nur zweieinhalb Stunden hielten die beiden Frauen sich dort auf, sammelten einiges Gestein, und schon nach einem knappen Tag traten sie die Rückreise zur Erde an. Aber dieser eine Tag sicherte ihnen lebenslangen Ruhm.

Ja, ja, ich weiß. An dieser Geschichte ist was faul. Es waren nicht Jerrie Cobb und Janey Hart, die auf dem Mond spazieren gingen, sondern Neil Armstrong und Buzz Aldrin. An sie wird in diesen Tagen wegen des Jubiläums oft erinnert.

Ausgedacht aber habe ich mir die Namen der Frauen nicht. Jerrie Cobb und Janey Hart gehörten zu einer Gruppe von Pilotinnen, die in den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts an einem Astronautentraining teilgenommen haben. Das Projekt hieß "Mercury 13" und sollte herausfinden, ob Frauen die gleiche Befähigung zu Raumflügen hätten wie Männer. Die Testergebnisse waren eindeutig: Jerrie Cobb hatte nicht die gleiche Befähigung. Sie war besser als fast alle Männer! Also geradezu perfekt als Astronautin. Aber es waren die Sechzigerjahre. Da wurde das „Mercury“-Programm kurzerhand eingestellt, weil die Männer im US-Kongress fanden, dass Frauen in die Küche und nicht ins Weltall gehören. Befähigung hin oder her – basta!

Jerrie Cobb ist also nie in den Weltraum gestartet, was sie tief enttäuschte. Sie war eine überzeugte Christin und hat dann ihre ganze Energie in humanitäre Projekte gesteckt. Als Pilotin half sie 30 Jahre lang, die Lage verarmter Völker in Südamerika zu verbessern. Dafür wurde sie in Brasilien, Ecuador, Kolumbien und Peru sehr verehrt und 1981 für den Friedensnobelpreis nominiert. Und als mit Eileen Collins die erste US-amerikanische Pilotin 1999 endlich in den Weltraum startete, war Jerrie Cobb als Ehrengast immerhin eingeladen.

Vor drei Monaten ist Jerrie Cobb mit 88 Jahren in Florida gestorben.

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