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Auf ein Wort

Waldbaden

Von Winfried Herzog

15. September 2019

Der Wald steht wieder ganz oben auf der Agenda. Kein Wunder. Die Klimaveränderung macht sich auch im Wald schmerzhaft bemerkbar. Trockenheit und Hitze, Luftschadstoffe und Überdüngung setzen ihm zu. Schädlinge haben ein leichtes Spiel. Deshalb sprechen nicht wenige bereits von einem Waldsterben 2.0. Das sind beunruhigende Nachrichten, weil doch die Bäume und Wälder als Verbündete im Kampf gegen die Klimakrise dringend benötigt werden. Sie sind Wasserspeicher, Luftfilter und Bodenschützer. Und ganz besonders wertvolle Klimaschützer, indem sie Kohlenstoff speichern und als Senken für den Klimakiller CO2 fungieren.

Doch wir benötigen die Bäume und Wälder nicht nur zur Bekämpfung der Klimakrise, sondern auch für unser persönliches Wohlbefinden. Sie spenden Schatten und kühlen die Temperatur angenehm herunter. Allein der Aufenthalt im Wald hat eine enorm beruhigende Wirkung. Waldspaziergänge steigern unser körperliches und seelisches Wohlbefinden. Wenn man so will, der Wald macht uns gesünder und glücklicher.

In Japan gibt es einen interessanten Ausdruck dafür. Man spricht vom so genannten "Waldbaden". In Anlehnung an unser "Sonnenbaden" gehen die  Menschen dort in den Wald und nehmen so ein "Bad" im Grünen. Und tatsächlich haben Untersuchungen bestätigt, dass sich durch Waldspaziergänge Blutdruck und Pulsfrequenz normalisieren, Angst und Stress abnehmen und die Konzentrationsfähigkeit steigt.

Hinzukommt, dass ein deutscher Hirnforscher einmal gesagt hat: "Wer in den Wald geht, ist netter zu den Leuten". Denn in der Natur können wir uns als Teil eines größeren Ganzen erleben und das macht uns bescheidener und menschlicher. Wenn man so will: Das Herz wird größer und das Ego kleiner. Keine schlechte Medizin in diesen egoistisch aufgeblasenen Zeiten.

Im Wald stellt uns also die Natur einen kostbaren Schatz und eine wertvolle Ressource zur Verfügung. Es wäre nicht auszudenken, was das bedeuten würde, wenn wir all das nicht mehr hätten. Der Lyriker Günther Eich hat es in den 50er Jahren nach der Erfahrung des 2. Weltkrieges einmal so ausgedrückt: "Wer möchte leben ohne den Trost der Bäume!"

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