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Auf ein Wort

Freiheit

Von Sabine Kurth

17. Juni 2018

Vor 29 Jahren hätte ich mich heute vermutlich ein wenig geärgert. 17. Juni – damals ein Feiertag. Und dann ausgerechnet an einem Sonntag. Der 17. Juni – 26 Jahre lang war das der Tag der deutschen Einheit. Vor Mauerfall und Wiedervereinigung.

1987 habe ich in Berlin studiert. Da gab es die DDR noch. Meine Mutter und Schwester nutzten diesen Feiertag und besuchten mich zu einem langen Wochenende. Sie wollten sich natürlich die berühmten Museen im Osten ansehen, Berlin Alexanderplatz und "Unter den Linden". Dafür mussten wir über die äußerst streng bewachte Grenze, die Deutschland teilte. Übergang Friedrichstraße. Pass vorzeigen. Rauher Ton. Bei jedem Grenzwechsel fühlte ich mich ausgeliefert. Es war beklemmend. Meine Mutter geriet an eine Grenzerin, die besonders genau kontrollierte. "Kopf nach links, Ohr freimachen, was grinsen Sie denn so?"

Nein, das war nicht lustig. Als wir drüben waren, wollte das bedrückende Gefühl nicht weggehen. Die Freude auf alles, was wir uns vorgenommen hatten, war ein wenig vergangen. Erst als wir wieder in meinem Studentenzimmer im Westteil der Stadt waren, konnten wir herzhaft über die todernsten Grenzsoldaten lachen. Ein befreiendes Lachen. Ein Lachen, das ausdrückte, wie froh wir waren, in diesem Teil Deutschlands zu leben.

Der Tag der deutschen Einheit ist für mich bis heute ein Tag, an dem die Freiheit gefeiert wird – auch wenn es jetzt der 3. Oktober ist und nicht mehr der 17. Juni. Wir leben in einem freien und demokratischen Land. Mit Gesetzen, die nicht willkürlich sind. 

Sicher, es ist nicht alles Gold, was glänzt. Doch Angst vor plötzlicher Verhaftung, vor Gefängnis ohne Anklage, vor Folter und Bespitzelung muss keiner haben. Das Recht auf Freiheit gilt für alle Menschen. Das Neue Testament ist da ziemlich eindeutig. Paulus schreibt es so: Ihr seid zur Freiheit berufen. Mit meinen Worten: Alle Menschen habe das Recht in Würde und Freiheit zu leben. Denn alle Menschen sind wertvoll und vor Gott gleich.

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