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Auf ein Wort

Volkstrauertag

Von Dr. Andreas Gautier

17. November 2019

Heute ist Volkstrauertag. Er zählt zu den sogenannten stillen Feiertagen, also zu denen die regelmäßig für Diskussionen sorgen, warum Diskotheken früher die Musik ausmachen müssen. Entstanden ist er nach dem Ersten Weltkrieg. Unter dem Eindruck jenes großen Krieges sollte der gefallenen Soldaten gedacht werden. Viele von ihnen liegen auf Friedhöfen irgendwo in Europa, fern der Heimat. Zweierlei wollte man erreichen: Zum einen sollte er Angehörigen einen Ort und eine Feierstunde bieten, an dem sie an ihre gefallenen Angehörigen denken konnten. Außerdem, und das finde ich auch heute noch ausschlaggebend, sollte er zur Mahnung werden, dass solch ein Krieg nicht noch einmal stattfindet.

Die Geschichte hat uns aber etwas anderes gelehrt. Gut zehn Jahre später kann die fragile Weimarer Republik dem Sog nach Rechts nicht mehr widerstehen. Der Volkstrauertag wird instrumentalisiert. Der Tod fürs Vaterland wird zum Heldentod. Kein Wort mehr von dem Grauen, das damit verbunden ist. Kein Wort der Mahnung gegen einen neuen Krieg.

Nachdem wir in Deutschland diese dunklen Stunden dann ein zweites Mal durchlebt haben, ist dieser Tag zu einer festen Einrichtung geworden. Angefangen haben die Vereine zur Kriegsgräberfürsorge. Ich kenne auch viele Orte, an denen es die Schützenvereine übernommen haben die Gedenkveranstaltung auszurichten. Oft mit Unterstützung der Kirchen vor Ort. In diesen Veranstaltungen zeigt sich die Stärke von Religion. In den Texten wird das Unsagbare, das Unfassbare in Worte gebracht. Im Gottesdienst wird Trauer, Erschütterung, Mitleid, Wut und vieles mehr ausgesprochen.

Es erstaunt mich immer wieder, welche Kraft diese sehr alten Texte haben. Wenn es zum Beispiel in den Psalmen heißt, dass man trotz Bedrängnis und eigener Angst kein Unheil fürchtet, weil Gott bei einem ist. Seit über zweitausend Jahren hören Juden und Christen diese Geschichten und beten diese Psalmen. Eigentlich, so müsste man vermuten, sollte das doch reichen. Wenn wir immer wieder hören, wie furchtbar Krieg, Zerstörung und Gewalt sind, sollte man doch annehmen, dass diese irgendwann ein Ende haben.

Leider ist dem nicht so. Ich bin glücklich darüber in einem Land zu leben, dass nun schon seit über 70 Jahren keinen Krieg mehr auf eigenem Boden hat führen müssen. Tage wie der Volkstrauertag heute tragen dazu bei. Die tragen dazu bei, dass wir uns vor Augen führen, welche furchtbare Konsequenz ein Ende des Friedens mit sich bringt.

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