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Auf ein Wort

Kirche – Wozu?

Von Sabine Kurth

5. Juli 2020

Da steht sie vor mir, strahlt mich an und jeder kann merken, wie glücklich sie ist. Sie hat sich entschieden, mit 23 Jahren getauft zu werden. Als junge Frau nicht mehr selbstverständlich. Schon gar nicht in den heutigen Zeiten. Gerade erst wieder durch alle Medien gegangen. Die Mitgliederzahlen der Kirchen schrumpfen. Immer mehr Menschen treten aus der evangelischen und katholischen Kirche aus. Und in den Kommentarspalten im Internet lese ich dann immer: "Ich kann auch ohne Kirche glauben" oder "Aus dem Verein bin ich schon lange raus." So hört man es von vielen.

Und dann möchte ich so gerne mit diesen Leuten reden. Ihnen zeigen, was die Kirche ganz konkret hier vor Ort macht. Was die Gemeinde Walle für ganz viele Menschen tut. Aber dann denken die: "Eine Pastorin muss ja sagen, dass der Laden toll ist." Nein, muss ich nicht sagen. Das sage ich aus Überzeugung. Ich kann auch von den Sachen erzählen, die absolut nicht gut laufen. Die auch ich schlimm finde. Wo Kirchenmenschen Mist gemacht haben. Aber wie gesagt, diese Gespräche wollen die meisten Ausgetretenen nicht. Kirche ist abgehakt. Glauben vielleicht noch nicht. Aber die Institution braucht man nicht.

Und nun steht sie vor mir. Diese junge Frau, die getauft werden will. Und ich habe viel mit ihr gesprochen. Warum sie getauft werden will. Wie das mit dem Glauben ist. Was Gott für eine Bedeutung hat. Ja, und wir sprechen auch über die Kirche.

Sie sagt: "Ich wohne schon seit ein paar Jahren hier gleich gegenüber vom Gemeindehaus und der Kirche. Ich sehe die Menschen, die hierher kommen. So viele unterschiedliche. Ältere gebrechliche Menschen, Konfirmanden, Familien mit ihren Kindern, manchmal auch Menschen, die einen verwirrten Eindruck machen. Sogar meine Nachbarin, die etwas, naja, schwierig ist. Und die alle dürfen zu euch kommen. Keiner wird weggeschickt, weil er oder sie vielleicht ein bisschen anders ist. Die Menschen machen auf mich einen zufrieden Eindruck, wenn sie wieder nach Hause gehen. Und sonntags nach der Kirche habe bei ganz vielen so ein strahlendes Gesicht gesehen, als hätten sie etwas ganz Zauberhaftes erlebt. Was ihnen guttut. Da habe ich oft gedacht: Ich möchte da auch zugehören." Ich war beeindruckt. Wie jemand unsere Gemeinde von außen wahrnimmt. Aber es stimmt. Bei uns hat erstmal jede einen Platz. Es warten offene Ohren und helfende Hände auf alle, die eine Gemeinschaft brauchen.

Nach der Taufe sagt die junge Frau: "So, jetzt gehöre ich dazu. Jetzt habe ich ein neues Zuhause gefunden. Einen Ort, an dem ich mich nicht schämen muss, wenn ich über Gott reden will. Ich gehöre nun zu Gott und zu seiner Kirche, ohne die die Welt kälter und einsamer wäre."

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