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Auf ein Wort

Wann wird Ostern sein?

Von Bernhard Stecker

4. Januar 2020

Eigentlich sollte heute ein großer Festgottesdienst sein. Unsere St. Elisabeth-Kirche sollte wieder eingeweiht werden, frisch renoviert, nach fast einem Jahr Bauzeit. Der Bischof wollte kommen, ganz viele Gäste, vor allem natürlich alle Beteiligten, von den Handwerkern und Architekten bis hin zum ehrenamtlichen Kirchenvorstand.

Denn es ist nicht nur eine schöne Kirche die in neuem Glanz erstrahlt. Es ist das erste Kolumbarium von Bremen, ein Begräbnisort für Urnen. Über 1000 Urnen können demnächst in der Kolumbariumskirche St. Elisabeth beigesetzt werden. In eigens dafür errichteten Wänden aus festem, getrocknetem Lehm. In diesen Wänden sind Nischen, und in diese Nischen kommen die Urnen. Dann werden sie mit einer Platte abgedeckt, auf die der Name des Verstorbenen geschrieben wird.

Ein Ort zum Abschied-nehmen, trauern, still werden im Angesicht des Todes. Wir Menschen brauchen solche Orte, denn der Tod trifft uns immer hart und oft unvorbereitet. Vor allem der Tod von Menschen, die uns nahestanden.
St. Elisabeth ist ein besonders schöner Ort des Trauerns und des Gedenkens.

Wäre, muss man sagen. Denn natürlich kann die Kirche heute nicht feierlich wiedereröffnet werden. Kein Gottesdienst, kein Bischof, kein Chor und kein gemeinschaftliches Gebet. Es ist befremdlich, durch diese leere Kirche zu gehen, die leeren Nischen zu sehen, den Geruch der noch frischen Farbe zu riechen und eine große Orgel zu sehen, die gereinigt und neu gestimmt auf ihren Einsatz wartet. Er kommt nicht.

Noch nicht. An diesem Ort wird mir bewusst, in was für einem Moment wir leben. Das Leben steht still. Es ist alles vorbereitet für etwas Neues, das beginnen kann, und doch noch nicht beginnt. Es erinnert mich an Karsamstag.

An einem gewöhnlichen Karsamstag ist ja auch alles meist schon vorbereitet. Die neue Osterkerze steht schon mal probehalber auf dem Kerzenständer, die Bücher liegen bereit, die Predigt ist fertig, und der Chor probt irgendwo nebenan Osterlieder. Aber noch nicht, noch nicht.

Nie wäre uns in den Sinn gekommen, dass es keine Osternacht gibt. Der Termin steht ja fest, 22 Uhr ist es so weit. Aber dieses Jahr nicht. Es ist offen. Ich sehe auf die leeren Nischen in der Kirche und denke: Wann ist es so weit? Wann wird Ostern sein? Wann wird sich meine Hoffnung erfüllen?

Ich bin mir sicher, dass ich in Zukunft den Karsamstag anders erleben werde. Ich werde an diese vorbereitete und doch leere Kirche denken. Nicht mehr den selbstgemachten Zeitplan im Kopf, sondern die etwas bange Frage: Wann wird Ostern sein? Wann werde ich das neue Licht der Hoffnung sehen? Vielleicht heute Nacht!

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