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Auf ein Wort

Ein Fest des Lichts

Von Winfried Herzog

2. Februar 2020

"Geht Dir die dunkle Jahreszeit auch so auf den Keks wie mir?", fragte mich  meine Kollegin, die etwas ausgelaugt und erschöpft wirkte. Und sie schob nach: "Morgens gehe ich im Dunkeln aus dem Haus und wenn ich abends nach Hause komme, ist es schon wieder dunkel. Ganz zu schweigen von dem grauen, regenverhangenen Himmel." Der Winterblues geht um und hat uns mehr oder weniger im Griff. Kein festlicher Weihnachtsglanz mehr mit Lametta und Lichterketten, sondern trister Alltag und warten darauf, dass es heller und hoffentlich bald Frühling wird.

Ganz nüchtern und realistisch betrachtet gibt es schon erste Lichtblicke: Jede Woche werden die Tage um ca. elf Minuten länger. Es ist also Besserung in Sicht. Durch das zunehmende Tageslicht, das über den Sehnerv hereinkommt, werden bestimmte Glückshormone im Gehirn aktiviert. Und die Winterblueshormone werden entsprechend weniger. Neue Lebensgeister fangen an, sich in uns zu regen. Doch es braucht noch etwas Geduld.

Vielleicht kommt es nicht von ungefähr, dass heute, am 2. Februar, ein uraltes Lichtfest gefeiert wird, das im Volksmund "Mariä Lichtmess" heißt. Es ist wenig bekannt und gehört trotzdem zu den ältesten Festen der christlichen Kirchen. Vermutlich haben die Menschen früh verstanden, dass es in dieser dunklen Jahreszeit nicht nur Lichtquellen im Außen braucht, sondern auch Ressourcen im Innern, die wir jederzeit aktivieren können.

Das Fest "Mariä Lichtmess" geht zurück auf eine eher schlicht wirkende Begegnung im Tempel zu Jerusalem. Maria und Joseph kommen mit Jesus, ihrem Erstgeborenen, in den Tempel und vollziehen ein vorgeschriebenes Ritual für Erstgeborene. Dabei begegnen sie zwei alten, gottesfürchtigen Menschen, namens Hannah und Simeon, die zeit ihres Lebens auf den Messias gewartet haben. Plötzlich geht den Beiden ein Licht auf. Und Simeon fängt an, in immer neuen Bildern davon zu sprechen, wie sich in Jesus die Verheißung erfüllt hat: "Ein großer Stern ist uns erschienen, ein Licht für die Welt."

Das war bestimmt nicht einfach, in der damaligen Zeit den Mund so voll zu nehmen. Doch Hannah und Simeon und viele Menschen nach ihnen waren so erfüllt von diesem aufgegangenen Stern, dass er uns bis heute Orientierung und Kraft geben kann. Deshalb werden an diesem Tag Kerzen gesegnet, die im ganzen Jahr in den Gottesdiensten verwendet werden. Ein schöner Brauch und eine gute Gelegenheit, sich vielleicht einfach mal eine Kerze anzuzünden. Sich davorzusetzen und nichts anderes zu tun als in dieses wärmende Licht zu schauen. Licht als Therapie gegen jede Form von Blues.

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