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Auf ein Wort

Wenn Ölen nicht mehr hilft

Von Andreas Gautier

5. Januar 2019

Es knackt, es knirscht und es quietscht. Mein Fahrrad macht mir unmissverständlich klar, dass es wieder einmal gepflegt werden will. Also Bürste, Kettenfett und Werkzeug raus und alles einmal einer Wellness-Kur unterziehen. Hat aber nur zwei Tage gehalten. Dann knirschte es wieder beim Treten.

Glücklicherweise habe ich einen Freund, der sich mit Fahrrädern bedeutend besser auskennt als ich. Am Telefon meinte er gleich: Zahnkranz vorne oder hinten oder Tretlager. Ich schaue mir das mal an. Es war dann Zahnkranz vorne "und" hinten "und" Tretlager. Ein paar Tropfen Öl helfen da auch nicht mehr weiter. An den Einstellungen lag es auch nicht. Die Teile mussten einfach ersetzt werden.

So ist es manchmal auch im Leben; wenn einen der Urlaub nur noch Schwung für ein paar Wochen im Beruf gibt; wenn man merkt, dass die Pausen nicht ausreichen das Leben zu genießen. Kurz: wenn ich merke, das in meinem Leben etwas nicht rund läuft. Dann hilft Ölen manchmal nicht mehr. Dann komme ich mit einer kleinen Auszeit auch nicht weiter.

Was häufig hilft, ist ein Freund, genauso wie bei meinem Fahrrad. Es braucht jemanden, der von außen draufschaut. Es braucht jemanden, der nicht nur Vermutungen anstellt, sondern sich Zeit nimmt und genau hinsieht. Es muss jemand sein, dem ich vertrauen kann und ehrlich sagen kann, was los ist. Und es muss jemand sein, der auch ehrlich zu mir ist und mir vielleicht auch Dinge sagt, die ich nicht gern hören will.

Dann reicht es vielleicht an der einen oder anderen Stelle nachzujustieren. Eine kleine Änderung hier, eine andere Routine dort.

Manchmal ist aber mehr nötig. Und solch eine Änderung ist nicht unbedingt leicht. Bei meinem Fahrrad musste das Tretlager raus. Dazu brauchte es einen großen Hammer und ein paar mutige Schläge. Solch ein Mut ist dann auch gefragt, wenn es um Entscheidungen geht, die das Leben betreffen. Solche Veränderungen stoßen uns häufig aus dem Gewohnten, aus unserer Komfortzone. Sie stellen häufig ein Risiko dar. Gelingt die Veränderung? Wird es anschließend besser? Sollte ich vielleicht doch bei dem bleiben, was ich kenne? Solche Entscheidungen verlangen einen gewissen Mut von mir. Ich muss mich trauen das Alte loszulassen.

Gut ist es, wenn man dann Menschen an seiner Seite hat, denen man vertrauen kann.

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