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Sheryl Crow "Threads"

6. September 2019

Es ist ein beeindruckendes Line-up, welches Sheryl Crow für ihr aktuelles und wohl letztes Album ”Threads“ auffährt. Die 57-jährige Sängerin hat für ihre am 30. August veröffentlichte Sammlung von 17 Songs etliche Musikgrößen an ihre Seite geholt. Damit zollt sie denen, die sie inspiriert haben, ebenso wie ihrer eigenen Karriere den verdienten Tribut.

Ausschnitt aus dem Song "Prove You Wrong" vom Album "Threads" von Sheryl Crow.

Autor/-in: Sheryl Crow Feat. Stevie Nicks & Maren Morris:
Länge: 29 Sekunden
Datum: Montag, 9. September 2019
Sendereihe: Online | Radio Bremen

Still The Good Old Days - Hörprobe [30 Sekunden] Flying Blind - Hörprobe [30 Sekunden] Tell Me When It's Over - Hörprobe [30 Sekunden] Don't - Hörprobe [30 Sekunden] Cross Creek Road - Hörprobe [30 Sekunden] Beware Of Darkness - Hörprobe [30 Sekunden] Lonely Alone - Hörprobe [30 Sekunden] The Worst - Hörprobe [30 Sekunden] Live Wire - Hörprobe [30 Sekunden]

Das Album “Threads“ fühlt sich an, als habe Sheryl Crow nun die Zielmarke erreicht, die sich schon als Kind für sie abgezeichnet hat. Aufgewachsen in einer musikbegeisterten Familie und inspiriert von der Plattensammlung ihrer großen Schwester, wollte Sheryl Crow Stevie Nicks nacheifern und träumte sich in den Groove der Rolling Stones hinein. Jetzt sind sie alle gekommen und haben mit der mehrfachen Grammy-Preisträgerin gemeinsam intensive Songs voller Leidenschaft aufgenommen: Sheryl Crow befeuert den Aufmacher des Albums gemeinsam mit Stevie Nickts und der 29-jährigen Singer-Songwriterin Maren Morris. Sie rockt mit Eagles-Urgestein Joe Walsh. Sie verneigt sich gemeinsam mit Sting, Eric Clapton und Brandi Carlile vor George Harrison oder bittet Keith Richards zu einem intimen Duett.

Vom Bühnenhintergrund ins Rampenlicht

Als Sammlung musikalischer Erfahrungen möchte Sheryl Crow ihr Album “Threads“ verstanden wissen. Erfahrungen, die sie nun mit ihren Vorbildern geteilt hat und zusammen mit Musikern der jüngeren Generation weitergibt. Zu letzteren gehören die in Brooklyn gegründete Indie-Pop-Band “Lucius“ und Lukas Nelson, Sohn von Country-Outlaw Willie Nelson.

Sheryl Crow hatte ihre musikalische Karriere als Backgroundsängerin begonnen. Sie begleitete Michael Jackson ab 1987 auf dessen “Bad-World-Tour“, wurde dadurch Hals über Kopf in die Welt des Glamours und der Stars katapultiert. Auch die Eagles und Bob Dylan setzten auf ihre stimmlichen Qualitäten. 1993 dann konnte Sheryl Crow mit ihrer Hitsingle “All I Wanna Do“ schlagartig aus dem Schatten der Stars, für die sie gesungen hatte, heraustreten. Jetzt kann die sogar mit einem James-Bond-Titelsong - “Tomorrow Never Dies“ - aufwartende Sängerin mit einem wohl gesponnenen Musiker-Netzwerk arbeiten. Als Produzenten konnte Crow ihren guten Freund Steve Jordan gewinnen. Dieser versierte Drummer und erfahrene Studiomusiker hat “Threads“ mit einem klaren und kraftvollen Sound versehen. Überhaupt sind es gerade auch Freundschaftsbande, die “Threads“ zu einem gelungenen Ganzen verweben. Von Eric Clapton, mit dem Sheryl Crow zeitweilig liiert war, spricht die Sängerin immer noch mit Respekt und Zuneigung:

Autor/-in: Sheryl Crow/Uli Kniep/Christian Höltge
Länge: 18 Sekunden
Datum: Montag, 9. September 2019
Sendereihe: Online | Radio Bremen

Keine Fotos vom Zähneputzen

Sie sei glücklich, dass sie als Musikerin ihren Weg aufnehmen konnte, als die Menschen noch Alben kauften, betont Sheryl Crow. Denn sie habe es immer geliebt, Alben zu produzieren und sich über diese ihre Fangemeinschaft aufzubauen. Heute laufe das alles über die sozialen Netzwerke und es seien immer einzelne Songs, die auf Playlists landeten. Für sie sei die Selbstvermarktung über Social Media keine Option, denn musikalisch brächte es sie nicht weiter, wenn sie Bilder von sich beim morgendlichen Zähneputzen ins Netz stellen würde.

Eine Liebeserklärung an ihre musikalischen Helden

Sheryl Crow sieht sich mit ihren “Threads“ in der musikalischen Tradition der musikalischen Größen, von denen sie sich selbst hat inspiriert lassen. Insofern finden sich auf ihrem Album auch Coverversionen wie das von Bob Dylan geschriebene “Everything Is Broken“. So ist ihr neues Album auch ein Tribut an ihre musikalischen Vorbilder ebenso wie an ihren eigenen musikalischen Weg.  Sie nennt es ein "Projekt der Liebe". Einer der Auslöser dafür war Kris Kristofferson. Sheryl Crow musste mit ansehen, wie ihr Jugendidol aufgrund einer fälschlich diagnostizierten Demenz um den Erhalt seiner Erinnerungen kämpfte. Kristoffersons Gedächtnislücken stellten sich dann als Folge einer durch Zecken übertragenen Borreliosen-Infektion heraus. Für Sheryl Crow aber war schlagartig klar, dass sie ein Album zusammen mit den Musikern aufnehmen wollte, die sie auf ihre eigene Spur als Singer-Songwriterin gestellt hatten, und im selben Atemzug ihre eigenen Erfahrungen mit jüngeren Musikern teilen müsse. Insofern bezeichnet sie ihren eigenen Musikstil als Americana, da die Grenzen zwischen Country und Pop sich  zunehmend auflösen würden:

Sheryl Crow über den Musikstil ihres Albums [40 Sekunden]

Ihre persönliche Work-Live-Balance gefunden

Sheryl Crow scheint für sich das gefunden zu haben, was man allgemein unter dem Begriff Work-Life-Balance zusammenfasst. Ihre beiden Adoptivsöhne Wyatt und Levi begleiten sie auf ihren Touren und wachsen in einem durch und durch musikalischen Umfeld auf – so wie die Sängerin selbst es als Heranwachsende erleben konnte. Mittlerweile fühle sie sich als Musikerin freier und gelöster als in den 90er-Jahren, erzählt Sheryl Crow. Vorbei sind die Zeiten, als ihr vor einem Auftritt mit den Rolling Stones vor Lampenfieber übel wurde. Keith Richards habe sie damals als “Little Sister“ auf der Bühne willkommen geheißen und jetzt hat sie gemeinsam mit dieser Rocklegende ihre ganz persönliche Coverversion des Stones-Songs “The Worst“ aufgenommen.

Dass man Sheryl Crow musikalisch nichts mehr vormachen kann, zeigt jeder der auf “Threads“ versammelten Songs. Sie alle entwickeln ihre ganz eigene Intensität, egal, ob es sich um eine samtige Ballade wie das George-Harrison-Cover “Beware Of Darkness“ handelt oder um das unterschwellig glühende “Tell Me When It’s Over“ - frisch vom Country-Grill mit Chris Stapleton. Es wirkt, als würde Sheryl Crow sich für jeden ihrer Songs einen neuen Dress anziehen, der genauso perfekt sitzt wie der vorherige. Sie ist wandelbar und geht in ihren Songs immer intensiv auf ihre renommierten Gesangspartner ein, ohne aber dabei sich selbst zu verleugnen. Ihr Duett mit dem mittlerweile 86-jährigen Country-Star Willie Nelson “Lonely Alone“ etwa erhält eine geradezu zärtliche, ja intime Anmutung. Doch Sheryl Crow ist auch Realistin. Sie hat ein Auge auf die wirklich wichtigen Dinge im Leben und es macht ihr gar nichts aus, wenn sie im selben Hotel absteigt wie die Backstreet Boys und sich die Fotografen gar nicht mehr für sie interessieren und sie vielleicht sogar für die Mutter eines dieser Boygroup-Mitglieder halten:   

Sheryl Crow über ihr Leben als Musikerin und Mutter [40 Sekunden]

Musikalische Bilanz trifft auf Gegenwart

Auf “Threads“ zieht Sheryl Crow auch so etwas wie die Bilanz ihres musikalischen wie auch ihres persönlichen Lebens. Dabei offenbaren sich dann Bezüge zur Gegenwart, die sich im nachtschwarzen virtuellen Duett mit Johnny Cash “Redemption Day“ über mehr als zwei Jahrzehnte erstrecken können. Damals hatte sie die beklemmenden Eindrücke ihres Besuchs in Bosnien, wo sie vor amerikanischen Truppen aufgetreten war, in diesem Song verarbeitet:

Autor/-in: Sheryl Crow/Uli Kniep/Christian Höltge
Länge: 46 Sekunden
Datum: Montag, 9. September 2019
Sendereihe: Online | Radio Bremen

Etwa dreieinhalb Jahre habe es von der Idee bis zur Fertigstellung ihres aktuellen Albums gedauert, erzählt Sheryl Crow. Selbstverständlich stehe sie als Musikerin auch in einem Dialog mit der Gegenwart. Zwei ihrer neuen Songs, nämlich “Story Of Everything“ und “Wouldn’t Want To Be Like You“ nehmen Bezug auf die Verhältnisse, die mit Präsident Trump Einzug in ihre Heimat gehalten haben. So hat die in Missouri im Mittleren Westen der USA geborene Sängerin beim diesjährigen Glastonbury Festival ihren bereits 2002 erschienenen Song “Soak Up The Sun“ der Klimaschutzaktivistin Greta Thunberg gewidmet. Die von der 16-Jährigen angestoßenen Proteste gegen die Klimakrise hält Sheryl Crow für richtig und wegweisend:

Sheryl Crow über Greta Thunberg und die Klimakrise [35 Sekunden]

Dankbar für ihr Leben

Jeder Mensch werde früher oder später auch mit negativen Ereignissen und Erfahrungen konfrontiert, ist Sheryl Crow sich sicher. Sie selbst habe schließlich auch ihren Anteil daran gehabt. Das wolle sie kein weiteres Mal durchmachen, aber sie habe es als Teil ihrer Biografie akzeptiert und sei dankbar für das Leben, das sie führen dürfe:

Sheryl Crow über ihre überwundene Krebserkrankung [46 Sekunden]

Ganz klar auf der Habenseite von Sheryl Crows Lebensbilanz stehen die Musikerinnen und Musiker, mit denen zusammen sie ihr ganz persönliches Vermächtnis-Album aufgenommen hat. Sting etwa war es, der sie direkt nach ihrer Brustkrebsdiagnose stützte und sie sicher durch die anstehenden Grammy-Feierlichkeiten geleitete. Mit der Fleetwood-Mac-Frontfrau Stevie Nicks verbindet Sheryl Crow, seit die beiden sich auf einer Grammy-Party begegnet sind, eine tiefe Freundschaft. Stevie atme das Künstlerische aus jeder Pore und sei beim Songwriting in ihrem Herzen immer dabei, erzählt Crow. Auch kraftvolle Stimmpersönlichkeiten wie Mavis Staples und Bonnie Raitt, mit denen zusammen sie das groovende “Live Wire“ performt, zählt Sheryl Crow zu ihren musikalischen Impulsgebern.

Ein krönender Abschluss

Nun verfügt Sheryl Crow selbst schon längst über die Strahlkraft einer außergewöhnlichen Musikerin, ist ihrerseits Impulsgeberin und wenn sie zum gemeinsamen Musizieren ruft, dann kommen sie eben alle. Die lebenserfahrene Sängerin hat die Fäden ihres aktuellen Albums zu einem großartigen Songteppich verwoben. Und sollte “Threads“ wirklich ihr letztes Album gewesen sein, dann ist Sheryl Crow damit  ihr ganz persönlicher krönender Abschluss gelungen.

Christian Höltge

Die O-Töne wurden uns freundlicherweise von Uli Kniep zur Verfügung gestellt.

Albumdaten

Sheryl Crow - Threads
ASIN: B07T18TTMF
Universal Records
VÖ: 30. August 2019

Die Songs

TitelDauer
Prove You Wrong (feat. Stevie Nicks & Maren Morris)3:41
Live Wire (feat. Bonnie Raitt & Mavis Staples)5:09
Tell Me When It’s Over (feat. Chris Stapleton)4:56
Story Of Everything (feat. Chuck D, Andra Day & Gary Clark Jr.)6:22
Beware Of Darkness (feat. Eric Clapton, Sting & Brandi Carlile)3:38
Redemption Day (Sheryl Crow & Johnny Cash)4:46
Cross Creek Road (feat. Lukas Nelson & Neil Young)4:32
Everything Is Broken (feat. Jason Isbell)2:38
The Worst (feat. Keith Richards)4:37
Lonely Alone (feat. Willie Nelson)4:37
Border Lord (feat. Kris Kristofferson)4:42
Still The Good Old Days (feat. Joe Walsh)5:17
Wouldn’t Want To Be like You (feat. St. Vincent)3:35
Don't (feat. Lucius)4:06
Nobody’s Perfect (feat. Emmylou Harris)4:43
Flying Blind (feat. James Taylor)3:41
For The Sake Of Love (feat. Vince Gill)3:34

Offizielle Homepage

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, 9. September 2019, 16:40 Uhr

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