Livestream

Bremen Eins Musik Album der Woche

Album der Woche

James Blunt – "Once Upon A Mind"

7. November 2019

Mit seinem sehr persönlichen Album “Once Upon A Mind“ besinnt James Blunt sich zurück auf seine Anfänge. Seit dem 25. Oktober wartet der britische Singer-Songwriter mit elf neuen Songs auf, in denen er auch an seine emotionale Schmerzgrenze geht. Das sein Vorgängeralbum prägende Spiel mit Sounds und Beats ist jetzt einer aufs Wesentliche fokussierten Ernsthaftigkeit gewichen.

Hörprobe aus dem Album "Once Upon A Mind" von James Blunt

Länge: 30 Sekunden
Datum:
Sendereihe: Online | Radio Bremen

Hörprobe von James Blunt: "Halfway" [29 Sekunden] Hörprobe von James Blunt: "Champions" [30 Sekunden] Hörprobe von James Blunt: "Stop The Clock" [30 Sekunden] Hörprobe von James Blunt: "5 Miles" [30 Sekunden] Hörprobe von James Blunt: "How It Feels To Be Alive" [28 Sekunden] Hörprobe von James Blunt: "I Told You" [30 Sekunden] Hörprobe von James Blunt: "Youngster" [30 Sekunden] Hörprobe von James Blunt: "The Greatest" [30 Sekunden]

James Blunt vollzieht auf “Once Upon A Mind“ einen Perspektivwechsel: Stand er in seinen bisherigen Alben immer selbst im Mittelpunkt, so schaut er jetzt auf die Personen, die ihm in seinem Leben wirklich wichtig sind. Da sieht der mit seinen mittlerweile sechs Alben als Top-Ten-Garant etablierte Sänger durchaus Parallelen zu seinem Debütalbum. “Back To Bedlam“ sei ähnlich offenherzig gewesen wie “Once Upon A Mind“, betont Blunt. Nur blicke er jetzt auf neue Lebenserfahrungen zurück, die seine Sicht der Dinge verändert haben:

James Blunt über den Stellenwert des Albums [54 Sekunden]

Zurück auf Los

Wer sich bei den neuen Songs an die musikalischen Anfänge von James Blunt erinnert fühlt, liegt richtig. Er habe sich auf seine ehrlichste Art Musik zu machen zurückbesonnen, weil er nur auf diese Weise seine Botschaften vermitteln könne, erläutert Blunt. Eine reine Klavierbegleitung sei eigentlich dafür schon ausreichend.  "Zurück auf los" könnte also das Kommando lauten, das der als Erkundungsoffizier bei den britischen Life Guards ausgebildete und 1999 bei der KFOR im Kosovo dienende Blunt sich selbst gegeben hat. Das Video zu seiner aktuellen Single “Cold“ hat auf den ersten Blick auch etwas von Überlebenskampf, wenn ein sichtlich von Anstrengung gezeichneter James Blunt sich aus dem Meer an Land kämpft. Erst im weiteren Verlauf wird klar, dass hier das Video zu Blunts musikalischem Durchbruch, der Nr. 1-Single “You’re Beautiful“, quasi wieder zurückgedreht wird. Anstatt von der Klippe ins Meer zu springen, quält sich der Sänger wie der letzte Überlebende seiner Truppe hier die Steilküste wieder hinauf. Schließlich steht er im damaligen Outfit in der vernebelten Landschaft und der Kreis hat sich geschlossen:

James Blunt über einen sich schließenden Kreis [32 Sekunden]

Intensive Melodien und tänzerische Beats

Blunt wirkt in seinen neuen Songs nie plump, brachial oder aggressiv. Dennoch zelebriert er seine intensiven Melodien mit sängerischer Inbrunst, fährt gekonnt auf der emotionalen Schiene und befeuert damit seine Musik. Auch tänzerische Beats kommen nicht zu kurz. Blunt frischt seinen Stil behutsam zu einem durchaus modernen Sound auf, findet mit “Once Upon A Mind“ aber auch zu seinen musikalischen Anfängen zurück. Seine Songs sind von überschaubarer Länge, dafür aber bis zur Oberkante gefüllt mit Emotion und Gefühl.

Der Verstand ist ein einsamer Ort

Mit seinem aktuellen Album bringt James Blunt auch so etwas wie Ordnung in den Wirrwarr seiner Gedanken. Was er zunächst versucht für sich in seinem Kopf zu verarbeiten, findet dann Ausdruck in seiner Songsprache – und die ist auf “Once Upon A Mind“ eindeutig. Es sind teils schwere Gedanken und Ängste, die Blunt sich von der Seele geschrieben hat. Seine Frau, seine Kinder und sein schwerkranker Vater seien in seiner Vorstellung beim Songwriting immer mit dabei gewesen. Und so beschreibt der Albumtitel “Once Upon A Mind“ genau diesen emotionalen Zustand: 

James Blunt über den Albumtitel [11 Sekunden]

Bis an die Schmerzgrenze aufrichtig

Besonders schmerzlich ist für den 1974 als James Hillier Blount in der englischen Grafschaft Wiltshire geborenen Sänger die schwere Nierenerkrankung seines Vaters Charles Blount. Er habe seinem Vater eine Niere spenden wollen, käme wegen seiner Blutgruppe als Spender aber leider nicht infrage. Jetzt müsse er zusehen, wie der Gesundheitszustand seines Vaters sich immer mehr verschlechtere. In seinem bis an die Schmerzgrenze aufrichtigen Song “Monsters“ thematisiert Blunt den sich vollziehenden Rollentausch zwischen Eltern und Kind:

James Blunt über seine Eltern [36 Sekunden]

James Blunt [Quelle: Warner Music]

Glücklich am Ziel seiner Reise angelangt

Es sind jedoch nicht nur die Monster, denen James Blunt auf seinem neuen Album hinterherjagt. Der Ernst des Lebens hält ihn zwar auch in seinen Fängen, doch er sieht sich zur selben Zeit an einem glücklichen Punkt angelangt. Schließlich habe er als Musiker eine wunderbare Zeit erleben dürfen. Und genau dieses Gefühl, angekommen zu sein, möchte Blunt mit dem pulsierenden Aufmacher “The Truth“  vermitteln:

James Blunt über "The Truth" [37 Sekunden]

Eingeklemmt zwischen den Generationen

James Blunt hat gelernt, dass jeder Moment, den er mit seiner Familie verbringen kann, wichtiger ist als alles, worüber er bisher seine Songs geschrieben hat. Darüber, dass seine 2007er-Hitsingle “1973“ allen Ernstes von einem Nachtclub auf Ibiza, wo er seinen Wohnsitz habe, handele, könne er heute nur den Kopf schütteln. Bei seinen neuen Songs spiele der Gedanke an Plattenfirmen und Chartplatzierungen keine Rolle. Und gerade deswegen seien sie ihm auch so gut gelungen. Also stellt Blunt in einem Song wie “I Told You“ stattdessen lieber seine Zerrissenheit zwischen seinen Rollen als Musiker von Weltrang und als Familienmensch in dern Mittelpunkt:

James Blunt über "I Told You" [21 Sekunden]

Nähe, Distanz und ein Appell   

Nähe und Distanz gehören für James Blunt zusammen. Wenn er seiner Frau Sofia Wellesley in seiner Single “Cold“ die Textzeilen „es liegt ein Meer zwischen uns“ und "ohne Dich friere ich einfach" widmet, dann möchte er damit ausdrücken, wie sehr er sie während seiner Tourneen vermisst. Sein – wie er selbst feststellt - gewundener, wenn nicht gar chaotischer Lebensweg hat ihn an seinen emotionalen Zielort geführt: seine Familie. Da kann er sich dann auch einen selbstironischen Song wie “5 Miles“ leisten:

James Blunt über "5 Miles" [23 Sekunden]

“Once Upon A Mind“ endet, wie nicht anders zu erwarten, hochemotional mit “The Greatest“, einem Song, den James Blunt seinen Kindern widmet. Gleichzeitig ist es eine Mahnung an die Menschheit, nicht so selbstsüchtig die eigene Zukunft zu verspielen. Aber James Blunt wäre nicht er selbst, wenn er mit seinem ganz zuletzt herausgeschleuderten “love“ nicht für einen positiven Appell sorgen würde:

James Blunt über "The Greatest" [18 Sekunden]

Musikalisch seiner Familie sehr nah

James Blunt bleibt auch mit “Once Upon A Mind“ ein aktueller Singer-Songwriter. Er singt mit einem glühenden, aber gleichzeitig gebändigten Feuer und trägt seinen unterschwelligen Weltschmerz nicht gar zu marktschreierisch vor sich her. Dem Ozean, der zwischen ihm und seiner Familie liegt, wenn er wieder auf Tour geht, ist er auf dem Video zu “Cold“ ja schon erfolgreich entstiegen. Und ansonsten gibt es ja mit “Once Upon A Mind“ ein Album, mit dem James Blunt musikalisch seinen Lieben und auch seinen Fans sehr nahe sein kann.

Christian Höltge

James Blunt: “Once Upon A Mind”
Warner Music International
EAN: 0190295361280
VÖ: 25.10.2019

Tourdaten 2020 für Norddeutschland

Hannover, TUI Arena Do., 12. März 2020
Lingen, Emsland Arena Fr., 13. März 2020
Hamburg, Barclaycard Arena Sa., 14. März 2020

Die Songs
Dauer
The Truth3'42
Cold3'28
Champions3'14
Monsters4'20
Youngster3'20
5 Miles3:20
How It Feels To Be Alive3'25
I Told You2'32
Halfway3:12
Stop The Clock3'14
The Greatest3'11

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, 11 November 2019, 16:40 Uhr

Album der Woche