Livestream

Bremen Eins Musik Album der Woche

Album der Woche

Andreas Kümmert – Harlekin Dreams

13. März 2020

In seinem Verhältnis zum marktorientierten Musikbetrieb ist er ein scheues Wild. Mit seiner Stimme und an seinen Instrumenten hingegen entpuppt er sich als kraftstrotzender, aber sanfter Löwe. Auf seinem am 6. März veröffentlichten Album “Harlekin Dreams“ zeigt Andreas Kümmert ein wahres und ehrliches  musikalisches Gesicht.

Hörprobe aus dem Song "Funky Slith" vom Album "Harlekin Dreams" von Andreas Kümmert.

Autor/-in: Andreas Kümmert
Länge: 30 Sekunden
Datum: Montag, 16. März 2020
Sendereihe: Online | Radio Bremen

Blue Birds - Hörprobe [30 Sekunden] Evan - Hörprobe [30 Sekunden] Gone - Hörprobe [30 Sekunden] Secret - Hörprobe [30 Sekunden] Use Somebody - Hörprobe [30 Sekunden] Slow Goose - Hörprobe [30 Sekunden] She Said - Hörprobe [30 Sekunden] Till I Die - Hörprobe [30 Sekunden]

Bereits das erste Gitarrenriff, mit welchem das stimmliche Kraftpaket Andreas Kümmert sein mittlerweile 5. Album eröffnet, ist schon eine wuchtige und zugleich einfühlsame Visitenkarte, die aufhorchen lässt. Und so entpuppt sich “Harlekin Dreams“ als musikalischer Ritt zwischen zupackendem Rock, intensivem Blues, streichelndem Soul und funkigem Bass.

Bei Kümmert trifft Rock auf Blues und Soul voller Lebenskraft

Andreas Kümmert spielt nicht ins Blaue hinein. Er ist ein sehr nachdenklicher Musiker und verbindet schon im Titel seines neuen Albums Persönliches mit seinem Blick auf die Gesellschaft. Der traurige Clown hält uns im Auftrag Kümmerts den Spiegel vor:

Autor/-in: Andreas Kümmert
Länge: 23 Sekunden
Datum: Montag, 16. März 2020
Sendereihe: Online | Radio Bremen

Musik ist die treibende Kraft im Leben des aus dem unterfränkischen Landkreis Main-Spessart stammenden Sängers. Dabei ist Andreas Kümmert sensibel, aber ebenso kompromisslos. Wir erinnern uns: Souverän gewann Kümmert 2013 die 3. Staffel der Castingshow “The Voice Of Germany“ und konnte mit seinem selbst geschriebenen Finalsong “Simple Man“ bis auf Platz 2 der deutschen Singlecharts aufsteigen. 2015 ging er als Sieger aus dem deutschen Vorentscheid „Unser Song für Österreich“ für den Eurovision Song Contest hervor. Vor laufender Kamera verzichtete Kümmert jedoch auf die Teilnahme am Finale und überließ der Zweitplatzierten Ann Sophie das Ticket nach Wien. Später teilte er mit, dass er wegen einer Angststörung und Panikattacken in therapeutischer Behandlung sei.

Keine Mainstream-Persönlichkeit

Persönliche Angepasstheit und künstlerischer Mainstream sehen anders aus. Seine auf “Harlekin Dreams“ versammelten Songs hat Andreas Kümmert sich dann auch unverkopft von der Seele geschrieben. Frei vom Anpassungsdruck an die Vorgaben eines Major-Labels, welches die Zusammenarbeit mit solch einem nur auf den ersten Blick kantigen Künstler Mitte 2018 dann auch beendet hat :

Andreas Kümmert über die Songauswahl [32 Sekunden]

Kümmert hat ein eigenes Label mit skurrilem Namen

Mit seinem eigenen Label “Vomit Records“ im Rücken beobachtet Andreas Kümmert nun das Leben und entwickelt aus dem Alltag ebenso wie aus persönlichen Erfahrungen heraus seine Songideen:

Andreas Kümmert über Songideen [22 Sekunden]

“Harlekin Dreams“ ist ein absolut intensives Album

Die Basis für die ungemein intensiven “Harlekin Dreams“ bilden Gefühle. Diese versucht Andreas Kümmert einzufangen und in seiner Musik zu konzentrieren. Er horcht am Klavier diesen Emotionen hinterher und setzt sie über seine Finger in die Mechanik der Musik um. Aus solch emotionalen Blaupausen heraus sind so unterschiedliche Songs wie die von unterschwelliger Energie pulsierende Rockballade “Secret“ oder das wie ein aus dem Ruder gelaufener Brummkreisel rotierende “She Said“ entstanden:

Autor/-in: Andreas Kümmert
Länge: 21 Sekunden
Datum: Montag, 16. März 2020
Sendereihe: Online | Radio Bremen

Kümmerts Rezept: unverfälscht und zutiefst persönlich

Die Songs auf “Harlekin Dreams“ sind äußerst persönliche Zeugnisse der Beobachtungen und Erlebnisse dieses Gemündener Musikvulkans. Der erste Entwurf kann dann durchaus auch zur Endfassung mutieren. „Weniger ist mehr“, lautet das Rezept, nach welchem Kümmert etwa bei der Ballade “Till I Die“ vorgegangen ist:

Andreas Kümmert über "Till I Die" [33 Sekunden]

Mit „frischen Ohren“ an die Aufnahmen gegangen

Bei den Aufnahmen hat Andreas Kümmert jeglichen Zeitdruck vermieden und sich die Freiheit genommen, mit immer wieder neuem Blick auf sein musikalisches Material zu schauen. Im Overdubbing-Verfahren hat er die Instrumente selbst eingespielt und zuletzt als krönenden Abschluss seine Gesangspur hinzugefügt:

Andreas Kümmert über die Aufnahmen [41 Sekunden]

Bei einigen wenigen Instrumenten hat Vollblutmusiker Kümmert sich dann doch Unterstützung ins Studio geholt. Seine beiden Kumpel Tobias Niederhausen und Ulli Bieber haben für ihn Gitarre und Drumset ausgepackt. Und Produzent Dominik Heidinger, in dessen Würzburger Sonic Storm Studio Kümmerts “Harlekin Dreams“ Realität geworden sind, hat in die Tasten gegriffen. In “Funky Slith“ sorgt Vladi Strecker für ein lässiges Saxophonsolo:

Andreas Kümmert über seine Gastmusiker [15 Sekunden]

Bei seinen “Harlekin Dreams“ hat Kümmert selbst als Koproduzent mit angepackt. Das hat gut funktioniert, da die Chemie beim gesamten Entstehungsprozess seines aktuellen Albums gestimmt habe, wie er betont :

Andreas Kümmert über Dominik Heidinger [17 Sekunden]

Auf Instagram eine neue Stimme entdeckt

Geradeheraus und ehrlich, das sind die offensichtlichen Charakterzüge Andreas Kümmerts, die sich ungeschminkt selbst beim Gespräch via Telefonleitung sofort offenbaren. Dazu kommen Neugier und eine Offenheit auch für ungewöhnliche Wege, wie die Geschichte um das Duett “Use Somebody“, einer Coverversion der Kings Of Leon, mit einer Sängerin namens Pauline Schwerdtfeger belegt:

Andreas Kümmert über Pauline Schwerdtfeger [35 Sekunden]

Mit sich und seiner Musik zufrieden

Mit seinem aktuellen Album ist Andreas Kümmert zufrieden. Das klingt nach wenig, bedeutet aber für diesen so selbstkritischen Musiker sehr viel. Denn er möchte mit seiner Musik vor allem authentisch und ungekünstelt rüberkommen:

Andreas Kümmert über seine Musik [22 Sekunden]

Wer die “Harlekin Dreams“ noch etwas länger im CD-Player laufen lässt, wird mit dem Hidden Track “Pink Moon“ belohnt, einem Nick-Drake-Cover, welches wie aus einer längst vergangenen Soundsphäre zu uns herüberweht. Neben dem Duett “Use Somebody“ ist dies der einzige Song des neuen Albums, der nicht aus der Feder von Andreas Kümmert stammt. Und der Hidden Track ist ein „kleiner Traum“, den Kümmert sich als Kind der 90er schon immer einmal hat erfüllen wollen:

Andreas Kümmert über den Hidden Track [29 Sekunden]

Ein Kind der 90er, das den Blues und die Beatles mag

Wenn Kümmert sich überhaupt hat musikalisch beeinflussen lassen, dann sind es letztendlich die großen Namen der britischen Musikszene, stellt er mit einem Augenzwinkern in den Raum:

Andreas Kümmert über musikalische Vorbilder [32 Sekunden]

Die Harlekins-Maske abgelegt

Zurzeit ist Andreas Kümmert viel im Zuge seiner Frühjahrtour unterwegs, daneben tritt er auch noch mit einem Bluesrock-Projekt auf. Live auf der Bühne Musik zu machen, ist eben genau das, was er möchte. Andreas Kümmert braucht sich mit seiner Musik vor nichts und niemandem zu verstecken. Auf diesen aufrechten Musiker trifft zu, was der alte weise Mann der deutschen Popmusik, Udo Lindenberg“, schon 2008 gesungen hat: „Und ich mach mein Ding, egal was die andern sagen!“ Andreas Kümmert ist nachdenklich, reflektiert und sich dessen, was er musikalisch unters Volk bringen möchte, absolut bewusst. Die Schlacht mit seinen persönlichen Dämonen hat er schon längst geschlagen und die Harlekins-Maske kann er getrost beiseitelegen. Denn in seinen “Harlekin Dreams“ spielt mittlerweile das wahre, pralle Leben die Hauptrolle.

Christian Höltge

Andreas Kümmert: ”Harlekin Dreams”

Membran / Vomit Records
EAN: 0885150702178
VÖ: 6. März 2020
Die Songs
TitelDauer
Something In My Heart4:57
Milk3:08
Funky Slith3:33
Fukk Up3:10
Evan3:55
Secret2:11
Blue Birds2:57
Gone4:06
Slow Goose5:18
Till I Die2:57
Use Somebody3:56
She Said3:02
Pink Moon2:57

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, 16. März 2020, 16:40 Uhr

Musik