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Bear’s Den: “So That You Might Hear Me“

26. April 2019

Anfang 2012 beschlossen drei Londoner, eine Band zu gründen: Unter dem Namen Bear’s Den machten sie sich auf, den Folk-Pop aufzumischen. Bereits zum Jahresende hatten sie ein Etappenziel erreicht und standen als Support für ihre Schulfreunde Mumford & Sons auf der Bühne der Londoner O2 Arena. Jetzt sind Bear’s Den zwar nur noch zu zweit, können sich aber mit ihrem neuen Album “So That You Might Hear Me“ bestens hören lassen.

Der Bär hat seine Höhle gefunden

In den zehn neuen Songs ihres am 26. April erschienenen Albums verbinden Andrew Davie und Kevin Jones melodischen Folk mit satten Klängen und rockiger Energie. Denn der Bär hat seine Höhle gefunden. Die beiden Köpfe von Bear’s Den, dem englischen Ausdruck für Bärenhöhle, haben nun endlich mit ihren Josiah Booth Studios im Norden Londons einen Ort ausfindig gemacht, an welchem sie in Ruhe an ihren Songs arbeiten können. Ihr kleines Studio ist Teil einer Kirche, die immer noch als Gotteshaus genutzt wird. Beim Renovieren stießen Davie und Jones unter der Tapete auf eine Plakette, die an den hier tätig gewesenen Organisten Josiah Booth erinnert. Und schon hatten die beiden einen Namen für ihr musikalisches Refugium, welches auch ganz klar Auswirkungen auf ihre musikalische Arbeit hat:

Die Freude am Spiel mit elektronischen Klängen, ohne die Erdung im melodischen Fundus der Folkmusik zu verlieren, macht den klanglichen Charme der neuen Songs von Bear’s Den aus. Zum etwas sperrigen Albumtitel “So That You Might Hear Me“ hat sich Texter Andrew Davie vom chilenischen Dichter und Regimekritiker Pablo Neruda inspirieren lassen. Dessen Gedicht “So That You Will Hear Me“ sei für die inhaltliche Ausrichtung ihres mittlerweile dritten Albums wichtig gewesen, erläutert Davie:

Den Lebenspuls ihrer Fans getroffen

Texter und Leadsänger Andrew Davie ringt regelrecht um Ideen für seine Texte, damit die endgültigen Songs wie Taktgeber den Lebenspuls der ständig wachsenden Fangemeinde von Bear’s Den aufnehmen können. Das ist auch Fleißarbeit, denn Davie nimmt etliche Anläufe, bis ihm seine neuen Texte gut genug für einen Song erscheinen. Das passt überhaupt zum nicht enden wollenden Arbeitseifer, den Bear’s Den seit ihrer Bandgründung 2012 an den Tag legen. Kaum eine Pause haben sich Davie und sein Duopartner Kevin Jones seitdem gegönnt. So haben sie etwa die Produktion ihres zweiten Albums “Red Earth & Pouring Rain“ in ein dreiwöchiges Zeitfenster zwischen ihren Touren gezwängt. Dennoch, Andrew Davie braucht ausreichend Raum und Zeit, bis er mit seiner Arbeit zufrieden ist:

Klare Arbeitsteilung beim Songwriting

Kevin Jones nun ist für Andrew Davie ein kongenialer Songwriting-Partner. Denn auch Jones nimmt sich Zeit, um tief in die Texte seines Bandkollegen hineinzuhorchen. Er möchte unbedingt den richtigen musikalischen Ton treffen – und ist doch immer wieder überrascht vom Ergebnis. Dass der bewährte Akustik-Folk von Bear’s Den beim aktuellen Album auch auf elektronische Klänge und funkelnde Bläser trifft, hat natürlich die klanglichen Möglichkeiten entscheidend erweitert:

In Seattle vollendet

Für ihren teils weit ausgreifenden Sound nutzen Davie und Jones nicht nur ihre neuen elektronischen Instrumente. Sie bauen ebenso ganz bewusst auf den Sachverstand ihrer Tourmusiker, die sie für die Aufnahmesessions nach Seattle haben einfliegen lassen. So konnte innerhalb von sieben Aufnahmewochen manche musikalische Idee von der Band noch weiter geschärft werden. Produzent Phil Ek verfügt über einen wahren Schatz an Erfahrungen mit dem Sound von Indie-Rock-Bands. Unter anderem hat er mit den Fleet Foxes und mit Mudhoney zusammengearbeitet. Beide Bands kommen aus Seattle, wo Phil Ek seine Laufbahn als Produzent begann. Der Sound, den er dem neuen Album von Bear’s Den verpasst hat, setzt auf flächige Klänge und raumgreifenden Hall, ohne dabei den Kontakt zu den fein ziselierten Songstrukturen zu verlieren. Man muss sich ein wenig in den Klangkosmos von Bear’s Den mit ihrem zweistimmigen Gesang einhören, aber dann funktioniert es nachhaltig.

Auf der Suche nach den richtigen Klängen

Der Sound von Bear’s Den ist  wiederholt als majestätisch bezeichnet worden. Darüber müssen Andrew Davie und Kevin Jones schon schmunzeln und versuchen es mit ihrer Suche nach opulenten Klängen zu erklären, die sie seit dem Jahr 2014 umtreibt:

Die Impulse, die Kevin Jones der Musik von Bear’s Den gibt, sind vielfältig, stellt Texter Andrew Davie klar. Denn Jones weiß sich auf die unterschiedlichen Songcharaktere gut einzustellen. Bisweilen erinnern die Songs auf dem aktuellen Album von Bear’s Den dabei an frühe Coldplay-Zeiten. Der Aufmacher “Hiding Bottles” oder auch ”Laurel Wreath”  gehören dazu. Es ist ein ständiges musikalisches Geben und Nehmen, welches das Verhältnis der beiden Kerngestalten von Bear’s Den zueinander kennzeichnet. Und so kommt es immer wieder zu überraschenden musikalischen Ergebnissen, die auch auf “So That You Might Hear Me“ zu erleben sind:

Ein musikalisches Paar hat sich gefunden

Um den komplexen Texten seines Songwriting-Partners gerecht werden zu können, scheint Kevin Jones sich zunächst einmal auf das Atmosphärische zu verlegen. Seine Musik auf dem aktuellen Bear’s-Den-Album setzt primär auf Sounds, die sich als dichtes Klanggewebe um einzelne Melodiebausteine legen. Das gesamte Album vermag mit seiner fein polierten Soundoberfläche bis in die Herzen hinein zu strahlen. Schließlich sind ja auch Davie und Jones schon seit etlichen Jahren mit ganzem Herzen beieinander:

Tiefgründige Songinhalte

In seinen Texten springt Andrew Davie zwischen verschiedenen Gedanken- und Gefühlsebenen hin und her. Er arbeitet mit starken sprachlichen Bildern. Im Song “Crow“ etwa schlägt er den Bogen vom glänzender Gefieder einer Krähe hin zu einem Freund seiner Mutter, der für ihn zur Vaterfigur wurde. Davie kann also auch ganz konkret werden und offenbart zutiefst persönliche Erfahrungen wie in “Hiding Bottles“:

Wenn es um seine Songtexte geht, wird Andrew Davie bisweilen sogar fast philosophisch. Auf jeden Fall versucht er ganz tiefe Einblicke in die menschliche Psyche – seine eigene nicht ausgeschlossen – zu nehmen, wie er am Beispiel von “Laurel Wreath“ erläutert:

Auch wenn Andrew Davie und Kevin Jones ihren Bären bisweilen seine rockigen Krallen ausfahren lassen, geben sie den Songs auf “So That You Might Hear Me“ doch ausreichend Gelegenheit, sich ihren intimen Charakter bewahren. Denn zu tief sind die beiden Köpfe von Bear’s Den mit ihrer Musik in die menschliche Gefühlswelt hinabgestiegen. Da darf man gespannt sein, was die beiden in Zukunft aus ihrer Bärenhöhle werden von sich hören lassen.

Christian Höltge

Albumdaten

Bear’s Den: “So That You Might Hear Me“
UMI/ Caroline Records
EAN: 5060496182715
VÖ: 26. April 2019
Die Songs
TitelDauer
Hiding Bottles4:05
Fossils3:58
Fuel On The Fire3:54
Breaker / Keeper4:31
Not Every River1:56
Laurel Wreath4:33
Crow4:56
Conversations With The Ghosts4:08
Evangeline4:38
Blankets Of Sorrow4:28

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, 29. April 2019, 16:40 Uhr

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